
Emotionale Szene: Verena Hofer herzt nach dem Rennen ihren Papa David. © FELICE CALABRO' / Felice Calabro'
Südtirols Rodlerinnen: Ein Auge weint, das andere lacht
Der Einsitzer-Wettbewerb der Damen wurde am Dienstag zu einer hochemotionalen Angelegenheit. Mittendrin: die Südtirolerinnen Verena Hofer und Sandra Robatscher, die haarscharf an einer Medaille vorbeischrammten. Danach flossen Tränen.
11. Februar 2026
Aus Cortina d'Ampezzo

Von:
Thomas Debelyak
Der Wettkampf ist seit 23 Minuten vorbei, die Medaillengewinnerinnen werden auf der 200 Meter entfernten Medal Plaza gefeiert, da betritt Verena Hofer die Mixed-Zone auf der Eugenio-Monti-Bahn. Es ist der Moment, in dem die 24-Jährige aus Feldthurns von den Emotionen übermannt wird. „Jetzt muss alles raus“, sagt die Kunstbahnrodlerin und fügt mit einem Schluchzen an: „Das Rennen, der Druck, der abfällt, die verpasste Medaille, die Familie und die Freunde, die mich so sehr unterstützt haben. Es ist alles emotional.“
Ja, es waren bewegende Szenen, die sich am späten Abend im Sliding Center von Cortina abgespielt haben. Verena Hofer landete im Olympischen Einsitzer-Wettkampf auf dem vierten Platz. Nach vier intensiven, hochspannenden, teils dramatischen Durchgängen fehlten der Feldthurnerin gerade einmal 63 Tausendstelsekunden – oder 0,063 Sekunden – auf die Medaillenränge. Das ist ein Wimpernschlag.
„Ich habe alles gegeben und kann mir nichts vorwerfen.“ Verena Hofer
Während sich Julia Taubitz (Deutschland), Elina Bota (Lettland) und Ashley Farquharson (USA) über die Edelmetalle freuten, blieb für Hofer „nur“ Blech. Eine Position dahinter reihte sich mit Sandra Robatscher die zweite Südtirolerin ein. Ihr fehlten 0,15 Sekunden auf Bronze. „Ich bin total fertig, aber auch glücklich mit meiner Leistung. Ich muss sagen, dass ich am Ende näher dran war, als ich vermutet hätte“, so Robatscher.
Robatscher war mit ihrer Leistung zufrieden. © FELICE CALABRO' / Felice Calabro'
Etwas anders ist die Situation bei Hofer. Die 24-Jährige hat heuer im Weltcup ihre ersten beiden Podestplätze eingefahren, kam mit viel Selbstvertrauen auf die Heimbahn in Cortina und war in allen Läufen auf Medaillenkurs. Der Speed stimmte, große Fehler suchte man vergebens, die Fahrten wirkten rund, technisch ausgereift, gut kontrolliert. Doch am Ende machten Nuancen den Unterschied.
In den Armen der Familie und Freunde
„Vielleicht wäre im ersten Lauf bei der Cristallo-Ausfahrt noch einiges drin gewesen, aber im Nachhinein kann man die Hundertstel und Tausendstel immer irgendwo suchen“, so Hofer, die gleichzeitig anfügt: „Es ist so gegangen, und es passt so! Ich habe wirklich alles gegeben und kann mir nichts vorwerfen. Mit meinen Fahrten bin ich wirklich zufrieden.“Groß war die Unterstützung von Verena Hofers Fanclub.
Unmittelbar nach dem Rennen traf Hofer im Zielgelände auf ihren Papa David und die drei älteren Schwestern. „Die Mama fiebert von daheim mit, sie kann sich die Rennen nie anschauen“, sagt Hofer, die mitten im Interview auf der anderen Seite einigen engen Freunden zuwinkt. „Es ist so schön, wie viele Leute von mir hier sind.“ Auch deshalb sagt sie: „Ich habe heute ein weinendes und ein lachendes Auge.“ Und eine Medaillenchance gibt’s ja noch, denn am morgigen Donnerstag steht noch die Teamstaffel an.
„Im Mai werde ich heiraten, und wie es nach der Saison weitergeht, werden wir sehen.“ Sandra Robatscher
Sandra Robatscher freute sich ebenfalls über die Unterstützung von zu Hause. „Am liebsten würde ich jetzt sofort zu meiner Familie laufen und alle umarmen“, sagte die 30-Jährige aus Tiers. Auch ihr Lebensgefährte Klaus ist in Cortina. „Wir werden im Mai heiraten“, verrät die Tierserin, die mit ihrem Bald-Ehemann in Prissian lebt.
Gleichzeitig lässt die Rodlerin ihre sportliche Zukunft offen. „Es waren mit Sicherheit meine letzten Olympischen Spiele, was nach den letzten zwei Saisonrennen passiert, werden wir sehen“, meint Robatscher abschließend.
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