
Johan-Olav Botn schildert die dramatischen Momente. © AFP / OLIVIER CHASSIGNOLE
Schock und Panik: „Ich habe ihn leblos gefunden“
Erstmals seit dem plötzlichen Tod des norwegischen Biathleten Sivert Guttorm Bakken hat sich mit Johan-Olav Botn jener Teamkollege zu Wort gemeldet, der den leblosen Körper fand.
03. Januar 2026
Von: leo
Johan-Olav Botn ist im bisherigen Winter die überragende Figur im Biathlon-Zirkus. Der 26-Jährige feierte schon drei Siege und führt den Gesamtweltcup mit 113 Punkten Vorsprung an. Nach den vielen Glücksmomenten in der Loipe erlebte der Norweger kurz vor Weihnachten einen der schwierigsten Momente seines Lebens. Gegenüber dem Sender TV2 erklärte er, dass er als Erster den Tod von Sivert Guttorm Bakken festgestellt habe.
„Wir wollten um 9 Uhr zu einer Skitour aufbrechen. Ich ging ins Zimmer, um den Autoschlüssel zu holen, weil sich Skier und Stöcke im Auto befanden. Dann fand ich ihn leblos vor“, berichtet Botn von den dramatischen Minuten. Er sei unter Schock gestanden und hatte Panik, da er sofort erkannt habe, dass sein Mannschaftskollege tot sei. „Er war bleich im Gesicht. In diesen Momenten fühlt man nichts. Ich habe sofort versucht, zu helfen, die Polizei und den Rettungsdienst alarmiert und Hilfe geholt.“
Ein traumatisches Erlebnis
Rund zwei Wochen nach jenem verhängnisvollen Tag am Lavazejoch ist der Verarbeitungsprozess noch in vollem Gange. „Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Aber es war ein schweres Weihnachtsfest, denn wir haben viele Emotionen durchlebt. Es ist immer noch eine Achterbahnfahrt der Gefühle, aber es wird von Tag zu Tag besser. Man fängt an, über alles nachzudenken, Dinge zu hinterfragen. Hilflos fühlte ich mich. Es hat viele Menschen in meinem Umfeld sehr mitgenommen. Auch mir hat es sehr wehgetan. Man begibt sich in einen Modus, in dem man versucht, den Menschen um sich herum zu helfen“, erläutert Botn.Sivert Guttorm Bakken ist tot. © AFP / OLIVIER CHASSIGNOLE
Ihm habe es geholfen, zu seinen Routinen, zu seinem Trainingsalltag zurückzukehren. Denn obwohl der Sport in solchen Momenten bedeutungslos werde, „weiß ich, wie wichtig Biathlon für Sivert war“, so Botn, der inzwischen auf psychologische Hilfe setzt, um das Trauma zu verarbeiten. Mit der Familie des Todesopfers habe er unterdessen Kontakt gehabt und plane, sich in den nächsten Wochen zu treffen, um ein Gespräch zu führen. „Meine ersten Gedanken waren bei ihnen.“
Abschließend sagt Botn, dass Bakken nichts Illegales getan habe. Bekanntlich wurde der Biathlet von Botn mit einer Höhenmaske in seinem Bett gefunden. „Es war hart, über die Spekulationen zu lesen. Solche Praktiken wie Höhenräume und -zelte sind seit vielen Jahren gestattet und werden von vielen Sportlern genutzt. Wir folgen den Regularien der Anti-Doping-Agentur.“ Er selber habe die Höhenmaske noch nie benutzt, so Botn.
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