
Silvio Fauner ist fuchsteufelswild. © ANSA / LUCIANO SOLERO
Olympia-Ärger: Italiens vergessene Helden sind empört
Das Interview eines italienischen Olympia-Helden wirbelt vor den Winterspielen in Mailand und Cortina viel Staub auf. Nun schaltet sich sogar die Politik ein.
14. Januar 2026
Von: det
Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür, bereits in einem Monat sind die Titelkämpfe in Mailand und Cortina voll im Gange. Eigentlich müsste die Vorfreude im Stiefelstaat auf dieses Mega-Event riesig sein. Doch in den vergangenen Stunden regierte in Italien in Sachen Olympia vor allem eine Gemütslage: Ärger.
Am Dienstag publizierte die Gazzetta dello Sport ein Interview mit Silvio Fauner. Der ehemalige Langläufer ist ein Olympia-Held im Stiefelstaat und gewann 1994 mit den Azzurri in der Staffel sensationell Olympisches Gold. Nun ist der 57-Jährige aber fuchsteufelswild – denn für die anstehenden Winterspiele in Mailand und Cortina wurde er „völlig vergessen“, wie er selbst erklärt.
Silvio Fauner, einer der erfolgreichsten Langläufer Italiens. © APA / BRANDSTÄTTER/Törnström
Was Fauner damit meint? „Wir wurden in keinerlei Initiativen für die Olympischen Winterspiele in unserem Land einbezogen. Weder als Fackelträger noch als Botschafter, keine Rolle. Nichts“, platzte dem Ex-Langläufer im Gazzetta-Interview der Kragen. „Es gibt keinen Respekt für uns Champions, ich betrachte das als unglaubliche Beleidigung, oder wie meine Partnerin Monica sagt, 'eine Schande'. Ich vertrete mehrere Athleten, die zusammen 35 olympische Medaillen gewonnen haben“, feuerte Fauner.
Fackelträger, weil der Papa Sponsoren kennt
Vor allem das Thema der Fackelträger wurmt den mehrfachen Weltcupsieger. „Sie bevorzugen es, Leute aus der Unterhaltungsbranche einzusetzen, wie den 'Uomo Gatto', oder Sänger, die sicher nicht die Olympischen Disziplinen verkörpern. Eine Nachbarin von mir, die Cousine von Lisa Vittozzi, war in Florenz, hat einen Fackelträger gefragt, wer er sei, um ein Selfie zu machen, und er antwortete ihr: 'Ich bin Fackelträger, weil mein Vater gewisse Sponsoren kennt.' Und wir wurden einfach ignoriert.“In Italien stehen Olympische Spiele an. © ANSA / STEFANO RELLANDINI
Mit seinem Ärger ist Fauner nicht alleine. Mittlerweile haben sich auch andere ehemalige Helden zu Wort gemeldet, wie etwa Piero Gros, Slalom-Olympiasieger von 1976. Die Geschichte wurde sogar zu einem Politikum, und so haben sich Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini und der Sportminister Andrea Abodi eingeschaltet. In einer Pressemitteilung kündigten sie an, ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Stiftung Mailand Cortina 2026 führen zu wollen, um das Thema der Fackelträger zu klären.
Milano Cortina wehrt sich
Die Stiftung Milano Cortina 2026 hat sich am Dienstagabend in einer Presseerklärung selbst zu Wort gemeldet. Darin begründet sie die Entscheidung, Fauner nicht als Fackelträger eingesetzt zu haben, damit, dass er ein politisches Amt (Vizebürgermeister der Gemeinde Sappada) innehat.Das sorgt bei Fauner erneut für Kopfschütteln. „Ein Gemeindepolitiker aus Syrakus war im November Fackelträger. Deshalb frage ich mich: Für ihn gelten die Regeln nicht, für mich schon? Außerdem muss ich klarstellen, dass ich nicht nur für mich alleine gesprochen habe, sondern für eine Gruppe von mindestens 15 Athleten, die sich ungerecht behandelt fühlen.“
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