
Ingrid Landmark Tandrevold hat sich „eine Falle gestellt“. © APA/afp / MICHAL CIZEK
„Falle gestellt“: Neue Regel beschäftigt Biathlon-Stars
Eine neue Sicherheitsvorschrift des Biathlon-Weltverbandes IBU stellt die Athleten vor ungewohnte Herausforderungen.
01. November 2026
Von: nie
Laut den zur neuen Saison überarbeiteten Regularien dürfen Biathletinnen und Biathleten ihr Gewehr künftig erst abnehmen, wenn sie sich auf der Schießmatte befinden. Für viele stellt dies einen unmittelbaren Eingriff eigene Routinen ein. In Norwegen sorgt die Änderung daher bereits vor dem Saisonstart für Diskussionen. Nachdem Johannes-Olav Botn beim Loop One Festival wegen eines Verstoßes ermahnt worden war, meldeten sich weitere prominente Vertreter des Nationalteams mit kritischen Stimmen zu Wort.
Besonders Ingrid Landmark Tandrevold hat offenbar noch Schwierigkeiten, den neuen Ablauf zu verinnerlichen. Die 30-Jährige sieht vor allem die Umstellung langjähriger Bewegungsmuster als Problem. „Wenn man zehn Jahre lang etwas auf eine bestimmte Weise trainiert hat, ist es schwierig, unter Stress plötzlich alles zu ändern“, erklärte sie im Gespräch mit dem norwegischen Nachrichtenportal NRK.
„Deshalb ist es unmöglich. Ich habe mir selbst eine Falle gestellt.“ Ingrid Landmark Tandrevold
Obwohl sie sich seit sechs Monaten mit der neuen Vorgabe beschäftigt, sei die Umsetzung noch nicht selbstverständlich. „Ich halte die Stöcke in der Hand, die ich normalerweise unter dem Tragegurt hindurchführe. Deshalb ist es unmöglich. Ich habe mir selbst eine Falle gestellt“, schilderte Tandrevold ihre Schwierigkeiten.
Dale-Skjevdal: „Das kam ziemlich plötzlich“
Bisher war es erlaubt, beim Anlaufen zum Schießstand den Unterarm unter dem Gewehrriemen hindurchzuführen. Die Waffe selbst durfte allerdings erst auf der Schießmatte von der Schulter genommen werden. Die neue Vorschrift zwingt die Biathleten nun dazu, einen über Jahre automatisierten Ablauf umzustellen. Gleichzeitig verzögert sich dadurch der Zeitpunkt, an dem sie ihren ersten Schuss abgeben können.Johannes Dale-Skjevdal blickt mit Sorge auf die Neuerung. © ANSA / MARTIN METELKO
Auch Johannes Dale-Skjevdal blickt mit Sorge auf die Neuerung. „Das kam ziemlich plötzlich. Es reiht sich ein in eine ganze Serie von Sicherheitsregeln, die die IBU einführt. Gegen Sicherheitsvorschriften lässt sich natürlich nur schwer etwas sagen. Aber ich finde schon, dass es langsam immer mehr wird“, sagte er.
Oberegger: Norwegen mit Vorsprung?
Martin Uldal teilte seine Bedenken. Er befürchtet, dass die Athleten im Wettkampf unter dem Einfluss von Adrenalin Fehler machen könnten. „Ich habe Angst, dass jemand im Winter in alte Gewohnheiten verfällt, kurz die Orientierung verliert und sich ungeschickt verhält. Das ist ein bisschen beängstigend“, sagte er.Einen gewissen zeitlichen Vorsprung bei der Anpassung hatte offenbar das norwegische Team jedoch. Schießtrainer Patrick Oberegger erklärte, dass sein Verband frühzeitig von der geplanten Änderung erfahren habe, weil der Norweger Per Arne Botnan im technischen Komitee der IBU vertreten gewesen sei und am Entscheidungsprozess mitgewirkt habe. „Tatsächlich gehörten wir zu den Ersten, die davon erfahren haben – möglicherweise sogar noch bevor die Regel offiziell bekannt gegeben wurde“, sagte der Südtiroler. Entsprechend früh habe die Mannschaft mit der Umstellung beginnen können. Die Schwierigkeiten lassen sich jedoch nicht leugnen.
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