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Federica Sanfilippo hat ihren Platz im A-Kader verloren, sagt aber: „Jetzt erst recht!“ © Pentaphoto (2)

Sanfilippo nach Ausbootung: „Enttäuschung in Biss umwandeln“

Es war zweifellos eine Überraschung, als Federica Sanfilippo zu Maibeginn nicht mehr im A-Kader der Biathlon-Nationalmannschaft aufschien. Jetzt spricht die Ridnaunerin über die Ausbootung und ihre künftigen Ziele. Eines vorneweg: Aufgeben ist für die 29-Jährige keine Option.

Federica, wie geht es Ihnen seitdem Sie wissen, dass Sie nicht mehr im A-Kader der Nationalmannschaft stehen?

Sanfilippo: „Ich muss ehrlich sagen, dass die Nachricht ein Schock war. Ich wurde einen Tag vor der Bekanntgabe angerufen. Ich habe nichts geahnt oder gewusst, es war für mich brutal überraschend und unerwartet.“


Wie erklären Sie sich die Ausbootung aus dem A-Kader?

„Ich bin selbst nicht zufrieden mit meiner letzten Saison und ich habe sogar überlegt, ob ich aufhören soll. Ich habe mir gesagt, dass sich etwas verändern muss. Jetzt ist die Veränderung gekommen, aber so eine habe ich nicht gewollt. Es wurde im Hinblick auf Olympia 2026 gehandelt. Aber bis dahin sind es noch sechs Jahre, in denen die Plätze im Weltcup gefüllt werden und die Jungen Rennen in ihren Kategorien machen müssen.“

„Der absolute Wille ist zurück. Es gibt etwas, für das ich kämpfen muss.“
Federica Sanfilippo

Sie haben Veränderungen angesprochen: Welche hätten Sie angestrebt?

„In den letzten Jahren habe ich relativ viel alleine in Ridnaun trainiert. Dadurch habe ich etwas die Motivation verloren. Das wollte ich ändern. Mehr zusammen mit den anderen trainieren und dadurch neue Trainingspartner haben. Jetzt haben wir tatsächlich alle neue Trainingspartner und das ist auch das Gute an der Sache. Ich trainiere aktuell mit Patrick (Braunhofer; Anm. d. Red.) in Ridnaun und es ist sehr gut, ihn im Training als Partner zu haben.“


Sie haben gesagt, dass sie überlegt haben mit dem Biathlon aufzuhören. Was hat Sie bewogen weiterzumachen?

„Ich habe mir gesagt: Jetzt erst recht! Die Enttäuschung will ich in Biss umwandeln. Ich merke schon jetzt, dass sich etwas geändert hat. Der Fixstartplatz für den Weltcup, den ich zuletzt gehabt habe, hat in mir etwas verändert. Nicht falsch verstehen, auch die letzten Sommer waren nicht gemütlich. Aber jetzt ist der absolute Wille zurück. Weil es etwas gibt, für das ich kämpfen muss. Ich habe das Gefühl, dass ich noch nicht alles gezeigt habe. Ich kann mehr, deshalb mache ich weiter.“

Federica Sanfilippo bei der Heim-WM in Antholz im Februar 2020.


Wieso ist gerade die letzte Saison nicht so verlaufen, wie Sie sich das gewünscht hätten?

„Ich hatte immer Probleme mit dem Immunsystem und war oft krank. Aber der letzte Sommer war sehr gut und auch während der Saison bin ich nie krank geworden. Während des Winters hat einfach die Form gefehlt. Aber ich will auch nicht zu viel nachdenken. Die letzte Saison habe ich abgeschlossen, man kann die alten Sachen nicht immer mitnehmen.“
„Am Anfang war ich brutal enttäuscht. Dann hat mich Doro beruhigt.“
Federica Sanfilippo

Blicken wir nach vorne: Wie sieht Ihre Zukunft aus?

„Ich bin nicht negativ, aber auch nicht positiv eingestellt. Es hat geheißen, dass wir interne Qualifikationen um die Weltcup-Startplätze machen werden. Wie das genau aussehen soll, das weiß ich nicht. In der aktuellen Situation ist alles offen, aber mein Ziel ist es, mich für den Weltcup zu qualifizieren. Dort möchte ich konstanter werden und kontinuierlich unter die ersten 20 laufen. Ich wäre nicht zufrieden, wenn die nächste Saison wieder so verläuft wie die letzte.“


Wie wird Ihr Sommer aussehen?

„Im Moment freue ich mich, daheim zu sein. Dass ich so lange Zuhause bin, das hatte ich noch nie. Ein Eis essen, zur Kosmetikerin gehen oder im Rahmen der Corona-Maßnahmen Freunde treffen – ich freue mich sehr über die einfachen Dinge. Mit der Polizeisportgruppe soll es im Sommer ein Training geben, wo wir Biathleten uns treffen werden.“


Wie hat Ihre Freundin und Teamkollegin Dorothea Wierer Ihre Herabstufung aufgenommen?

„Am Anfang war ich wirklich brutal enttäuscht. Doro hat mir dann eine positivere Auffassung geschildert, das hat mich etwas beruhigt. Wir sind ja sowieso im Kontakt und hätten uns auch privat gesehen. Trotzdem hoffe ich, dass wir bald wieder gemeinsam trainieren können. Sagen wir so: Ich kann die Zurückstufung zwar nicht verstehen, aber es ist so. Ich muss es akzeptieren und habe es auch akzeptiert. Es ist nicht das erste Mal, dass ich zurückstecken muss.“


Fragen: Christian Staffler

Autor: christian.staffler

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