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Christof Innerhofer ist seit mittlerweile 14 Jahren im Weltcup-Zirkus mit dabei. © Instagram

Christof Innerhofer: „Dann fragten sie mich: Ja bist du verrückt?“

Seit mittlerweile 14 Jahren ist Christof Innerhofer im Weltcup-Zirkus unterwegs, hat Höhen und Tiefen erlebt, Medaillen und Siege errungen. Eines ist aber klar: Genug hat der 35-Jährige noch lange nicht. SportNews hat den Gaiser beim Gletschertraining auf dem Stilfser Joch telefonisch erreicht und über die schwierige letzte Saison, die lehrreiche Arbeit auf dem Bau und Geld im Ski-Sport gesprochen.


Christof Innerhofer, nicht alle Skiprofis sind Fans des Gletschertrainings. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Innerhofer: „Seit ich als junger Bursche 2 Jahre auf dem Bau gearbeitet habe, bin ich Fan davon.“


Wie meinen Sie das?

„Früher als Kind hat es mir keinen Spaß gemacht, im Sommer auf den Gletscher zu fahren, während die ganzen Freunde im Schwimmband waren. Als ich dann aber auf dem Bau gearbeitet habe, hat man es viel mehr geschätzt, wenn man im Sommer trainieren durfte.“


Die vergangene Saison war für Sie keine einfache. Nach dem Kreuzbandriss strebten Sie mehrere Male das Comeback an, so richtig geklappt hat das aber nicht.

„Ich bin etwas happy und etwas traurig, wenn ich auf die letzte Saison zurückblicke. Traurig, weil ich nicht den ganzen Winter über Rennen fahren konnte. Das wäre nach meinem Kreuzbandriss im Frühling 2019 mein Wunsch gewesen, es blieb aber bei der Traumvorstellung. Andererseits bin ich aber auch happy, weil ich in den Trainings trotzdem immer zu den schnellsten gehört habe. Das macht mich zuversichtlich fürs nächste Jahr.“

Innerhofer spult als Vorbereitung auf die Saison immer zahlreiche Kilometer auf dem Rad ab. © Instagram


Sie haben immer wieder betont, bis zu den Olympischen Spielen 2026 weitermachen zu wollen. Hat die Verletzung daran etwas geändert?

„Nein. Ich möchte so lange fahren, wie es mir Spaß macht und ich mich jung fühle. Ich bin nach wie vor top motiviert und spüre auch mit 35 Jahren noch nicht, dass es abwärts geht. Zudem trainiere ich einfach zu gerne. In der Quarantänezeit habe ich zwischen Tourenski und Heimrad 120 Stunden Ausdauertraining gemacht. Es kam schon mal vor, dass ich dreieinhalb Stunden am Tag auf dem Ergobike verbracht habe. Da haben mich meine Kollegen schon gefragt: Ja bist du verrückt (lacht).“

„Früher war ich gerne in der Öffentlichkeit, bei Events und Modeschauen. Jetzt bin ich generell lieber daheim.“

Der Blick in die Zukunft ist also vielversprechend. Werfen wir einen Blick auf die Vergangenheit: Wie hat sich Christof Innerhofer in den letzten Jahren verändert?

„Ich glaube, auf der Piste habe ich mich wenig verändert. Ich habe immer noch die gleiche Passion, den Biss, den Ehrgeiz und die Ziele. Technisch habe ich mich in den Jahren schon ordentlich weiterentwickelt.“


Und wie sieht es mit dem Christof abseits der Piste aus?

„Da bin ich schon ziemlich anders geworden. Früher war ich sehr gerne in der Öffentlichkeit, bin bei Events, Modeschauen und so weiter gewesen. Ab und zu mache ich das auch heute noch gerne, generell bin ich aber lieber daheim. Wenn ich beispielsweise entscheiden müsste, auf ein Dorffest zu gehen oder auf dem Berg den Sonnenuntergang anzuschauen, würde ich mich für letzteres entscheiden.“

Der Gaiser interessiert sich sehr für Wirtschaft. Hier liest er ein Buch des Experten Warren Buffet. © Instagram


Sie betonen immer wieder, dass die Wirtschaft und die Börse in Ihrem Leben eine sehr wichtige Rolle einnehmen. In welche Zweige vertrauen Sie?

„Die Wirtschaft ist eine große Passion von mir, die immer größer wird. Sich für das zu interessieren, hilft sehr fürs Allgemeinwissen. Ich glaube an die Zukunft. Ich bin Optimist und sage, dass die Wirtschaft langfristig immer wachsen wird.“

„In Sport zu investieren, war in den letzten Jahren ein Luxus der Unternehmen, der jetzt für viele nicht mehr tragbar ist.“

Sie sind also ein risikofreudiger Typ?

„Auf der Piste schon, sonst nicht. Ich bin nicht einer, der in Trends investiert. Ich investiere in die nachhaltigen Sachen, die eine Preismacht haben. Meistens also in Bereiche und Firmen, die es schon vor 30 Jahren gegeben hat und die es auch in 30 Jahren noch geben wird.“


Wie groß ist der finanzielle Schaden, den die Corona-Krise im Ski-Zirkus hinterlassen hat?

„Sicher wird sich finanziell bei uns einiges ändern. Im Moment sind viele Firmen vom Gas runtergegangen. Die Unternehmen werden jetzt sagen: Was ich nicht fürs Überleben brauche, werde ich weglassen. In Sport zu investieren, war in den letzten Jahren ein Luxus, der jetzt für viele nicht mehr tragbar ist. Das werden wir sicher zu spüren bekommen.“


Fragen: Thomas Debelyak

Autor: det

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