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Matteo Marsaglia: Sein Ärger ist groß. © Pentaphoto

„Das ist beschämend“: Zoff in Italiens Ski-Team

Die Olympischen Spiele waren für die Ski-Herren aus Italien bisher zum Vergessen. Dafür machen die Azzurri abseits der Piste von sich reden, allerdings im negativen Sinne.

Matteo Marsaglia war der Ärger anzumerken, als er am Dienstag nach dem Super-G vor das Mikrofon der RAI trat. „Ich finde, das ist beschämend“, sagte der Routinier aus Rom. Die Rede war jedoch nicht von seinem Rennen, in dem er als 18. der beste Azzurro war, sondern vielmehr von den Ereignissen, die sich in den letzten Stunden zugetragen haben – und die kein gutes Licht auf den italienischen Wintersportverband FISI werfen.


Am Montagabend unserer Zeit, also wenige Stunden vor dem Rennen, sorgte Marsaglia mit Anschuldigungen gegen den Verband für großes Aufsehen. „Sie haben mich gefragt, ob ich nicht auf den Super-G verzichten könnte, weil sie gerne Mattia Casse fahren lassen würden“, sagte er. Hintergrund: Casse hat im Super-G deutlich bessere Ergebnisse als Marsaglia. Allerdings war er nicht für Olympia nominiert worden, reiste aber trotzdem nach China, um als Ersatzfahrer einspringen zu können. Das geht jedoch nur, wenn ein Quotenplatz frei würde oder wenn ein Athlet der Azzurri, sprich entweder Dominik Paris, Christof Innerhofer oder Matteo Marsaglia, verletzungs- oder coronabedingt nicht am Rennen teilnehmen kann.

„Sie versuchen, mich gegen Mattia Casse aufzustacheln.“ Matteo Marsaglia

„Ich habe ihnen erklärt, dass ich das nicht machen kann. Sollte ich sagen, dass ich krank bin, also eine falsche Erklärung abgeben? Mit solchen Sachen scherzt man nicht. Und warum sollte ich so etwas überhaupt machen? Um den Fehler jener auszumerzen, die verantwortlich sind, dass wir nur sieben Startplätze haben?“, erklärte ein verärgerter Marsaglia.

Matteo Marsaglia bei seiner Super-G-Fahrt. © ANSA / GUILLAUME HORCAJUELO


„Wenn sie nicht wollen, dass ich starte, dann starte ich nicht. Aber mein Olympia-Ticket gebe ich nicht weiter, dann sollen sie zu zweit starten (Innerhofer und Paris, Anm. d. Red.). Sie versuchen, mich gegen Mattia Casse aufzustacheln. Er ist aber mein Freund, ich werde sein Trauzeuge sein. Nein, sie schaffen das nicht. Seit vier Jahren versuchen sie, mich zum Aufhören zu drängen, warum sollte ich ihnen diesen Gefallen machen?“
FISI wehrt sich, Marsaglia schlägt zurück
Das sind harte Worte von Marsaglia, die von Massimo Rinaldi, dem sportlichen Leiter der Ski-Herren, dementiert wurden. „Ich habe eine solche Bitte an Matteo nie gemacht. Ich habe ihn auch nie darum gebeten, falsche Aussagen zu machen. Das würde ja rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Gesagt sei aber auch, dass Marsaglia heuer in der Abfahrt einen vierten Platz gemacht hat, in der Super-G-Wertung aber an Position 39 steht.“

Max Rinaldi, sportlicher Leiter der Ski-Herren. © Pentaphoto


Als Marsaglia nach dem Super-G am Dienstag von der RAI zu den Geschehnissen befragt wurde, erklärte er: „Sagen Sie mir: Aus welchem Grund hätte ich mir eine solche Aussage einfallen lassen sollen? Ich finde, das ist beschämend. Das geht gegen alle Werte des Sports, die mir in all den Jahren gelehrt wurden.“
Was sagt Casse?
Auch Mattia Casse hat sich in den sozialen Netzwerken zu der Angelegenheit geäußert. Dabei verteidigt er seinen Kollegen Marsaglia und schildert seine Sicht der Dinge. „Matteo ist nicht nur ein Mannschaftskollege, er ist auch ein guter Freund. Er ist in Peking, um Rennen zu machen und verdient sich das auch. Ich bin nach China gekommen und habe gehofft, dass einer der Quotenplätze frei wird. In meinem Herzen habe ich gehofft, dass die Rennen in Dubai, Kolasin und Melbun ( die angebliche getürkt waren, Anm. d. Red.) annulliert werden. Es ist kein Geheimnis, dass diese Rennen veranstaltet wurden, um andere Ziele als die sportlichen zu verfolgen. Ich hoffe, dass sich eine solche Ungerechtigkeit nie mehr wiederholt.“

Klar ist: Die ganze Angelegenheit wirft kein gutes Licht auf Italiens Ski-Team.

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Kommentare (1)

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Hermann Zanier [melden]

Noch das schlechtere Licht wird, um genau zu sein, auf ide FIS geworfen. Die Schiebereien sind von der FIS ausgegangen, Herrn Rinaldi muss man den Vorwurf machen, dass er ungeschickt ist und das nicht nur in diesem Zusammenhang. Aus idiotischen kommerziellen Überlegungen wird der Schisport von der FIS kaputt gemacht. Man wird nie die Afrikanischen Völker am Schisport begeistern können, da kann man so viele Exoten wie man will zu den Rennen buxieren. Man komme nicht mit dem Olympischen Geist, der ist den Funktionären vollkommen wurscht.

08.02.2022 18:14

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