S+
Simon Kainzwaldner (rechts) feierte mit Emanuel Rieder einen emotionalen Erfolg. © FELICE CALABRO' / Felice Calabro'

n Rodeln Kunstbahn

Simon Kainzwaldner (rechts) feierte mit Emanuel Rieder einen emotionalen Erfolg. © FELICE CALABRO' / Felice Calabro'

„Für dich, Walter“: Südtiroler Gold-Held trauert um Freund

Unglaublich, aber wahr: Eine Stunde nach dem Olympiasieg von Andrea Vötter und Marion Oberhofer haben mit Emanuel Rieder und Simon Kainzwaldner zwei weitere Südtiroler Gold geholt. Danach spielten sich emotionale Szenen ab.

Aus Cortina d'Ampezzo

Thomas Debelyak

Von:
Thomas Debelyak

Wenn man von einem Hexenkessel spricht, dann ist meist von einem brodelnden Stadion oder einer sehr lauten Arena die Rede. Dass es aber im Zielraum einer Rodelbahn so richtig kochen kann, das ist ungewöhnlich. Und doch trat genau das gestern um 20.17 Uhr ein.


Bevor Sie weiterlesen, stimmen Sie ab:



Als der Vorsprung der Halbzeitführenden US-Boys Marcus Mueller und Ansel Haugsjaa bei jeder Zwischenzeit dahinschmolz, schließlich zum Rückstand wurde und somit die sensationelle Goldmedaille von Emanuel Rieder und Simon Kainzwaldner zur Tatsache machte, hatte man das Gefühl: Der Beton unter den Füßen bebt. Rieder und Kainzwaldner, die in ihren Karrieren noch nie gewonnen haben, fuhren im Rennen ihres Lebens zum Olympiasieg.

Kainzwaldner (links) mit seinem guten Freund Walter Pfeifer.

Kainzwaldner (links) mit seinem guten Freund Walter Pfeifer.


Als die beiden nach einem wahren Interviewmarathon schließlich zum Gespräch mit SportNews erschienen, wurde es emotional. „Ich habe vor zwei Wochen einen meiner besten Freunde verloren. Diese Goldmedaille ist für dich, Walter!“, sagte Kainzwaldner mit Tränen in den Augen. Der 31-Jährige aus Villanders war also im Moment seines größten Triumphs mit den Gedanken bei Walter Pfeifer, der von allen nur „Wolze“ genannt wurde. Er verunglückte am 23. Jänner beim Eisklettern tödlich und wurde nur 29 Jahre alt.
„Ich weiß, dass er von oben runterschaut und stolz ist.“ Simon Kainzwaldner

„Es waren enorm emotionale Tage. Erst vor einer Woche war die Beerdigung. Ich habe versucht, das irgendwie wegzustecken. Mir hat es geholfen, zu wissen, dass er beim Olympischen Rennen mit mir fahren wird“, erklärte Kainzwaldner und ergänzte sichtlich bewegt: „Es zerreißt mir das Herz. Wir wollten im letzten Sommer noch einige Klettertouren in Cortina machen, damit wir beim Rennen auf die Gipfel raufschauen können. Leider haben wir es nicht geschafft, und jetzt ist Walter nicht mehr da. Ich weiß, dass er von oben runterschaut und stolz ist.“

Rieder ist überwältigt – und dankt dem Papa

Ebenfalls große Emotionen gab es bei Emanuel Rieder. „Wir haben noch nie ein Weltcuprennen gewonnen, und jetzt stehen wir hier mit Olympia-Gold. Das ist doch unglaublich“, bringt es Rieder auf den Punkt. „Wir hatten eine schwierige letzte Saison, haben deshalb im Sommer enorm viel gearbeitet – sei es im Kraftraum, sei es in der Werkstatt“, so Rieder.

Rieder und Kainzwaldner rasten zum Sieg. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI

Rieder und Kainzwaldner rasten zum Sieg. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI


Der 32-Jährige aus Meransen ergänzt: „Die Saison verlief bisher nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben, doch nach jedem Rennen, nach jedem Lauf, haben wir uns gesagt: Olympia kommt noch! Heute haben wir einen perfekten zweiten Durchgang hingelegt, und jetzt ist es Gold.“ Die Sensations-Goldene widmet er seiner Familie, ganz besonders seinem Papa Anton. „Ich hoffe, er ist stolz auf mich“, so Rieder.

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben. Aktivierungslink erneut senden
Vervollständigen sie Ihre Profil-Angaben, um Kommentare zu schreiben.
Profil bearbeiten

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2026 First Avenue GmbH