
Dominik FIschnaller jubelt über Bronze. © APA/afp / MARCO BERTORELLO
„Das macht mich emotional“: Fischnaller ist überwältigt
Was für ein Traumstart für Südtirols Rodler auf der nigelnagelneuen Bahn in Cortina! Im ersten Olympia-Rennen gewann Dominik Fischnaller prompt die Bronzemedaille – und sorgte so für eine Erlösung.
09. Februar 2026
Aus Cortina d'Ampezzo

Von:
Thomas Debelyak
„Die Olympischen Spiele verströmen eine unvergleichliche Magie“ – wohl jeder Sportler, der einmal unter den mächtigen fünf Ringen angetreten ist, hat diesen Satz schon gesagt. Für manche mag er vielleicht abgedroschen oder klischeehaft klingen. Doch die Wahrheit dahinter ist schlichtweg faszinierend. Gestern, kurz vor 19 Uhr, wurde diese Magie auf der Eugenio-Monti-Bahn einmal mehr in ihrer vollen Pracht spürbar.
Dominik Fischnaller sitzt auf seinem Schlitten am Start der neu errichteten Rodelbahn, die unter dem Flutlicht wie ein heller Stern am Nachthimmel leuchtet. Der Paradeathlet aus Meransen atmet noch einmal tief durch. Er weiß: Das ist jetzt der alles entscheidende Lauf, ja der vielleicht wichtigste seiner Karriere. Nach drei von vier Durchgängen liegt „Domi“ auf Platz 3 und somit ganz klar auf Medaillenkurs. Wenn er diesen Heat gut runterbringt, hat er eine Medaille sicher. Dann geht ein Traum in Erfüllung: Olympia-Edelmetall auf der Heim-Bahn, mehr ist fast nicht möglich.
Das Podest, von links: Müller, Langenhan und Fischnaller. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO
Fischnaller schließt noch einmal die Augen. Sein Griff an den Starthebeln wirkt fest entschlossen. Und schließlich katapultiert er sich mit viel Power hinein in den Eiskanal. Mit drei, vier, fünf Paddelschlägen nimmt der 32-Jährige Tempo auf, bringt sein Gefährt zum Gleiten und prescht schließlich in Höchstgeschwindigkeit den Eiskanal hinunter.
Teamkollegen, Ehefrau und Mama – alle sind aus dem Häuschen
Wie schon in den Läufen eins, zwei und drei ist es eine solide, ja souveräne und fehlerlose Fahrt, die Fischnaller hinlegt. In den Zwischenzeiten zeichnet sich ein Medaillengewinn ab, und als der Meransener dann die Ziellinie überquert, ist klar: Es ist mindestens Bronze!Dominik Fischnaller jubelt mit seinen Teamkollegen ausgelassen. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO
Seine Teamkollegen – darunter Leon Felderer (er wurde 7.) und Alex Gufler (17.) – sowie Ehefrau Emily springen in den Kanal hinein, fallen über „Domi“ her und feiern ihren Helden. Auf der Tribüne können die Fischnaller-Fans, angeführt von Mama Monika und Bruder Hans Peter, ihr Glück kaum fassen.
Zweite Olympia-Medaille
Am Ende wird der Meransener zwar noch erwartungsgemäß vom alles überragenden Deutschen Max Langenhan (er stellte in jedem Lauf Streckenrekord auf) und vom Österreicher Jonas Müller überholt, doch das ist egal: Fischnaller hat Bronze – und somit im ersten Olympiarennen der Rodler prompt eine Medaille eingeheimst.„So viele Leute haben für die Bahn gekämpft. Ihnen widme ich die Medaille.“ Dominik Fischnaller
Danach geht die Party los – und gut eine Stunde später steht Fischnaller in der Mixed Zone. Um seinem Hals hängt die im Flutlicht glänzende Bronzemedaille, in seinem Gesicht funkeln die Augen. Es ist dies seine zweite „Bronzene“ bei Olympia, nachdem Fischnaller bereits vor vier Jahren in Peking Dritter geworden war. „Ich bin einfach nur froh, dass ich jetzt hier mit der Medaille stehe, dass ich es erfolgreich hinter mich gebracht habe. Es fällt so viel Druck von mir ab“, so der Modellathlet.
Eine schlaflose Nacht
„Es war eine harte Nacht für mich heute, ich konnte kaum schlafen, bin sicher 20 Mal aufgewacht. Den ganzen Tag über war ich nervös – ganz anders als vor vier Jahren. Da habe ich so ruhig geschlafen, als wäre nichts.“ Die Nervosität hatte einen Grund: Olympische Spiele im eigenen Land, dazu noch die nigelnagelneue und eigens dafür errichtete Rodelbahn – das Lechzen nach einer Medaille war überall riesig. „Wir haben eine so schöne neue Bahn bekommen, so viele Leute haben darum gekämpft. Deshalb war es unglaublich wichtig, dass wir jetzt eine Medaille haben.“Da ist das Ding: Fischnaller jubelt über Bronze. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Auch das trifft auf Fischnaller zu. In den letzten Monaten plagte sich Südtirols Bronze-Held mit einer lästigen Ellbogenverletzung rum, die das Starten enorm erschwerte. Auch deshalb ist die Weltcupsaison von Fischnaller bislang nicht das Gelbe vom Ei. „Die Verletzung und Tüfteleien mit dem Material haben dafür gesorgt, dass es vielleicht nicht immer ganz rund lief. Aber mein Ziel war von Beginn an Olympia. Und dort hat es jetzt geklappt“, so Fischnaller, der anfügt: „Ich möchte diese Medaille all jenen widmen, die so sehr darum gekämpft haben, dass wir diese Bahn hier bekommen.“
Olympiasiegerin als Glücksbringerin
Emotionale Szenen spielten sich bei der Medaillen-Zeremonie ab. „Hey, hey, super Domi, super Domi, hey, hey“, sang Fischnallers Fanclub, als der Südtiroler das Edelmetall umgehängt bekam. „Zwei Busse und mehr als 100 Leute sind hierhergekommen, um mich anzufeuern“, zeigt sich der Olympia-Held begeistert.Erika Lechner, Olympiasiegerin von 1968, fieberte im stolzen Alter von 78 Jahren mit. © det
Unter die Fans mischte sich auch seine Meransener Landsfrau Erika Lechner, die bei den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble die Rodel-Goldmedaille gewann und eine Südtiroler Pionierin in dieser Sportart ist. „Ich habe Dominik verfolgt, seit er ein kleiner Bub ist. Ich bin ergriffen“, sagte die 78-Jährige. Auch Fischnaller selbst war gerührt. „Die ganzen Leute, die für mich hierhergekommen sind, das ist einfach fantastisch. Als ich dann sah, wie mein Bruder und meine zwei Nichten vor Freude geweint haben, da wurde ich selbst emotional.“ Ja, Olympische Spiele versprühen eben ihre eigene, ganz spezielle Magie.
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