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Tommaso Giacomel ist das neue Gesicht im Elite-Biathlon © Pentaphoto

Italiens neuer Biathlon-Star zwischen WM-Träumen und Fan-Hass

Der junge Mann ist im Biathlon in aller Munde, sein Name mittlerweile jedem Fan ein Begriff: Tommaso Giacomel ist der große Senkrechtstarter und gerade dabei sich in der Weltspitze festzubeißen. Wir haben mit dem 22-Jährigen ein Interview geführt und dabei auch über ein Thema gesprochen, das ihm seit einiger Zeit arg zu schaffen macht.

Von:
Alexander Foppa

Bis vor kurzem hatte Giacomel lediglich einen siebten Platz beim Weltcup-Auftakt 2021 als Spitzenergebnis zu Buche stehen. Jetzt ist beim Newcomer plötzlich der Knoten geplatzt: Zwei Mal lief er diesen Winter schon auf den fünften Rang, insgesamt fünf Mal in die Top-Ten. Eine Podiumsplatzierung scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, womöglich klappt es ja schon bei der WM in zwei Wochen in Oberhof.


Im Gespräch mit SportNews erzählt der Biathlet aus dem Primiero-Tal von seinem Medaillentraum, er spricht über die Gründe für seinen Aufstieg, aber auch über Hater, die ihm plötzlich auf die Pelle rücken.


Tommaso Giacomel, wie viel Spaß macht Ihnen das Biathlon zurzeit?

„Es ist brutal cool. Ich hätte mir selbst nicht erwartet, dass ich mal auf so hohem Niveau stehen würde. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Ergebnissen.“


Was hat zum Qualitätssprung geführt?

„Training, sehr hartes Training. Wir haben die vergangenen Monate wirklich nochmal die Zügel angezogen. Und dann hat es bei mir irgendwie Klick gemacht. Da hat sich wirklich ein Knoten gelöst, seitdem geht vieles leichter. So macht das alles einfach richtig Spaß.“

„Johannes Bø werde ich so schnell nicht schlagen.“ Tommaso Giacomel

Wie viel fehlt noch bis ganz nach vorne?

„Johannes Bø werde ich so schnell nicht schlagen (lacht). Aber auf das Podest fehlt in der Tat nicht viel. Wenn ich beim Sprint in Antholz null Fehler geschossen hätte, hätte ich es in die Top-3 schaffen können. Mit Wenn und Aber kann man sich im Biathlon aber nichts kaufen. Ich muss am Schießstand fehlerfrei bleiben und in der Loipe weiter diese Leistung abrufen, dann wird es mit dem Podium klappen. Da bin ich mir sicher.“


Sie sprechen fließenden Südtiroler Dialekt. Woher stammen die Sprachkenntnisse?

„Mein Bruder und ich sind in Sterzing geboren, deshalb liegt mir das Südtirolerisch wohl seit meinem ersten Lebenstag im Blut (lacht). Nein im Ernst: Ich bin im Trentino aufgewachsen, also nicht so weit entfernt vom deutschsprachigen Raum. Später habe ich die Sportoberschule in Mals besucht, dort Freundschaften und Bekanntschaften geknüpft. Viele meiner Teamkollegen kommen aus Südtirol, das Deutsch bleibt mir deshalb im Ohr.“


Auch deshalb ist Ihre Beliebtheit im gesamten deutschsprachigen Raum nach TV-Interviews in den vergangenen Wochen nach oben geschnellt. Genießen Sie das?

„Ja, doch. Ich spüre diese Unterstützung und sie ist mir wichtig. Es gibt aber Ausnahmen: Mittlerweile habe ich auch Erfahrungen mit Hass im Netz gemacht, musste Kommentare von Hatern lesen.“


Wie erklären Sie sich diese Anfeindungen?

„Offenbar sind Menschen von meinem Abschneiden enttäuscht oder erwarten sich mehr als einen Top-10-Platz. Außerhalb Italiens bin ich ja beliebt, speziell in Deutschland. Aber in meiner Heimat habe ich bereits einiges an Kritik einstecken müssen. Ich habe keine Erklärung dafür. Vielleicht interessieren sich Sportfans in einem Land, in dem König Fußball alles andere überschattet, eben nur oberflächlich für Biathlon.“

Tommaso Giacomels Weg führt steil nach oben. © AFP / JURE MAKOVEC


Nichtsdestotrotz reisen Sie mit breiter Brust zur WM. Ist eine erstmalige Podiumsplatzierung, sprich eine Medaille, das Ziel?

„Das wäre ein absoluter Traum. Ich will ganz mitmischen und werde mit diesem Ziel nach Oberhof reisen. Das wird aber nicht einfach. Ich muss genau zum richtigen Zeitpunkt meine absolute Leistungsgrenze erreichen. Ich werde jedenfalls alles geben, das kann ich versprechen.“



Hier dankt Tommaso Giacomel seinen Fans unmittelbar nach seinem letzten Rennen am Wochenende in Antholz:

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