2 Eiskunstlauf

Zeigte eine ausgezeichnete Kür: Daniel Grassl © APA/afp / JONATHAN NACKSTRAND

Sigi's Spitzen: Daniel Grassl auf dem Weg in die Weltspitze

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute befasst er sich mit Daniel Grassl und dessen Aufstieg in die Weltspitze.

So einigermaßen hat die Blase gehalten. Offiziell gab es nur zwei Corona-Fälle bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in Stockholm. Das ist ein Erfolg, der freilich nur durch vielerlei Einschränkungen möglich wurde. Praktisch nahmen alle in Kauf, dass sie ihrer persönlichen Freiheit beraubt wurden. Total. Wer seinen Wettkampf beendet hatte, durfte nicht in die Stadt gehen zum normalerweise schon traditionellen Stadtbummel. Und der Weg vom Hotel zum Stadion führte durch einen Tunnel.


Vollkommen unwirklich wurde es am Schlusstag, als längst alle Wettkämpfe abgeschlossen waren. Da nämlich steht immer die Gala auf dem Programm. Die Show der Besten, die normalerweise schon weit im Voraus ausverkauft ist. Es ist die Gelegenheit schlechthin, um alle Medaillengewinner noch einmal zu sehen. Kompakt und in entspannter Atmosphäre, die diesmal freilich gespenstisch war. Denn natürlich waren auch für diesen Programmteil keine Zuschauer zugelassen. Die Gala fand dennoch statt für die vielen TV-Stationen, die diese auch übertragen haben. Eine Zugabe, eine kleine Extraeinlage der Sieger, der neuen Weltmeister, gab es freilich nicht. Das wäre auch völlig deplatziert gewesen.

Noch muss die Kunst entdeckt werden
Noch hat der Meraner Daniel Grassl nicht an dieser Gala teilnehmen dürfen. Ein zwölfter Platz reicht dafür nicht aus. Das ist indes kein Beinbruch und auch schon gar kein Rückschlag für ihn. Es ist vielleicht sogar für seine weitere Entwicklung positiv, dass er nicht gleich auf Anhieb die Eiskunstlaufwelt aus den Angeln hob, auch wenn ihm das manche Optimisten zugetraut hatten, weil er alle Vierfachsprünge beherrscht. Das ist zweifellos die Basis, die Grundlage für den Weg hinein in die Weltelite. Ein Blick freilich auf die Zahlen, die er für die sogenannten Programmkomponenten erhalten hat, für den künstlerischen Eindruck, die Choreographie, für alles neben den Sprüngen, offenbart, dass dieser Bereich noch entdeckt werden muss.

Daniel Grassl hat alles, was es zum Eiskunstlauf-Star braucht. © APA/afp / JONATHAN NACKSTRAND


Tragisch ist das nicht. Ich erinnere mich an die ersten Auftritte des auch diesmal siegreichen Nathan Chen aus den USA, der jetzt seit seinem fünften Platz bei den Olympischen Spielen in Südkorea ungeschlagen ist. Auch er definierte sich am Anfang über seine Sprünge. Jetzt hat er sie mit unglaublicher Leichtigkeit in ein wunderbares Programm eingebaut. Die technischen Höchstschwierigkeiten fielen kaum auf. Besser kann man es nicht machen.
Gemeinsam mit den Besten
Für Daniel Grassl war das eine wunderbare Gelegenheit, sich das aus der Nähe anzuschauen. Ja, im Kurzprogramm lief er sogar gemeinsam mit Chen und Yuzuru Hanyu, dem zweimaligen Olympiasieger, in einer Gruppe. Dass in solchen Situationen die Schmetterlinge im Bauch kaum zu bändigen sind, kann man verstehen.

Yuzuru Hanyu ist der Star der Szene. © APA/afp / JONATHAN NACKSTRAND


Wie schnell er aber aus den Fehlern im Kurzprogramm lernte, zeigte er in der Kür mit dem siebten Platz. Er wird von Neumarkt aus, wo er gemeinsam mit Matteo Rizzo bei Lorenzo Magri trainiert, seine Duftmarken in der Eiskunstlaufwelt setzen. Ähnlich wie Jannik Sinner, der nur ein Jahr älter ist. Sinner hat freilich das Glück, dass er fast jede Woche ein Tennis-Turnier bestreiten kann, weshalb er regelmäßig in den Medien präsent ist. Daniel Grassl`s Einsätze hingegen sind überschaubar. Sicher aber ist, dass er bei den nächsten Olympischen Spielen in Peking dabei sein wird. Gemeinsam mit Rizzo (11.) hat er dem italienischen Verband in Stockholm zwei Startplätze gesichert. Und wer weiß: Vielleicht ist dann schon die Zeit reif für die große Gala.

Schlagwörter: Wintersport

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