v Rodeln Naturbahn

Österreich, Italien und Russland sind die WM-Favoriten (alle Fotos: H. Sobe) Patrick Pigneter Evelin Lanthaler Florian Clara und Patrick Pigneter

Deutschnofen ist bereit für die Weltmeisterschaft der Naturbahnrodler

In Deutschnofen steht alles bereit. Monatelang hat das Team rund um die beiden OK-Chefs Christian Gallmetzer und Martin Mittermair auf die Weltmeisterschaft der Naturbahnrodler hingearbeitet, die vom 24. bis 27. Jänner auf der weltcuperprobten Rodelbahn Pföslriep stattfindet und eine Art „Krönung“ für die Rodelhochburg Deutschnofen darstellt.

Jetzt müssen nur noch die Weltmeister gekrönt werden. Patrick Pigneter, Ekatharina Lavrentjeva und das Doppel Patrick Pigneter/Florian Clara sind in Deutschnofen noch ungeschlagen. Bleiben sie es?


Die WM-Favoriten

Laut Statistik sind die Favoritenrollen eindeutig vergeben: Sowohl beim Weltcup 2009 als auch beim Weltcup 2012 gewannen in Deutschnofen die beiden amtierenden Weltcup-Gesamtsieger Patrick Pigneter und Ekatharina Lavrentjeva. Sie sind in Deutschnofen ungeschlagen, genauso wie das Doppel Pigneter/Clara, das ebenfalls beide bisherigen Deutschnofner Weltcups gewann.

Also alles schon entschieden? Mitnichten. Bei den Herren etwa hat Patrick Pigneter gerade am Sonntag in Moos in Passeier die erste Niederlage seit zwei Jahren (Februar 2011!) im Einsitzer-Weltcup hinnehmen müssen, sofern ein zweiter Platz als Niederlage bezeichnet werden kann. Er musste sich Thomas Kammerlander geschlagen geben, dem Bruder des amtierenden Weltmeisters Gerald Kammerlander. Thomas Kammerlander hat übrigens gute Erinnerungen an die Deutschnofner Bahn: Er holte dort 2010 Bronze bei der Junioren-WM. Beim Deutschnofner Weltcup vor einem Jahr wurde er Sechster.

Schon beim ersten Weltcuprennen der Saison in Laas hatte sich Patrick Pigneter nur um mickrige acht Hundertstelsekunden gegen einen weiteren Österreicher, Thomas Schopf, durchgesetzt, der daher ebenfalls zum engeren Favoritenkreis zählt. Und dann wäre da noch der Gadertaler Hannes Clara, heuer zwei Mal Dritter in den zwei bisher ausgetragenen Weltcuprennen der Saison, der bei der WM-Generalprobe vor einem Jahr in Deutschnofen nur 36 Hundertstelsekunden hinter Pigneter blieb – und das trotz eines Horrorsturzes im Training. Clara fühlt sich wie Pigneter auf der Deutschnofner Bahn pudelwohl, dort wurde er 2010 Junioren-Weltmeister. Und schließlich hat eine WM ihre eigenen Gesetze, wie die jüngste WM 2011 in Umhausen zeigte: Damals gewann der Österreicher Gerald Kammerlander, Pigneter wurde „nur“ Dritter. Nichtsdestotrotz bleibt Patrick Pigneter der Gejagte.

Bei den Damen ist die Russin Ekatharina Lavrentjeva die Megafavoritin: Amtierende Weltcupsiegerin, bei Weltmeisterschaften seit 2003 nie schlechter als Zweite, dazu in Deutschnofen unbesiegt, genauso wie in dieser Saison im Weltcup. Wer soll ihr das Wasser reichen? Diese Frage stellt sich umso mehr, nachdem ihre Feldthurner Dauerrivalin Renate Gietl, die Lavrentjeva sowohl 2009 als auch 2011 WM-Gold wegschnappte, Ende Dezember völlig überraschend ihren Rücktritt vom aktiven Rodelsport erklärt hat und in Deutschnofen nicht mehr am Start sein wird. Aber wie erwähnt, eine WM hat zuweilen ihre ganz eigenen Gesetze. Die Südtiroler Hoffnungen ruhen jetzt nicht zuletzt auf Evelin Lanthaler, die vor einem Jahr in Deutschnofen hinter Lavrentjeva und Gietl Dritte wurde und sich 2010 auf dieser Bahn zur Junioren-Weltmeisterin kürte. Gerade am Sonntag hat Lanthaler auf ihrer Heimbahn in Moos in Passeier nur 14 Hundertstelsekunden auf Lavrentjeva verloren und im zweiten Lauf Bestzeit erzielt.

Zu beachten ist auch die erst 17-jährige Vinschgerin Greta Pinggera, amtierende Vize-Weltmeisterin bei den Junioren, die in den beiden bisherigen Weltcuprennen der Saison Zweite und Vierte wurde.

Bei den Doppelsitzern droht den Südtiroler Topfavoriten Patrick Pigneter/Florian Clara laut den bisherigen Weltcupergebnissen der Saison vor allem Gefahr von den Österreichern Christian und Andreas Schopf, Cousins von Thomas Schopf, die jeweils Zweite hinter Pigneter/Clara wurden. Aber auch das russische Doppel Pawel Porschnew/Iwan Lasarew darf nicht vergessen werden. Mag sein, dass Pigneter/Clara in Deutschnofen noch unbesiegt, genauso wie in dieser Weltcupsaison, mag sein, dass Porschnew/Lasarew heuer bisher „nur“ zwei Mal Dritte wurden, aber sie sind keine Geringeren als die amtierenden Weltmeister sowie amtierenden Weltcup-Gesamtsieger.


Das WM-Programm

Der organisierende ASV Deutschnofen hat bei der Erstellung des WM-Programms großen Wert darauf gelegt, dass bei diesem sportlichen Großereignis auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Im Festzelt direkt an der Rodelbahn Pföslriep werden daher am Freitag- und Samstagabend die Gruppen „Volx Rock“ und „Pamstiddn Kings“ spielen. Weiters gibt es im Laufe des Wochenendes eine Flugshow der Modellfluggruppe Bozen, ein „Internationales Preiswatten“, ein Frühschoppen mit Livemusik sowie – für die Kleinen – eine Kinderschminkecke und eine Hüpfburg. „Wir versuchen, aus dem Sportevent ein Fest zu machen. Nicht nur die Athleten verdienen sich perfekte Bedingungen, sondern auch das Publikum“, erklären die beiden OK-Chefs Christian Gallmetzer und Martin Mittermair. Zum sportlichen Programm: Für Mittwoch, 23. Jänner ist die Anreise der Mannschaften geplant, schon am Abend werden im Hotel Pfösl die Startnummer verlost. Am Donnerstag folgt das Training und – am Abend um 19 Uhr – die offizielle Eröffnung im Festzelt. Am Freitag werden mit Beginn um 10 Uhr im Mannschaftswettbewerb die ersten WM-Medaillen vergeben. Am Samstag geht es um Gold, Silber und Bronze im Doppelsitzer, und auch im Einsitzer der Damen und Herren werden die ersten Wertungsläufe durchgeführt. Am Sonntag schließlich werden am Vormittag die Medaillen im Einsitzer der Damen und Herren vergeben.


Der WM-Schulwettbewerb

An der Mittelschule Deutschnofen haben sich die Schüler im Rahmen eines Malwettbewerb mit der Rodel-WM auseinandergesetzt. Am Samstag um 13.45 Uhr werden im Zielraum die besten Bilder des Plakatwettbewerbs prämiert. Das Siegerbild – jenes von Gabriel Köhl – schmückt die WM-Broschüre.


Erfahrene WM-Organisatoren

Zwei Pinguine – sie sind die Maskottchen der WM – kündigen die Rodel-WM bereits seit Monaten am Dorfeingang von Deutschnofen an. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum, das der ASV Deutschnofen 2013 feiert, krönt Deutschnofen seine Entwicklung zur international anerkannten Rodelhochburg. Praktisch alles, was es an nationalen und internationalen Rennen gibt, hat Deutschnofen schon organisiert, seit Ende der 1990er-Jahre die anspruchsvolle Rodelbahn Pföslriep gebaut und homologiert wurde: zum Beispiel die Italienmeisterschaft 1999, zum Beispiel die Intercontinentalcup-Rennen 2001 und 2008, dazu die Weltcuprennen 2009 und 2012 sowie zwei Nachwuchs-Weltmeisterschaften (die FIL-Jugendspiele 2003 und die Junioren-WM 2010), den Großen Preis von Europa der Sportrodler 2007 und das Hornschlitten-Europacupfinale 2004.


Weltcuperprobte WM-Bahn

Die Rodelbahn Pföslriep wurde 1998 fertiggestellt und gilt in Athletenkreisen als anspruchsvoll. Sie ist 871 Meter lang und weist ein Durchschnittsgefälle von 13 Prozent auf (Höchstgefälle 16 Prozent). 121 Meter Höhenunterschied bewältigen die Athleten, der Start befindet sich auf 1.505 Metern Meereshöhe.


Die Geschichte der Naturbahnrodel-WM

Weltmeisterliches Edelmetall wird nur alle zwei Jahre vergeben. Der Österreicher Werner Prantl, die Italienerin Delia Vaudan sowie das italienische Doppel Damiano Lugon/Andrea Millet kürten sich 1979 in Inzing in Tirol zu den ersten Weltmeistern der Naturbahnrodel-Geschichte. Deutschnofen trägt die nunmehr 18. WM aus.

Der erfolgreichste Athlet der WM-Geschichte ist der Österreicher Gerhard Pilz, der von 1986 bis 2007 neun WM-Medaillen, davon fünf Goldene, gewann. Sein weibliches Gegenstück ist die noch aktive Ekatharina Lavrentjeva, die bisher auf insgesamt sechs Medaillen kommt (drei Mal Gold, drei Mal Silber). Die Nationenwertung führt mit 83 Medaillen unangefochten Italien an, wobei Südtirol einen großen Anteil an dieser Spitzenposition einnimmt.

Autor: sportnews