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Dominik Windisch, Biathlon-Ass aus Rasen, startet in dieser Woche in die neue Saison. © Pier Marco Tacca

Windisch über die Biathlon-Saison: „Ein unsicheres Gefühl“

Auf die Plätze, fertig, los: An diesem Wochenende beginnt im finnischen Kontiolahti der Biathlon-Weltcup. Wegen der Corona-Situation wird vieles anders sein – das weiß auch Südtirols Ausnahme-Skijäger Dominik Windisch, der mit SportNews über die Angst vor einem unfairen Weltcup, ein besonderes Versprechen an die Trainer und den etwas anderen Urlaub gesprochen hat.

Die oft beinharte Vorbereitung ist zu Ende, das letzte Trainingslager in Obertilliach (Osttirol) abgeschlossen, die Koffer gepackt: Für die heimischen Biathleten erfolgt in Kürze der Startschuss in die neue Saison. Am Dienstagvormittag wird der Tross nach Mailand fahren, wo alle auf Corona getestet werden. Wer negativ ist, darf am Mittwoch die Reise nach Finnland, nach Kontiolahti, antreten, wo am Samstag die ersten Wettkämpfe auf dem Programm stehen. Bevor es soweit ist, hat uns der Oberrasner Massenstart-Weltmeister von 2019, Dominik Windisch, Rede und Antwort gestanden.



Dominik Windisch, die Saison steht vor der Tür. Wie groß ist die Vorfreude?

„Die ist natürlich groß, endlich geht es los. Allerdings habe ich heuer ein etwas ungutes Gefühl…“


Warum das?

„Wegen der Corona-Pandemie müssen wir sehr viele Tests machen, und die Tests sind nicht immer zu 100 Prozent verlässlich. Es ist immer eine gewisse Angst da, dass du positiv aufscheinst – und es vielleicht gar nicht einmal bist. Wenn du einmal positiv getestet wirst und es blöd läuft, dann musst du einen ganzen Monat pausieren.“


Wie meinen Sie das?

„Zuerst muss die Quarantäne abgesessen werden. Sobald wir einen negativen Test haben, dürfen wir aber nicht sofort wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen. Wir müssen nach Mailand fahren, um dort einige Leistungstests zu machen. Dabei wird das Lungenvolumen, das Herz und so weiter unter die Lupe genommen. Bis das ausgewertet ist, vergehen oft auch ein, zwei Wochen. Es kann also sein, dass du über längere Zeit keine Wettkämpfe bestreiten darfst, obwohl du gesund bist.“

Applaus für die Zuschauer in Antholz: Das wird es heuer nicht geben. © Biathlon Antholz / Nordic Focus


Droht also eine Saison, in der der Wettbewerb verzerrt wird?

„Im Kampf um den Gesamtweltcup könnte es heuer wirklich zu einer kuriosen Situation kommen, bei der auch das Glück wichtig sein wird. Ich denke, dass jene Athleten, die alle Rennen bestreiten dürfen, heuer einen großen Vorteil haben gegenüber jenen, die vielleicht von den Coronabestimmungen ausgebremst werden. Wenn das passieren sollte, hätte die Saison leider auch entsprechend weniger Wert.“


Welche Ziele haben Sie sich trotz der ungewissen Situation gesteckt?

„In erster Linie denke ich, dass alle die Saison durchbringen wollen. Ich muss ruhig bleiben und darf wegen der äußeren Umstände nicht zu viel Energie verbrauchen. Ich habe ordentlich trainiert und auch in den Testwettkämpfen gut abgeschlossen, deshalb bin ich zuversichtlich.“

„Ich glaube nicht an eine One-Man-Show von Johannes Thingnes Bø.“
Dominik Windisch

Mit Martin Fourcade hat sich ein großer Name verabschiedet. Wird es nun also endgültig zu einer One-Man-Show von Johannes Thingnes Bø kommen?

„Das glaube ich nicht. Ich habe schon oft erlebt, dass sich ein Hochkaräter verabschiedet hat und es dann geheißen hat 'Jetzt wird nur mehr der eine gewinnen', was dann nicht eingetroffen ist. Es kommen immer neue Leute nach, vor allem die jungen Franzosen sehe ich stark. Vielleicht haben sie noch nicht die Konstanz eines Fourcades, aber das Niveau sicher.“


Trauen Sie Ihrer Landsfrau Dorothea Wierer den Gewinn der dritten Kugel in Folge zu?

„Ja, absolut. Ich habe gesehen, wie sie trainiert hat und wie gut sie drauf ist. Vom Niveau her ist es ihr auf alle Fälle zuzutrauen. Man darf aber nicht vergessen, dass im Biathlon immer alles passieren kann. Das Mentale spielt hier immer eine große Rolle und heuer – wie schon vorher erwähnt – auch das Glück.“


Mit seiner Freundin Julia ist Windisch auf Südtirol-Erkundungstour gegangen. © Dominik Windisch/Social Media


Privat haben Sie 2020 ein neues Kapitel aufgeschlagen: In Oberrasen wird zurzeit am Eigenheim gebastelt…

„Ja, wir sind mittlerweile schon bei der Außengestaltung und hoffen, dass das Haus zu Weihnachten bezugsfertig ist. Ich musste den Trainern aber schon vor Beginn der Bauarbeiten versprechen, nicht selbst Hand anzulegen. Sie sagten, so ein Hausbau sei mental schon belastend genug, da soll er nicht auch körperliche Auswirkungen haben. Deshalb ist mein Tata, der in Pension ist, sozusagen der Projektleiter, ist immer vor Ort und der Ansprechpartner. Das macht ihm viel Freude und ich bin ihm sehr dankbar (lacht).“


Durch die Corona-Situation war man im Sommer eingeschränkt. Haben Sie trotzdem Urlaub gemacht?

„Dadurch, dass man heuer nicht ins Ausland konnte, habe ich mit meiner Freundin beschlossen, dass wir Südtirol erkunden. Wir haben uns also in unseren Van gesetzt und die verschiedensten Orte abgeklappert. Ich habe beispielsweise zuvor noch nie die Seceda gesehen. Das war heuer mein Urlaub – und das hat uns richtig gut gefallen.“



Interview: Thomas Debelyak



Schlagwörter: Wintersport

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