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Alexander Bolshunov saß nach dem Rennen weinend im Zielraum und wies jeden Trost ab. © APA/afp / CHRISTOF STACHE

Unwürdiges WM-Ende: Klæbo und Bolshunov geraten aneinander

Ein Jury-Entscheid als letzte Entscheidung bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2021: Die Titelkämpfe in Oberstdorf gingen am Sonntag mit einem Eklat in der Königsdisziplin, dem 50-Kilometer-Rennen der Langläufer, zu Ende.

Um kurz 15 Uhr lief Johannes Høsflot Klæbo jubelnd ins Ziel, im festen Glauben, sich gerade zum letzten Weltmeister von Oberstdorf 2021 gekürt zu haben. Doch was sich im Anschluss fast eine Stunde lange abspielte, war diesen Titelkämpfen unwürdig. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde dem norwegischen Superstar die Goldmedaille per Jury-Entscheid aberkannt und sie seinem Teamkollegen Emil Iversen zugewiesen.


Was war geschehen? Beim Einbiegen in den Zielsprint hatte Klæbo versucht, sich außerhalb der Spur an Weltcup-Dominator Alexander Bolshunov vorbeizudrücken. Dabei gab es einen leichten Kontakt, der Russe geriet mit dem Stock zwischen die eigenen Beine, weshalb dieser zu Bruch ging und für einen enormen Nachteil in Schlusssprint sorgte. Während Klæbo in seiner unnachahmlichen Manier der vermeintlichen Goldmedaille entgegeneilte, rutschte der gehandicapte Bolshunov sogar noch hinter Iversen an Position drei ab.



Der ehrgeizige Russe, der in Vergangenheit durch unsportliche Aktionen für heftige Debatten sorgte und aktuell unter Bewährung läuft, schmiss Skibrille und Stock nach der Zielankunft in den Schnee und saß dann minutenlang weinend an einer Werbebande. Die tröstenden Worte Klæbos nahm er reaktionslos auf. „Ich war vorne, habe die rechte Spur gewählt und mein Stock brach erst nach dem Kontakt mit Johannes“, erklärte der Weltcupsieger später.

>>> Hier ein ausführliches Portrait von „Bad Boy“ Alexander Bolshunov <<<

Im Anschluss berieten sich die Wettkampfrichter fast eine Stunde lang – und das alles vor laufenden Fernsehkameras. Klæbo wurde dabei zwei Mal vom Athletenlager ins Büro der Jury gebeten, beim zweiten Mal bekam er schließlich den Bescheid: Sein Ergebnis ist annulliert! Der Nutznießer dieser Entscheidung war allerdings nicht Bolshunov, sondern Iversen, der als Zweiter ins Ziel gelaufen war und nun zum neuen Weltmeister ernannt wurde. Dem geschlagenen Russen, der sich bereits häufiger über zweite Plätze geärgert hat, dürfte die Silberne keinen Trost spenden. Bronze ging verspätet an den Norweger Simen Hegstad Krüger.

Die Weltmeisterschaft in den Allgäuer Alpen fand somit am Sonntagnachmittag ein unwürdiges Ende. Diesen Schlusspunkt hatten Italiens Langläufer nicht mehr beigewohnt. Dietmar Nöckler, Federico Pellegrino & Co. wurden bereits vor Tagen per Verbandsentscheid coronabedingt von der WM abgezogen.

WM in Oberstdorf, 50-km-Langlauf der Männer
Pos.NameLand
1.Emil IversenNOR
2.Alexander BolshunovRUS
3.Simen Hegstad KrügerNOR
4.Hans Christer HolundNOR
5.Jens BurmanSWE
6.Ivo NiskanenFIN
7.Andew MusgraveGBR
8.Paal GoldbergNOR
9.Dario ColognaSUI
10.Scott PattersonUSA

Disqualifiziert: Johannes Høsflot Klæbo


Autor: fop

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Kommentare (1)

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Hermann Zanier [melden]

Schade, dass so ein toller Wettkampf auf diese Art entschieden wurde. Bolschunov trägt am unglücklichen Ausgang kaum eine Schuld, wenn es gehen würde, hätte man alle drei als Sieger ausrufen sollen. Ein anderer Sieger ist der Ire, der mit ausgekegelter Schulter bis zu Ende lief: das soll ihm einer nachmachen.

07.03.2021 17:54

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