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Lorenz Leitgeb ist Chef des Antholzer Biathlonkomitees und aktueller Olympia-Ausrichter. © SN

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Lorenz Leitgeb ist Chef des Antholzer Biathlonkomitees und aktueller Olympia-Ausrichter. © SN

„Jetzt ist Olympia spürbar“ – Antholz feiert seinen Auftakt

19.000 Zuschauer, internationale Prominenz und Sport auf höchstem Niveau: Mit dem ersten Renntag hat das Pustertal eindrucksvoll bewiesen, dass es bereit ist für die olympische Bühne. Der Antholzer Biathlon-Chef Lorenz Leitgeb spricht im SportNews-Interview über Erleichterung nach Jahren der Vorbereitung, „unglaubliche Stimmung“ im Partyzelt, zu lösende Probleme – und den Moment, in dem aus Planung plötzlich Geschichte wurde.

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa


Herr Leitgeb, darf ich fragen, wo Sie am Sonntag das erste Rennen verfolgt haben?

„Ich bin einmal über die ganze Anlage gelaufen (lacht). Ich habe versucht, überall reinzuschauen, die Stimmung aufzuschnappen, mit den Menschen zu sprechen – und diesen Moment einfach aufzusaugen. Ich war wirklich sehr erleichtert und wollte einfach alles sacken lassen.“


Sie sind also mit dem Auftakt zufrieden?

„Absolut. Es gibt noch Wehwehchen, wie etwa die Verkehrssituation, die wir gemeinsam mit der 'Fondazione Milano-Cortina' unbedingt verbessern müssen und auch verbessern werden, aber alles in allem war das ein sehr guter Start. Das Wetter hat gepasst, die Stimmung und das Allerwichtigste: Die Athleten haben sportliche allerfeinste Unterhaltung geliefert.“


Sie sprechen die Stimmung an: Beim Kartenverkauf war die letzten Wochen noch Luft nach oben, waren Sie deshalb überrascht, dass die Arena dann bereits am ersten Tag mit 19.000 Zuschauern ausverkauft war?

„Nein, wir hatten die Ticketsituation immer im Blick und konnten mit Echtzeitdaten verfolgen, wie sich die Arena in den Tagen vor dem Rennen gefüllt hat. Auch für das Einzelrennen der Männer (Dienstag, um 13.30 Uhr, Anm. d. R.) haben wir bereits mehr als 14.000 Karten verkauft – und man bedenke, dass dies das Rennen mit der geringsten Nachfrage ist. Aktuell können sich Biathlonfans noch für fast alle Bewerbe online Tickets besorgen, allerdings bin ich mir sicher, dass wir noch häufiger ausverkauft vermelden dürfen und noch weitere so stimmungsvolle Nachmittage wie jenen am Sonntag erleben werden.“

Die Antholzer Biathlon-Arena war bereits zum Auftakt bis auf den letzten Platz gefüllt. © ANSA / MARTIN METELKO

Die Antholzer Biathlon-Arena war bereits zum Auftakt bis auf den letzten Platz gefüllt. © ANSA / MARTIN METELKO


Welche Problemfelder gilt es bis dahin noch zu bearbeiten?

„Von Problemen würde ich nicht sprechen, eher von Anpassungen. Wir haben jeden Tag zwei Meetings, eines am Morgen und eines am frühen Abend, in denen wir analysieren, was geklappt hat und wo Hand angelegt werden muss. Grundsätzlich ist es aber so, dass die „Fondazione Milano-Cortina“ die Entscheidungen trifft, wir als Antholzer Biathlonkomitee sind nur Mitausrichter, die versuchen, ihr Wissen und ihre Erfahrung einzubringen.“


Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Olympia-Organisatoren?

„Ich beschreibe es mal so: Der Beginn war eher holprig, mittlerweile greifen die Zahnräder richtig gut. Über den Daumen geschätzt sind hier an die 50 Mitarbeiter, die von Mailand oder Rom aus neu in die Organisation dazugestoßen sind. Wir mussten uns erst einspielen und gemeinsam an den Aufgaben wachsen. Ich glaube aber, die Olympia-Organisatoren haben gemerkt, wie wertvoll der Beitrag von uns Antholzern ist.“
„Die Atmosphäre im Fanzelt war genial“ Lorenz Leitgeb

Hatten Sie im Vorfeld Bedenken bei gewissen organisatorischen Hürden?

„Da gab es einige. Ich war mir etwa nicht ganz sicher, wie sich die Situation an den Einlässen darlegen würde, weil ja doch ungewohnt strenge Sicherheitsauflagen zu erfüllen sind und die Zuschauer erst in Schleusen dahingelangen. Das hat im Großen und Ganzen sehr gut geklappt, ebenso wie das Abströmen der Zuschauermassen. Da gab es zwar Verzögerungen, aber die lassen sich bei dieser Besucherzahl nicht komplett vermeiden und waren auch in der Vergangenheit beim Weltcup so.“


Beim Weltcup zählt das große Fanzelt zu den Highlights für die Besucher. Wie war die Stimmung dort?

„Die Atmosphäre dort war genial. Ich habe mir selbst ein Bild davon gemacht. Es wurde gesungen, geschunkelt und friedlich gefeiert. Es war wie beim Weltcup – nur vielleicht noch eine Spur internationaler. Ein Fest aller Nationen, so wie es vermutlich nur der Sport schafft.“


Am ersten Renntag wurde viel internationale Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Sport und Showgeschäft auf der Tribüne gesichtet. Wie werden die VIP-Gäste zur Arena gebracht?

„Die Besucher der VIP-Tickets werden mit eigenen Shuttlebussen hoch zum Biathlonzentrum gebracht, müssen dann aber genauso wie alle anderen Zuschauer die letzten Meter zu Fuß gehen und den Security-Check passieren. Den Transport internationaler Ehrengäste organisieren die Sicherheitskräfte, doch auch sie sind am Sonntag allesamt mit dem Auto zur Arena gekommen. Sie fahren unter Polizeibegleitung direkt vor und wir schauen dann, dass alles glatt läuft.“

Unter anderem Vize-Premierminister Matteo Salvini und CONI-Boss Luciano Buonfiglio (r.) waren schon in Antholz zu Gast. © ANSA / PIERRE TEYSSOT

Unter anderem Vize-Premierminister Matteo Salvini und CONI-Boss Luciano Buonfiglio (r.) waren schon in Antholz zu Gast. © ANSA / PIERRE TEYSSOT



Wie lange dauern Ihre Arbeitstage momentan?

„Ich lege so gegen 7 Uhr los und verlasse das Biathlonzentrum irgendwann zwischen 19 und 22 Uhr, je nachdem, was gerade anfällt. Aber ich muss sagen, ich genieße es in vollen Zügen. Die letzten Wochen, Monate, ja Jahre der Vorbereitung waren extrem intensiv und kräftezehrend. Jetzt bekommen wir jeden Tag das Ergebnis präsentiert – und das ist toll. Es ist nicht nur für mich ein Lohn, sondern für unser gesamtes Team, das so unglaublich viel Herzblut in die Sache steckt und – zugegebenermaßen – letzthin auch sehr angespannt und nervös war.“


Auf was freuen Sie sich die nächsten Tage noch ganz besonders?

„Auf dieses besondere Olympia-Flair und hoffentlich noch über die ein oder andere Medaille unserer Biathleten. Es hat am Sonntag einfach riesengroßen Spaß gemacht – so kann es weitergehen.“

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