
Biathlon-Ass Rebecca Passler hat ihr altes Lächeln wieder. © SN
Rebecca Passler hat neue Kraft gefunden: „Jetzt angreifen“
Der Biathlon-Weltcup 2026/27 soll für Rebecca Passler in erster Linie eines werden: ein Neustart. Zuvor aber blickt die 25 Jahre alte Antholzerin im Gespräch mit uns auf die schwierigste Zeit ihres Lebens und auf das, was sie aus ihrem erzwungenen Olympia-Aus gelernt hat.
30. September 2026

Von:
Alexander Foppa
Rebecca Passler hat im vergangenen Winter so viel erlebt, wie andere in ihrem ganzen Sportlerleben nicht. Zunächst fuhr sie die besten Ergebnisse ihrer Weltcup-Karriere ein, kratzte als Elfte zwei Mal an den Top Ten. Der Weg in die Weltspitze schien geebnet – bis zum großen Knall unmittelbar vor Olympia.
Wegen Dopingverdachts wurde die Pustererin ausgerechnet vor dem Heim-Event suspendiert. Da sie glaubhaft darlegen konnte, dass es sich bei der positiven Probe um eine Verunreinigung handelte, wurde die Sperre später aufgehoben, zu einem Olympia-Einsatz kam sie aber nicht mehr. Der Fall muss gerichtlich noch abgeschlossen werden, Passler aber hat ihren Blick mittlerweile nach vorne gerichtet. Im SportNews-Interview spricht sie über die vergangenen Monate, ihre Vorbereitung, ihre Ziele und den Abschied von Dorothea Wierer.
Was nehmen Sie aus dem letzten Winter mit?
Rebecca Passler: „In erster Linie die guten Platzierungen, die ich bis Olympia eingefahren habe. Sie waren für mich eine Art Bestätigung für den Weg, den ich bis dahin gegangen war – zumal es meine besten Ergebnisse überhaupt im Weltcup waren. Darauf wollte ich eigentlich aufbauen, ich hätte mir gewünscht, konstant vorne mitzulaufen. Doch leider kam dann bekanntlich etwas dazwischen.“
Sie meinen die Suspendierung wegen eines vermeintlichen Dopingvergehens. Haben Sie das mittlerweile abgehakt?
„Das ärgert mich nach wie vor, ganz klar. Im Grunde sind wir Einzelsportler, die alles auf die eigene Leistung ausrichten, das ganze Jahr auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten und dem alles unterordnen. Wenn man kurz vor diesem Ziel steht und es dann plötzlich unerreichbar ist, dann macht das etwas mit einem. Zumal ich damals von meiner Sperre aus den Medien erfahren habe. Das mental zu verarbeiten, ist gar nicht so einfach.“
Olympia daheim erlebte Rebecca Passler nur am Rande. © ANSA / MARTIN METELKO
Wie haben Sie in den Alltag des Leistungssports zurückgefunden?
„Als Athletin hat mich das damals komplett aus dem Rhythmus geworfen. Diesen gilt es erst wieder aufzubauen. Menschlich allerdings habe ich dadurch sicherlich dazugelernt. Es hat mich mental stärker gemacht, davon profitiere ich heute – und diese neue Kraft möchte ich mit in den nächsten Winter nehmen. Ich werde wieder angreifen.“
„Das hat mich mental stärker gemacht“ Rebecca Passler
Wie lief die Vorbereitung bislang?
„Ich bin besser in Form als im Sommer des vergangenen Jahres. Damals hatte ich immer wieder mit körperlichen Problemchen zu kämpfen, heuer dagegen läuft bislang alles nach Plan. Ich hoffe, das bleibt so.“
Mit welchem Ziel werden Sie in die neue Weltcup-Saison starten?
„Zuallererst möchte ich wieder den Anschluss finden, im Weltcup wieder richtig Tritt fassen. Ich hoffe, ich kann meine Form dann so aufbauen, dass ich im Februar bei der Weltmeisterschaft meine beste Leistung abrufen kann. Die Titelkämpfe in Estland sind das große Saison-Highlight.“
Es wird keine gemeinsamen Auftritte mehr von Dorothea Wierer (l.) und Rebecca Passler geben. © afp / JOE KLAMAR
Es werden für Sie die ersten Titelkämpfe ohne Dorothea Wierer an Ihrer Seite. Fühlt sich das jetzt schon seltsam an?
„Ja, definitiv. Ich habe mir meistens mit Doro und Hannah (Auchentaller, Anm. d. Red.) eine Wohnung geteilt. Wir waren die Südtirol-Connection. Die gemeinsamen Gespräche, das Rumalbern, die entspannte Zeit abseits des Renngeschehens werde ich vermissen. Davon abgesehen wird sie uns in der Staffel fehlen, dieses Loch gilt es erst zu füllen.“
Wierers Abschied verändert auch die Rollen innerhalb der Mannschaft. Trauen Sie sich zu, künftig mehr Verantwortung zu übernehmen?
„Natürlich ist ein Kaderplatz freigeworden, den eine nachrückende Athletin füllen kann. Wir haben mit Lisa Vittozzi eine absolute Siegläuferin, dahinter drängen sich mehrere Teamkolleginnen auf, die auch Verantwortung übernehmen können. Dazu zähle ich auch mich. Am Ende zählt aber nur eines: die Ergebnisse im Weltcup. Und darauf liegt mein Fokus.“
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