
Marco Odermatt verdrückte nach seinem zweiten Platz ein paar Tränen. © APA / BARBARA GINDL
Bittere Kitz-Tränen bei Odermatt: „Da fühle ich mich blöd“
Marco Odermatt ist nur sieben Hundertstelsekunden an seinem Traum vom Abfahrtssieg auf der Streif vorbeigeschrammt. Anschließend gab es beim Schweizer Dominator sogar Tränen.
24. Januar 2026
Aus Kitzbühel

Von:
Christoph Niederkofler
Spätestens als die imposanten Klänge von Duel of the Fates aus der Filmreihe Star Wars die Kamerafahrt über die ikonischen Abschnitte Mausefalle, Brückenschuss und Hausbergkante untermalten, war jedem im Zielraum klar: Auch an diesem Samstag werden in Kitzbühel Schicksale entschieden. Ein Drehbuch galt dabei als besonders vielversprechend. Nur einen Tag nach seinem Triumph im Super-G galt Marco Odermatt in der Abfahrt als Topfavorit, sein größter verbliebener Traum sollte endlich in Erfüllung gehen. Zwar gab es einen furiosen Premierensieg auf der Streif zu feiern – doch einmal mehr war Glücksgottin Fortuna dem Schweizer Dominator nicht hold.
Als Odermatt im Ziel abschwang, leuchtete neben seinem Namen die Nummer zwei auf. Sein Rückstand auf Giovanni Franzoni betrug marginale 0,07 Sekunden. Während die 45.000 Zuschauer allmählich realisierten, dass sich ein Sensationssieg anbahnte, hielt der geschlagene Weltmeister auffällig lange inne. Der Kopf war gesenkt, der Blick zu Boden gerichtet – was ihm in jenen Sekunden durch den Kopf ging? „Da war einfach nur Enttäuschung. Ich brauchte ein wenig Zeit“, erklärte Odermatt in einer Medienrunde gegenüber SportNews.
Das Energie-Spiel von Odermatt geht nicht auf
Am Freitag hatte der viermalige Gesamtweltcupsieger noch angekündigt, aus der Enttäuschung aus dem Vorjahr gelernt zu haben und mit seinen Energien nach dem Sieg im Super-G haushalten zu wollen. Augenscheinlich war ihm das gelungen, eigenen Aussagen zufolge zauberte er „meine beste Fahrt auf der Streif“ in den Schnee. „Ich habe wirklich viel Energie in das heutige Rennen geworfen. Es hat alles funktioniert, ich kann mir nichts vorwerfen. Deshalb ist das alles sehr enttäuschend.“Marco Odermatt, Giovanni Franzoni und Maxence Muzaton (v.l.n.r.) in Kitzbühel. © ANSA / ANNA SZILAGYI
Wie wichtig ihm ein Sieg auf der Streif ist, wurde bei der Siegerehrung einmal mehr deutlich. Als der 28-Jährige seine Trophäe in den Tiroler Himmel streckte, musste er sich eine Träne aus dem Gesicht wischen. Sieger Giovanni Franzoni bemerkte das gebrochene Herz seines ärgsten Jägers und nahm sich seiner an. „Ich sah Odi mit Tränen in den Augen und erlaubte mir ihn zu trösten, indem ich ihm sagte, dass er ein Champion ist und dass der Sieg kommen wird“, meinte der Shootingstar.
Odermatt: „Da fühle ich mich blöd“
Olympisches Gold, WM-Titel, große wie kleine Kristallkugeln nennt Odermatt bereits sein Eigen: Ein Sieg auf der Streif wäre das i-Tüpfelchen in seiner beispiellosen Laufbahn. Doch für ebenjenes muss eben alles zusammenkommen, sowohl Form als auch Glück und Momentum müssen auf seiner Seite sein. Wie 2025 standen die Sterne auch in diesem Jahr gut für die Vollendung des Marco Odermatt, das wusste der gebrochene Held auch selbst. „Wenn man gesund und fit ist, das Material perfekt ist und am Ende so wenig fehlt – dann tut es besonders weh“, so Odermatt.„Ich fühle mich fast ein bisschen blöd, wenn man mit einem zweiten Platz enttäuscht ist.“ Marco Odermatt
„Wer weiß, wie lange dieses Feuer genauso brennt. Und genau das braucht man hier, um zu gewinnen. Zehn solcher Chancen werde ich nicht mehr haben“, merkte er bei Eurosport im Interview an. Am Ende des Tages war es aber immer noch der zweite Platz in der legendären Kitzbühel-Abfahrt und ein Erfolg, von dem viele Athleten nur träumen können. „Ich fühle mich fast ein bisschen blöd, wenn man mit einem zweiten Platz enttäuscht ist“, gab er zu. „Vor allem um Kollegen rum, die viel weniger erreicht haben und mich trösten. Da fühle ich mich blöd. Für mich ist es aber eine Niederlage.“
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Hermann Zanier
Nicht umsonst ist Odermatt einer der ganz großen Sportler
25.01.2026 08:18


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