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Alex Hofer war am Wochenende bei den Weltcup-Rennen in Santa Caterina im Einsatz.

Alex Hofer: Der Ticketlöser

Das nackte Ergebnis war ernüchternd. Die Ränge 48 mit 4,06 Sekunden Rückstand im ersten und Platz 43 (+ 2,29) im 2. Riesentorlauf von Santa Caterina war nicht das, was sich Alex Hofer bei seinen Weltcuprennen 7 und 8 vorgestellt hatte.

Zumal er einige Tage zuvor im Europacup noch Läufer wie Atle Lie McGrath (Norwegen) und Aleksander Andrienko (Russland) hinter sich gelassen hatte oder gleichauf war mit Semyel Bissig (Schweiz), die in Santa Caterina alle Weltcuppunkte sammelten. Dabei war nicht einmal die hohe Nummer 61 von Hofer ein Nachteil. Im ersten Rennen schafften Adrian Pertl (Nummer 63) und Andreas Zampa (66) die Quali für den 2. Lauf, im zweiten Rennen schaffte Teamkollege Stefano Baruffaldi 3 Nummern vor Hofer den Einzug ins 30-er-Finale.


Dass Alex Hofer in Santa Caterina seine Weltcuprennen Nummer 7 und 8 bestritt, ist eine Sensation. Er gehört keiner Gruppe der Nationalmannschaft mehr an, sondern fährt für die Finanzsportgruppe. Dort ist der ehemalige Slalomsieger von Kitzbühel, Cristian Deville, sein Trainer. Über starke Leistungen bei den FIS-Rennen in Sulden Mitte November löste Hofer zuerst das Ticket für die 2 Europacup-Riesentorläufe in Hochgurgl, wo er sich mit den Rängen 3 und 5 dann auch das Ticket für die 2 Weltcup-Riesentorläufe in Santa Caterina sicherte.

Das Problem mit dem Covid-Test
Aber: Auf einmal hatte Alex Hofer ein Problem: Um ins Veltlin und damit in die Lombardei zu kommen, benötigte er einen PCR-Test. Der war im hintersten Ötztal nicht zu bekommen, und nur dank der Beziehungen der dortigen Europacup-Veranstalter kam Hofer doch zu einem Coronatest. Bis das Ergebnis aus Innsbruck eintrudelte, durfte Hofer nicht ins „Azzurri“-Mannschaftshotel Nordik nach Santa Caterina und damit in die sogenannte „Blase“. Um nicht im Auto schlafen zu müssen, nahm der 26-Jährige den Umweg über das eigene Bett in Kastelruth und reiste erst am Freitag – also einen Tag vor dem Rennen – an. Ideale Vorbereitung geht anders.
„Lasse an meine Ski niemanden heran“
Mehr noch: Alex Hofer hat keinen eigenen Servicemann, sondern präpariert sich seine Fischer-Rennskier selber. Während seine Konkurrenten also auf dem Massagetisch lagen oder sonstige Entspannung genossen, musste er noch in den Skikeller. Nach Santa Caterina nahm Hofer 3 Paar mit: 1 Paar Rennski, eines zum Einfahren und eines als Reserve. Hofer: „Mehr habe ich derzeit nicht. Ich hoffe, dass ich über die guten Ergebnisse im Europacup einige Paar mehr bekomme.“ Das Szenario mit dem Transport seiner Skier im eigenen Privatauto wird sich auch in nächster Zeit wiederholen. So ist jetzt wieder Europacup in Zinal (Schweiz) angesagt, ehe es dann hoffentlich wieder in Alta Badia im Konzert der Großen weitergeht. Typischer Athleten-Alltag eines Fahrers, wie es Alex Hofer einer ist, den nach vielen Höhen, aber mindestens ebenso vielen Tiefen nichts mehr umwirft.
Tragischer Tod des Trainers
Dazu gehören 2 Hüftoperationen (2015 und 2017), aber auch ein tragisches Ereignis: Bei einem Wanderausfl#ug im August 2017 auf die Torre-di-Pisa-Spitze im Latemargebiet mit allen Athleten und Trainern der Finanzsportgruppe verstarb Trainer Roberto Fontanive an einem Herzinfarkt. So etwas prägt. Auch einen, der schon öfter das Exit-Ticket aus der Skiszene in der Hand hielt, es aber immer wieder schaffte, das Einlass-Ticket zur großen Weltcupbühne zu lösen.

Autor: av

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