
Armin Auchentaller und seine Tochter Hannah erleben gerade etwas Einmaliges. © Felice Calabro'
Olympia „dohoame“: Die Auchentallers ganz privat
Es ist eine besondere Familien-Story, die diese Winterspiele in Antholz schreiben: Armin und Hannah Auchentaller. Vater und Tochter. Er Trainer, sie Biathletin. Beide stammen aus Antholz, beide erleben gerade Olympia im eigenen Dorf – doch getrennt kämpfen sie um Medaillen und die Gunst in der eigenen Familie.
12. Februar 2026
Aus Antholz

Von:
Alexander Foppa
„Ich glaube, die schreien einfach permanent das ganze Rennen durch“, sagt Hannah Auchentaller lachend. Sie meint ihre Schwester Leni, ihre Mama, Tanten und Cousinen, die allesamt bei Olympia als Fans an der Strecke stehen. „Sie halten Italien und mir genauso die Daumen wie den Amerikanern und meinem Papi.“
Zur Erklärung: Hannah Auchentaller zählt zu den besten Biathletinnen, die Italien zu bieten hat. Am Mittwoch hat sie im Einzel (Platz 30) ihr Olympia-Debüt gegeben. Die 24-Jährige soll in die Fußstapfen von Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi treten, mit denen sie bereits vor drei Jahren in Oberhof überraschend Staffel-Weltmeisterin wurde. Armin Auchentaller, 54 Jahre, ist dagegen seit mehr als drei Jahrzehnten als Trainer tätig und aktuell der Chef im US-amerikanischen Team.
„Wer hat schon seinen eigenen Vater direkt in der Loipe stehen?“ Hannah Auchentaller
Vater und Tochter – Konkurrenten bei Olympia, also? „Natürlich schaue ich zunächst auf meine Athletinnen, aber wenn Hannah an der Strecke bei mir vorbeisprintet, dann feuere ich sie richtig lautstark an“, schmunzelt Armin Auchentaller. „Das pusht mich schon“, sagt seine Tochter. Sie fügt augenzwinkernd hinzu: „Wer hat schon seinen eigenen Vater direkt in der Loipe stehen?“
Schon der Opa war beim Biathlon
Allerdings hat der gegenseitige Support auch Grenzen. So etwa haben beide schon vor Jahren einen Pakt geschlossen. „Ich gebe ihr nur Tipps, wenn sie darum bittet“, verrät der Trainer, „Hannah hat ihre Trainer im Nationalteam, da darf ich nicht dazwischenfunken. Außerdem gibt es auch andere Dinge, die Väter und Töchter besprechen, da muss sich nicht immer alles nur um Biathlon drehen.“Hannah Auchentaller absolviert ihre ersten Olympischen Spiele. © Felice Calabro'
Wenn dann zuhause doch mal der Wintersport zum Thema wird, dann kann auch der Opa fachkundig mitreden. Christian Auchentaller, Armins Vater, war einst Gründungsmitglied des SV Antholzertal und bis 2007 Schießstandchef im Biathlonzentrum. Noch heute schleift er in seiner Garage für unzählige Langläufer die Skier. Er schaut gerade jetzt ganz genau hin, wenn sein Sohn und seine Enkelin bei Olympia vor der eigenen Haustür auf Medaillenjagd gehen.
„Ich bin wohl der Einzige, der sagen kann: Ich schlafe bei Olympia im eigenen Bett.“ Armin Auchentaller
Olympia zuhause – oder „Olympia dahoame“, wie es Armin Auchentaller ausspricht – ist in diesem Fall wörtlich gemeint. Während Hannah in Italiens Team-Quartier in Antholz Obertal wohnt, ist ihr Vater in den eigenen vier Wänden untergebracht. „Unsere Athleten sind in Mittertal einquartiert, also einen Steinwurf von mir zuhause entfernt. Ich bin wohl der Einzige, der sagen kann: Ich schlafe bei Olympia im eigenen Bett.“
Am meisten Zeit für normales Familienleben haben die Auchentallers übrigens im Frühsommer, wenn die Biathlon-Saison vorüber ist und sich alle in Antholz Niedertal treffen. Dann ist auch Hannahs um drei Jahre jüngere Schwester Leni dabei. Sie war selbst lange ein großes Biathlontalent, aktuell absolviert sie in Friedrichshafen eine Ausbildung in Physiotherapie – wenn sie nicht gerade beim Biathlon als Familien-Supporterin dabei ist. So geschehen eben am Mittwoch, als sie an der Huber Alm gemeinsam mit ihren Verwandten ordentlich Unterstützung lieferte – für Hannah und für die Amerikanerinnen.
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