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Den Finger nach oben gerichtet: Birk Ruud feiert einen emotionalen Sieg. © APA/afp / SEBASTIEN BOZON

Das wohl emotionalste Gold in Peking

„Pappa, du bist bei mir“, sprach Big-Air-Sieger Birk Ruud am Mittwoch in Peking nach seinem Sieg in die Kameras und sorgte damit für den bisherigen emotionalen Höhepunkt der Winterspiele.

Manchmal mögen sie zwar so erscheinen, doch Sportler sind keine Maschinen. Sie sind fragil, haben Emotionen und mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen. Leistungsschwankungen sind daher nur allzu normal. Manchmal läuft’s, manchmal nicht. Und oft sind sportliche Tiefen die kleinsten Sorgen eines Athleten, wie Birk Ruud zeigt.


Der Mann aus Bærum ist in seinem Sport ein Ausnahmekönner. Mit 17 Jahren triumphierte der Freestyler erstmals im Weltcup, mit 21 Jahren hat er schon zwei kleine Kugeln und nun auch einen Olympiasieg in seiner Vita stehen. Doch im Leben des besten Freundes von Ski-Star Lucas Braathen ging es im Gegensatz zu seiner sportlichen Karriere nicht immer steil nach oben. Sein Vater Øyvind ist nämlich im letzten Sommer einem langen Krebsleiden erlegen.

Botschaft nach oben
Und so galten am Mittwoch die Gedanken des in Norwegen äußerst populären Freestylers seinem verstorbenen Vater. „Er war immer für mich da, heute wäre er glücklich“, sagte er nach seinem überlegen Sieg im Big Air und fügte hinzu, dass die Hommage „ganz natürlich gekommen“ sei. „Pappa ist bei mir und er hat mich mit meiner Mutter zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich habe so viel von ihm gelernt, wurde von ihm inspiriert“, erzählt Ruud. Er zeigte nach dem letzten Sprung außerdem ein Armband, das seinem Vater gedenken soll.

Wie sehr die schwere Krankheit von Øyvind Ruud das ganze Team mitgenommen hat, unterstreicht eine Aussage von Landsmann Christian Nummedal. Er sagt, sie habe „die ganze Mannschaft geprägt“. Tatsächlich dachte Ruud zwischenzeitlich sogar ans Aufhören, in der Vorsaison stand er lediglich bei zwei Weltcups und der Weltmeisterschaft an den Start. Wobei er dort vorzeitig abreiste, weil sich der Zustand seines Vaters verschlechtert hatte. Nach dessen Tod fand er aber wieder die Kraft, neu durchzustarten und kam heuer stärker denn je zurück. In Stubai siegte Ruud, zudem kletterte er in Chur aufs Podest, ehe nun die ohnehin glorreiche Karriere mit dem Olympiasieg gekrönt wurde.

Kein Wunder, dass andere Sportler angesichts dessen ins Schwärmen kommen. „Ich weine für dich und deinen Vater“, schrieb etwa Braathen in den sozialen Medien. „Ich war berührt“, meinte hingegen Biathlon-Star Tiril Eckhoff: „Es war extrem beeindruckend – bei all dem, was er durchgemacht hat.“ Dabei könnte diese Goldene gar nicht die letzte in Peking gewesen sein. Im Slopestyle zählt der Norweger nämlich auch zu den Medaillenanwärtern. Doch selbst wenn er dort leer ausgehen würde, ist Ruud schon jetzt der großer Gewinner dieser Spiele.

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