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Mikaela Shiffrin will ihren Vorjahressieg in Sölden wiederholen. © AFP / JOE KLAMAR

Alice Robinson im Interview: „Ich find's cool, die Exotin zu sein“

Alice Robinson war die ganz große Senkrechtstarterin im vergangenen Ski-Winter. Als 17-Jährige gewann sie das Auftaktrennen in Sölden, es folgten ein weiterer Weltcupsieg und reihenweise Spitzenplätze. Nun möchte die Neuseeländerin im Ötztal neuerlich für Furore sorgen. Zuvor aber stattete sie ihrem Handschuh-Ausrüster, der Firma Reusch in Bozen, diese Woche einen Besuch ab. Wir haben die Möglichkeit genutzt, um mit dem kecken Youngster über den Exoten-Status, das Duell mit Shiffrin und regelmäßige Südtirol-Besuche zu sprechen.


Sie haben in Südtirol bereits mehrere Europacup- und Weltcuprennen bestritten. Welchen Bezug haben Sie zu der Region?

Alice Robinson: „Ich bin hier schon einige Rennen gefahren, das stimmt, doch erfolgreich war ich dabei nie (lacht). Aber ich komme auch zum Training regelmäßig nach Südtirol. Die Landschaft, die Berge, das Klima, das ist alles wunderbar. Ich genieße die Zeit hier sehr.“


Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2019 im Fassatal ging Ihr Stern mit Riesentorlauf-Gold auf. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

„Dieser Moment ist in meinen Gedanken unheimlich präsent, ich erinnere mich auch heute noch oft daran zurück. Der ganze Tag war speziell für mich, immerhin war es der bis dahin größte Triumph in meiner Karriere und ein wahres Sprungbrett.“

„Abseits der Piste gibt es Momente, die nicht ganz so leicht sind“
In der Tat ging Ihre Karriere seitdem stetig bergauf. Gab es in dieser Zeit auch Rückschläge?

„Na klar gab es auch schon schwierige Momente. Sportlich war die Zeit unmittelbar nach meinem Sölden-Sieg im vergangenen Jahr keine einfache, als eine schwere Verletzung festgestellt wurde und ich rund sechs Wochen komplett aussetzen musste. Sich da rasch wieder heranzukämpfen, war nicht einfach. Abseits der Piste gibt es auch Momente, die nicht ganz so leicht sind. Die Entfernung zu meiner Heimat etwa macht mir schon das ein oder andere Mal zu schaffen.“

Alice Robinson geht in ihre zweite komplette Weltcupsaison. © APA/afp / JAVIER SORIANO


Sie sind in Australien geboren, dann aber bereits als kleines Kind mit ihren Eltern nach Neuseeland gezogen. Wie kamen Sie zum Skirennsport, zumal dieser in ihrer Heimat nicht als Hauptsportart gilt?

„Ich bin in Queenstown auf der Südinsel Neuseelands aufgewachsen, das für dortige Verhältnisse durchaus als Wintersportort durchgehen kann. Nur nur zehn Autominuten von unserem Haus entfernt gab es ein kleines Skigebiet. Dort haben mich meine Eltern schon als kleines Kind regelmäßig hingefahren.“


Die Skisportfans verbanden mit Neuseeland bislang in erster Linie den Namen Claudia Riegler. Als sie 1997 ihren letzten Weltcupsieg feierte, waren sie noch gar nicht geboren. Welche Rolle spielt sie in Ihrer Karriere?

„Als Kind habe ich sie zu ihr aufgesehen, sie bewundert. Sie hat mir aufgezeigt, dass es auch als Neuseeländerin möglich ist, sich mit den Besten im Weltcup zu messen. Ihr Karrieregang und ihre Erfolge haben mich unheimlich motiviert, dafür werde ich ihr ewig dankbar sein.“
„Ich sitze mehr als 100 Stunden im Jahr im Flieger“
Haben Sie mal zusammengerechnet, wie viele Stunden Sie im Jahr im Flugzeug sitzen? Immerhin wird der Skiweltcup ausschließlich auf der Nordhalbkugel ausgetragen, auch die Trainings finden größtenteils dort statt.

(lacht) Nein, all die Stunden in der Luft habe ich nie zusammengezählt, bei all den Reisen wäre das auch ziemlich schwierig. Ich kann aber mit Gewissheit sagen, dass ich mehr als hundert Stunden im Jahr im Flugzeug sitze.“


Fühlen Sie sich im Ski-Weltcup als Exotin?

„Ja, ganz klar! Meine Mitstreiterinnen kommen ja alle aus Europa beziehungsweise einige wenige aus Nordamerika, meine Heimat liegt dagegen auf der anderen Seite der Erdkugel. Aber ich muss eingestehen, irgendwie find ich’s cool, diese Sonderrolle im Weltcup einzunehmen“

Alice Robinson (r.) mit ihrer großen Rivalin Mikaela Shiffrin (l.) © APA/afp / JOE KLAMAR


Am 17. Oktober steigt in Sölden das Weltcup-Opening, dort wo sie im Vorjahr ihren ersten Weltcupsieg feierten. Ist auch dieses Mal Platz ein Ihr Ziel?

„Natürlich. Ich bin vielleicht nicht die Topfavoritin auf den Sieg, doch mein Anspruch muss es schon sein, ganz vorne mitzufahren.“


Mikaela Shiffrin zollte Ihnen in Vergangenheit immer wieder Respekt, dabei könnten Sie zu ihrer großen Dauerrivalin aufsteigen. Ist das der Anspruch, den Sie an sich selbst haben?

„Es ist vermessen, sich mit Mikaela auf eine Stufe zu stellen. Sie ist die zurzeit beste Skifahrerin. Als Sportlerin will ich aber das Maximale rausholen und nach dem Höchstmöglichen streben. Deshalb ist mein Ziel sicherlich, die Lücke zu schließen und mich mit ihr um Siege zu duellieren.“


Vielen Dank für das Gespräch.



Fragen: Alexander Foppa

Autor: fop

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