o Langlauf

Therese Johaug erzählt eine bewegte Geschichte. © NTB Scanpix / BERIT ROALD

Und dann stürmte ihr Freund durch die Tür

Therese Johaugs Lippenbalsam-Affäre war der wohl aufsehenerregendste Doping-Fall der letzten Jahre. In einer neu verfassten Biografie spricht die Protagonistin nun selbst von jenem Tag, der ihr Leben auf den Kopf stellte. Jener Tag, an dem sie den Dopingbescheid erhielt.

Ein bei Johaug am 16. September 2016 durchgeführter Dopingtest ergab ein positives Resultat bezüglich des androgenen Steroids Clostebol. Der norwegische Skiverband behauptete, dass die inzwischen zurückgetretene Langlauf-Legende dieses Steroid in Livigno durch eine Lippencreme, die gegen einen Sonnenbrand helfen sollte, unwissentlich zu sich genommen hatte – obwohl das Präparat mit einem Doping-Warnhinweis versehen war. Nach unzähligen Verhandlungen wurde Johaug schließlich für 18 Monate gesperrt, wodurch eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018 verhindert wurde.


In ihrer neuen Biografie „Therese Johaug – Die ganze Geschichte“, die im Oktober erscheint, erinnert sich die Norwegerin nun zurück. Demnach habe sie an jenem Tag Zimtschnecken gebacken. Als sie ihrem Freund Nils Jakob Hoff, der kurz außer Haus war, eine Nachricht schicken wollte, bemerkte Johaug, dass sie einen Anruf von Vidar Løfshus, den ehemaligen Nationaltrainer Norwegens, nicht beantwortet hatte. „Es kam nicht oft vor, dass er anrief. Das hat mich etwas stutzig gemacht“, erinnert sich die 34-Jährige, die zudem mehrere Nachrichten nicht gelesen hatte. „Die oberste war von Antidoping Norge. Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich zuvor eine Nachricht von ihnen erhalten hatte.“ Johaug spricht von „einem Unbehagen, das sie überkam“, noch bevor sie die schockierende Nachricht geöffnet hatte.

Ein großer Schock
Nichts hätte sie darauf vorbereiten können, was kurz darauf auf dem Bildschirm aufschien. Ihr Körper sei erstarrt. „Das muss ein Missverständnis sein“, dachte sie zu Beginn. Als sie realisierte, dass sie die Adressatin war, brach eine Welt zusammen. „Ich habe begonnen, zu heulen und zu schreien, als ich mich im Spiegel sah“, schreibt Johaug im Buch. Ihr Freund, der in diesem Moment nach Hause kam, rannte in die Wohnung. Die Erzählungen, was danach geschah, stammen von ihm, denn Johaug könne sich nicht mehr erinnern. „Ich stand vor meinem Spiegel und wiederholte immer wieder: 'Ich habe nichts Falsches getan, ich habe nichts Falsches getan'.“ Immer und immer wieder.

Therese Johaug und ihr Verlobter Nils Jakob Hoff. © Therese Johaug


Im Buch erzählt die Langlauf-Ikone, wie sehr sie diese Zeit geprägt habe: „Meine Karriere war kein Spaziergang. Es hat viele und brutale Rückschläge gegeben. Gleichzeitig gab es aber auch fantastische Momente“, betont Johaug. Sie sagt, die Doping-Affäre habe sie stärker, selbstbewusster gemacht. Nicht nur als Athletin, sondern auch als Mensch. Gegenüber dem TV-Sender TV2 verriet sie außerdem, dass es im Buch„Überraschungen geben wird. Ich öffne mich komplett und es tauchen Themen auf, über die ich bisher nicht in den Medien gesprochen habe“, so die Langlauf-Rentnerin Johaug abschließend.

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