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Katja Haller hat am Mittwoch ihre Karriere offiziell beendet Katja Haller beim Weltcup in Antholz

Katja Haller: „Meine Karriere ist offiziell zu Ende“

Wie aus heiterem Himmel hat am Mittwochnachmittag die Nachricht von Katja Hallers Rücktritt eingeschlagen. SportNews unterhielt sich umgehend mit der sympathischen Ridnaunerin, die mehr als ein Jahrzehnt zur Biathlon-Nationalmannschaft gehörte. Ein Interview.

Katja, wie geht es Ihnen nach dieser Entscheidung?
Mir geht es sehr gut. Die Entscheidung, die Karriere zu beenden, ist von ganzem Herzen gekommen und ich bin aus tiefstem Inneren überzeugt, das richtige getan zu haben. Ich war in den letzten Monaten einfach nicht mehr mit 100 Prozent Leidenschaft dabei und hätte mich jetzt, zu Beginn der neuen Saison, quälen müssen, um zu trainieren. Das wollte ich mir ersparen.

Wann sind die Rücktrittsgedanken konkret geworden?
Schon nach der WM in Ruhpolding habe ich mir Gedanken über ein mögliches Karriere-Ende gemacht, denn sie ist für mich persönlich nicht nach Wunsch verlaufen. Aber solche Durchhänger hat jeder Sportler in seiner Karriere und nach einer Weile gehen sie wieder weg.

Bei Ihnen hielten die Rücktrittsgedanken aber sogar noch im Urlaub in Thailand an…
Ja genau. Vor dem Urlaub habe ich mir gesagt, dass ich nach meiner Rückkehr eine Entscheidung treffen muss. Als ich dann aus Thailand zurückkam, hatte ich die Leidenschaft für den Biathlon-Sport immer noch nicht wiedergefunden und am 9. Mai habe ich dann einen Schluss-Strich gezogen. Seit heute (Mittwoch, Anm. d. Red.) ist der Rücktrittübrigens offiziell, denn ich habe bei der Finanzwache noch einige Formalitäten erledigen müssen.

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was jetzt, also nach ihrer Karriere, kommt?
Ich werde dem Biathlon-Sport vorerst einmal nicht treu bleiben, eine Tätigkeit als Trainerin kommt im Moment nicht in Frage. Ich brauche Abstand. Ich habe jetzt vier Monate unbezahlten Urlaub und werde ins Ausland gehen. Sobald ich zurückkomme, werde ich bei der Finanzwache arbeiten. In meinem Leben hat sich immer alles um den Sport gedreht. Nun gilt es meine anderen Interessen herauszufinden. Das werde ich in den nächsten Monaten tun.

Welches war der schönste Moment in Ihrer Karriere?
Das war sicher der zweite Platz mit der Mixed-Staffel in Pyoeng Chang, als ich völlig überraschend nominiert wurde. Eigentlich war eine andere Biathletin für dieses Rennen vorgesehen. Beim Anschießen lief ich zwei Mal als erste in das Stadion, das war schon ein tolles Gefühl.

Sie haben auch drei Mal an Olympischen Winterspielen teilgenommen…
Vor allem bei meiner ersten Teilnahme in Salt Lake City war ich überwältigt. Als Sportler träumt man ja immer davon, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Alle Sportler leben in ein und demselben Dorf, deshalb ist es ein ganz anderes, besonderes Flair, das die Spiele umgibt, als zum Beispiel im Weltcup.

Wer hat Ihnen in Ihrer Karriere besonders imponiert?
Als ich am Anfang meiner Laufbahn stand, war ich immer ein Fan von Frode Andresen aus Norwegen. Er hatte eine ausgezeichnete Lauftechnik, die mir ausgesprochen gut gefiel. Außerdem war er auch ein sehr verschlossener Typ, der mit wenigen Biathleten Kontakt hatte und deshalb schon ein bisschen eigenartig. Und am Schießstand war er unberechenbar. Er konnte Null schießen – aber genauso gut ein paar Fahrkarten. Das hat es immer so spannend gemacht, wenn er dabei war. Er war ein richtiger Typ halt…

Ihre Teamkolleginnen wie Dorothea Wierer, Karin Oberhoferoder Michela Ponza werden Sie vermissen.
Ja, das ist sicher auch der traurigste Aspekt an dieser ganzen Geschichte. Der Grund, warum ich meine Karriere mit einem weinenden Augebeende. Aber ich habe mit den meisten eine tolle Freundschaft aufgebaut und wir werden uns sicher nicht aus den Augen verlieren. Übermorgen (am Freitag, Anm. d. Red.) werde ich sogar zum Trainingslager nach Antholz fahren und ihnen dort einen Besuch abstatten.

Ganz werden Sie dem Sport aber icht den Rücken kehren, oder?
Derzeit genieße ich es ehrlich gesagt, dass ich fast gar nichts tun muss (lacht). Ansonstengefällt mirTriathlon sehr gut und ich habe auch schon zwei Mal beim Triathlon in Kaltern mitgemacht. Ich denke, dass ich mich künftig dieser Sportart widmen werde.

Ansonsten könnten Sie es ja im Kegeln versuchen, denn in Ihrer Familie ist diese Sportart hoch im Kurs…
(lacht) Das stimmt, mein Vater, meine Mutter und meine Schwester spielen alle im Verein. Sobald ich meine Entscheidung getroffen hatte, haben sie auch alle gemeint, dass bei Ihnen in der Mannschaft noch ein Platz frei wäre.

Katja, vielen Dank für dieses Interview und alles erdenklich Gute für Ihre Zukunft!



Katja Hallers Karriere im Überblick:

Katja Haller feierte in der Saison 2000/2001 ihr Debüt im Weltcup, und zwar in Hochfilzen. Im österreichischen Biathlon-Mekka gelang der 31-jährigen Ridnaunerin auch die beste Platzierung im Weltcup: im Einzelrennen kam sie in der Saison 2008/09 auf den zehnten Platz. Bei insgesamt 187 Einsätzen im Weltcup schaffte sie neun Top-20-Platzierungen. Ihr bestes Ergebnis im Gesamtweltcup schaffte Katja Haller in der Saison 2010/11, als sie in der Wertung nach dem letzten Rennen an 36. Stelle geführt wurde.

Katja Haller nahm in ihrer Karriere auch drei Mal an Olympischen Winterspielen teil. Als bestes Ergebnis steht für die Biathletin der Sportgruppe der Finanzwache ein 18. Platz im Einzelrennen in Vancouver zu Buche. Außerdem war die Ridnaunerin acht Mal bei Weltmeisterschaften am Start. Bei der Heim-WM 2007 in Antholz belegte Haller als bestes Ergebnis in ihrer Karriere Rang 12. Im Vorjahr in Khanty Mansiysk schrammte sie bei den Titelkämpfen mit der Staffel an der Bronzemedaille vorbei und wurde Vierte.

Nach einer durchwachsenen Saison 2011/12, in der sie auch gesundheitliche Probleme plagten, erklärte Katja Haller am 23. Mai offiziell ihren Rücktritt vom aktiven Sport.

Autor: sportnews

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