L Ski Alpin

Vera Tschurtschenthaler hat eine schwierige Saison hinter sich. © Privat

„Das würde mir im Herzen weh tun“

Die Bekanntgabe der Ski-Nationalmannschaften wird jedes Jahr mit Argusaugen verfolgt. Die brennenden Fragen lauten: Wer bleibt? Wer kommt? Wer geht? Während sich einige Athleten über den Aufstieg freuen, ärgern oder bedauern andere ihren Ausschluss. Letzteres trifft auf Vera Tschurtschenthaler zu, die gegenüber SportNews nun das Wort ergreift.

Im nach Erfolge lechzenden, italienischen Slalom-Team der Damen ist Tschurtschenthaler in der letzten und vorletzten Saison noch eine feste Größe gewesen. Im Europacup stets konstant, erarbeitete sich die 24-Jährige 2020 die Chance, sich im Weltcup zu bewähren. In Kranjska Gora verpasste sie den zweiten Durchgang nur um Haaresbreite. Trotz dieses starken Auftrittes erhielt Tschurtschenthaler im abgelaufenen Winter keinen weiteren Weltcup-Einsatz mehr. Warum, weiß selbst die Sextnerin nicht, die mit SportNews über den Kaderausschluss, die letzte, turbulente Saison und ihre ungewisse Zukunft spricht.



Vera Tschurtschenthaler, wann haben Sie erfahren, dass Sie nicht mehr Teil der Nationalmannschaft sind und wie haben Sie reagiert?

„Ich bin im April in ständigem Kontakt mit meinem Trainer des Nationalteams gewesen. Er hat mich stets auf dem Laufenden gehalten, deshalb habe ich gewusst, wie es ausschaut. Das war zwei, drei Wochen bevor die FISI die Mannschaften bekanntgegeben hat. Dennoch habe ich bis zum Schluss gehofft, dass sich das Blatt noch einmal wendet. Als es dann tatsächlich feststand, war die Enttäuschung natürlich da.“


Was hat letztlich den Ausschlag zu Ihren Ungunsten gegeben?

„Heuer hat die FISI beschlossen, dass die Athletinnen im B-Kader 20 oder jünger sein müssen. Deshalb hätte ich in die Weltcup-Mannschaft aufgenommen werden müssen. Mein Trainer hat sich dafür auch eingesetzt, schlussendlich hat sich die Verbandsspitze aber dagegen entschieden.“

Vera Tschurtschenthaler spricht offen über ihren Kaderausschluss. © Privat


Finden Sie die Entscheidung gerechtfertigt?

„Die Ergebnisse im Europacup haben einfach nicht gestimmt. Zudem spielten andere Faktoren eine Rolle, auf die ich keinen Einfluss hatte. Zum Beispiel, dass alle Europacup-Rennen innerhalb einer kurzen Zeitspanne stattgefunden haben, in der ich nicht in Form war. Ich habe auch keine Chance bekommen, mich im Weltcup zu empfehlen. Aber ich will nicht sagen, dass die Entscheidung ungerecht ist. Vivien Insam zum Beispiel hätte Vorrang gehabt, wurde jedoch auch nicht berücksichtigt.“


Was hat in der letzten Saison nicht geklappt?

„Es waren ein paar blöde Zufälle dabei. In den ersten beiden Rennen in Ahrntal bin ich in der ersten bzw. zweiten Gruppe gestartet. Die beiden Slaloms sind zwar nicht exzellent, aber auch nicht katastrophal gelaufen. In Vaujany war die Piste dann völlig vereist. Ich hatte ein fürchterliches Setup, rutschte förmlich weg und schied dadurch zwei Mal aus. Nach diesen Rennen bin ich mit der Startnummer 50 gestartet, was mental ziemlich anstrengend gewesen ist. Zudem habe ich mir selber Druck gemacht und bin mit diesem nicht zurückgekommen. Wobei: In den letzten Monaten bin ich stark gefahren, habe FIS-Rennen gewonnen und bei der Italienmeisterschaft Rang 2 belegt.“


Haben Sie schon einen Plan, wie es nun weitergeht?

„Nein, dazu kann ich leider nicht viel sagen. Ich bin in den Urlaub gefahren und mache mir jetzt keinen Stress. Es gilt abzuschalten, irgendwann werde ich schon eine Entscheidung treffen. Als der Ausschluss amtlich war, wollte ich alles hinschmeißen. Auf der anderen Seite betreibe ich diesen Sport aber so gern. Und weil ich zum Ende der letzten Saison gesehen habe, dass ich dran bin, dass es geht, würde es mir im Herzen weh tun, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen.“

Schlagwörter: Wintersport

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2021 Sportnews - IT00853870210