o Langlauf

Roland Clara bei seinem Cermis-Triumph (Foto Facebook)... ... und bei seinem Vorjahresauftritt in Toblach

Roland Clara beendet Karriere: „Es war eine narrisch schöne Zeit“

Auf seinem Buckel lasten über 210 hochintensive Rennen. Nun werden aber keine weiteren mehr folgen: Roland Clara hat seine Karriere nämlich offiziell beendet. Er gilt bis heute als einer der stärksten Ski-Langläufer Italiens, hat während seiner elfjährigen Weltcup-Karriere elf Podestplätze (davon acht in Individual-Rennen) eingefahren – und eröffnet sich nun einen neuen Lebensabschnitt als Klein-Hotelier. Wir haben mit dem 34-Jährigen ein Abschieds-Interview geführt.


Roland Clara, warum haben Sie ihre Skier an den Nagel gehängt?

Ich habe gefühlt, dass der richtige Momente gekommen ist. In Reischach habe ich eine Bed & Breakfast-Garni gebaut, die ich nun führe. Zudem blieb als Profisportler kaum Zeit für meine Familie. Immer dann, wenn ich aufgebrochen bin, fragten mich meine beiden Kinder mit Tränen in den Augen, wann ich wieder da sein werde. Im vergangenen Winter habe ich die Situation ernsthaft überdacht und bin zum Entschluss gekommen, dass ich kein egoistisches Ding durchziehen wollte. Heute bin ich sehr froh über meine Entscheidung.


Die Nachricht von ihrem Karriereende kam doch ein wenig überraschend…

Das stimmt. Meistens ist es ja so, dass die Athleten kürzer treten, wenn die Leistungen nicht mehr passen. Ich hieltin der vergangenen Saison aber immer gut mit, wahrscheinlich wäre ich noch einige Jährchen auf diesem Niveau gefahren. Doch es war die richtige Entscheidung, heuer aufzuhören.


Wenn Sie jetzt zurückblicken: Welche Ereignisse sind Ihnen aus Ihrer Karriere besonders in Erinnerung geblieben?

Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich mit meiner Karriere sehr zufrieden bin. Es war eine narrisch schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. DenkwürdigeEreignisse gab es während meiner zehnjährigen Laufbahn viele. 2011 beispielsweise, als ich in Norwegen erstmals in einem Einzel-Weltcup-Rennen aufs Podest kletterte. Aber auch die WM in Oslo 2011 mit über 100.000 Fans und einer einzigartigen Atmosphäre werde ich nie vergessen. Das Schönste an meiner Langlauf-Karriere waren aber die Freundschaften, die ich in all den Jahren geknüpft habe.


Wird Roland Clara in irgendwann in irgendeiner Form wieder in den Langlauf-Zirkus zurückkehren?

In den Profisport sicher nicht, damit habe ich abgeschlossen. Vielleicht steige ich irgendwann als Trainer der Kinder ins Geschäft wieder ein. Zurzeit habe ich aber nur meineFamilie und die neue Garni im Kopf. Ich vergleiche es gerne mit dem Langlaufen: Verlassen die Gäste glücklich meine Pension, so ist das dieselbe Genugtuung wie ein starkes Resultat im Rennen.



Zur Person: ROLAND CLARA

Roland Clara, am 8. März 1984 in Bruneck geboren, gab sein Weltcup-Debüt im März 2005 in Lathi und überraschte dort mit dem 11. Platz über 15 Kilometer auf Anhieb. Seitdem heimste er in über 210 Weltcuprennen drei Staffel-Podestplätze und acht Stockerl-Ränge in Individual-Rennen ein. Höhepunkt war dabei der Aufstieg zum Cermiswährend der Tour de Ski von 2015, als Clara seinen ersten und einzigen Weltcupsieg einfuhr. Fünf Mal nahm er an einer WM teil, wobei ihm in Liberec 2009 mit einem fünften Platz über 30 Kilometer das beste Ergebnis zu Buche stand. Außerdem warer beizwei Olympischen Spielen vertreten. Die Spezialitäten des 34-Jährigen waren lange Freistil-Distanzen.


Thomas Debelyak, SportNews

Autor: sportnews

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