
Lisa Vittozzi überkamen nach dem Rennen mehrfach die Emotionen. © ANSA/Teyssot
Lisa Vittozzi unter Tränen: „Hatte es meinem Opa versprochen“
Lisa Vittozzi hat an diesem Sonntag in Antholz Sportgeschichte geschrieben. Sie ist die erste Biathlon-Olympiasiegerin aus Italien. Dementsprechend groß war der Trubel, dem die völlig aufgelöste Gold-Gewinnerin ausgesetzt war.
15. Februar 2026
Aus Antholz

Von:
Alexander Foppa
Es war um 16.43 Uhr, also auf die Minute genau anderthalb Stunden nach ihrem umjubelten Zieleinlauf, als Lisa Vittozzi in der Antholzer Biathlon-Arena vor die schreibende Presse trat. Da lag die Siegerehrung längst hinter ihr, sie hatte bereits unzählige TV- und Radio-Interviews gegeben. Doch noch immer kullerten Tränen über ihre Wangen. „Sorry, aber ich kann grad nicht anders“, so ihre ersten Worte.
Vittozzi rang um Fassung und gab dann zu Protokoll: „Es klingt blöd, aber ich bin einfach nur stolz auf mich selbst. Ich habe immer gewusst, ich werde einmal Olympiasiegerin sein. Davon war ich zwischenzeitlich meilenweit entfernt, doch ich habe mich aus einem Loch gekämpft und bin nach oben geklettert.“ Mit dem Olympiasieg im Verfolger ist die 31-Jährige ganz oben angekommen. „Und ich genieße es. Besser gesagt, nach dem letzten Anstieg habe ich jede Sekunde genossen. Hier in diesem Stadion einzulaufen, all die jubelnden Menschen und Fahnen zu sehen – das war fantastisch.“
Vittozzi lässt ihre Zukunft offen
Kaum hatte Vittozzi diese Sätze zu Papier gegeben, hielt sie eine Weile inne und sagte dann stockend: „Als ich dann im Ziel angekommen bin, habe ich an meinen Opa gedacht. Ich hatte ihm diese Medaille versprochen, ihm widme ich sie.“ Vittozzis Großvater ist vor fünf Jahren verstorben, beide hatten eine sehr enge Bindung. „Er hat mich in meiner Karriere immer unterstützt. Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergeht, ob ich noch lange Biathlon betreiben werde. Ich will heute weder an die schwierige Vergangenheit noch an die Zukunft denken.“„Ich habe immer gewusst, ich werde einmal Olympiasiegerin sein“ Lisa Vittozzi
Danach rieb sich Vittozzi die Tränen aus den Augen und verschwand mit der Goldmedaille um den Hals hängend zur internationalen Pressekonferenz im Bauch der Biathlon-Arena.
Italiens Nationalteam ließ Lisa Vittozzi gebührend hochleben. © AFP / ODD ANDERSEN
Vor dem Gespräch mit der frischgebackenen Olympiasiegerin hatte SportNews die Möglichkeit, mit ihren Teamkolleginnen zu sprechen. „Ich kann einfach nur den Hut vor Lisa ziehen“, sagte Hannah Auchentaller, „wie sie sich nach einem Jahr Pause zurückgekämpft hat, welche Hürden sie genommen hat – das ist schlichtweg beeindruckend. Ich freue mich riesig für sie.“
„Sie investiert so viel in Biathlon – sicherlich viel mehr, als ich das tue“ Dorothea Wierer
Auch Dorothea Wierer gratulierte ihrer Teamkollegin: „Ich sehe ja, was Lisa jeden Tag leistet. Sie investiert so viel in Biathlon – sicherlich viel mehr, als ich das tue. Sie lebt für diesen Sport. Sie hat sich diese Medaille wirklich verdient.“ Wierer verschweigt dabei auch gar nicht, dass das Verhältnis zwischen ihr und Vittozzi nicht immer das beste war, sagt aber auch: „Wir sind keine Freundinnen, aber wir sind Teamkolleginnen, die sich gegenseitig respektieren. Biathlon ist eben ein Einzelsport. In den Teambewerben halten wir alle zusammen und geben alles, um gemeinsam erfolgreich zu sein.“
Dorothea Wierer war eine von Lisa Vittozzis ersten Gratulantinnen. © ANSA / PIERRE TEYSSOT
Erfolgreich wollen Wierer, Vittozzi & Co. auch am Mittwoch sein, wenn sie mit der Staffel auf Medaillenjagd gehen. „Diese Goldene tut der ganzen Mannschaft gut, wir werden in der Staffel gestärkt an den Start gehen“, so Wierer abschließend.
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