
Atle Lie McGrath (links) und Lucas Pinheiro Braathen (rechts) haben schon einige unglaubliche Geschichten erlebt. © APA/afp / JURE MAKOVEC
Braathen, McGrath und eine wilde Jugendsünde
Lucas Pinheiro Braathen und Atle Lie McGrath verbindet eine einzigartige Freundschaft, welche weit zurückreicht. Vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden gaben die beiden eine wilde Geschichte aus ihrer Kindheit zum Besten.
24. Oktober 2026
Aus Sölden

Von:
Christoph Niederkofler
Als sich Lucas Pinheiro Braathen und Atle Lie McGrath auf der Coach beim FIS Race Talk am Freitagnachmittag einen fast schon verlegenen Blick zuwarfen, lag auf der Hand, dass eine Geschichte der außergewöhnlichen Art folgen würde. „Wie alt waren wir: 13 oder 14 Jahre?“, erkundigte sich McGrath bei seinem besten Freund auf die Frage hin, was das verrückteste gemeinsame Erlebnis der beiden Ski-Stars gewesen sei.
Schließlich holte der beste Slalomfahrer der vergangenen Saison aus: „Wir waren mit unserem Verein zum Skifahren an einem Gletscher in Norwegen. Wir übernachteten in einer Hütte – und fanden einen Feuerwehrschlauch.“ Das darauffolgende spitzbübische Lächeln des 26-jährigen Norwegers ließ zunächst nur erahnen, was den damaligen Teenagern nach ihrem Fund durch den Kopf gegangen sein muss. „Wir waren schon sehr viele Tage dort und hatten langsam keine Ideen mehr, was wir noch anstellen hätten können“, fügte Braathen kurzerhand an.
McGrath: „Von oben bis unten mit Schlamm bedeckt“
Es habe nicht lange gedauert, bis einer der beiden einen abenteuerlichen Einfall hatte. „Wir dachten, es wäre eine großartige Idee, ihn aufzudrehen und zu schauen, wie weit das Wasser spritzen würde“, erzählte McGrath weiter. „Lucas ging also hin drehte das Wasser auf und der Schlauch schoss mindestens 20 Meter in die Luft. Das war der pure Wahnsinn!“„Alle unsere Teamkollegen liefen davon und ließen mich mit dem Schlamassel allein, das ich angerichtet hatte.“ Lucas Pinheiro Braathen
Die Faszination, welche der junge McGrath damals gefühlt haben muss, stand ihm am Freitag zum großen Teil immer noch ins Gesicht geschrieben. Ansteckend war der Zauber ihrer Idee aber nicht, meinte Braathen. „Alle unsere Teamkollegen liefen davon und ließen mich mit dem Schlamassel allein, das ich angerichtet hatte“, so der Riesenslalom-Olympiasieger. „Und wenn irgendetwas beweist, was für ein guter Freund Atle ist, dann das: Er war derjenige, der bei mir blieb.“
Die Aktion ging jedoch nach hinten los. „Wir waren von oben bis unten mit Schlamm bedeckt und dachten, wir hätten dem ganzen Dorf das Wasser abgedreht“, erinnerte sich McGrath an etwas bangere Momente. „Dann liefen wir zu unseren Trainern. Sie fragten uns, was passiert sei – und wir waren völlig mit Schlamm durchtränkt. Also sagten wir: 'Wir wissen es nicht. Wir waren es nicht.'“
Braathen schwärmt von Kumpel McGrath
Das Chaos sei letzten Endes nicht zu übersehen gewesen. „Der gesamte Parkplatz war 20 bis 30 Zentimeter hoch mit dem ganzen Dreck bedeckt. Es war einfach nur eine Sauerei“, meinte Braathen und schwärmte anschließend von seinem Kumpel: „Und es war offensichtlich, wer schuld war. Aber ich hatte einen Freund an meiner Seite, der die Schuld mit mir auf sich nahm, während der Rest uns im Stich ließ. Das war ein echter Beweis für eine großartige Freundschaft.“Atle Lie McGrath (rechts) und Lucas Pinheiro Braathen (links) beim FIS Race Talk in Sölden. © Teyssot / Pierre TEYSSOT
Auch knapp 15 Jahre später erleben die beiden denkwürdige Momente – mittlerweile aber der etwas glanzvolleren Sorte. So krönte sich etwa Braathen im vergangenen Winter im Riesenslalom zum Olympiasieger und feierte in dieser Disziplin den Gewinn der kleinen Kristallkugel, McGrath entschied derweil die Disziplinenwertung im Slalom für sich. Meilensteine, welche die beiden Seite an Seite teilen durften – und das eingebettet in ihre unvergleichliche Bromance.
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