L Ski Alpin

Ein leiser Abschied: Mikaela Shiffrin. © APA/afp / FABRICE COFFRINI

Der zerschlagene Traum der Mikaela Shiffrin

Als große Favoritin war sie nach Peking gereist, in jeder Einzeldisziplin zählte sie zu den Medaillenanwärterinnen. Eine Rückreise ohne Edelmetall? Kaum vorstellbar. Doch für Mikaela Shiffrin entwickelten sich „ihre“ Olympischen Spiele zu einem Spießrutenlauf – mit einem versöhnlichen Abschluss.

„Heute ist meine liebste Erinnerung.“ Zwar reichte es auch am Schlusstag zu keinem Edelmetall für Shiffrin, dennoch konnte die 26-Jährige dem vierten Platz beim Team-Event etwas Gutes abgewinnen. „Ich hatte viele enttäuschende Momente bei diesen Spielen, heute ist keiner davon“, sagte Shiffrin. Sie verspüre „das besonderste, positivste und optimistischste Gefühl, das ich in der ganzen Zeit hier hatte“. Ihre Teamkollegen hätten sie durch die Spiele getragen, so die 26-Jährige. Dafür sei sie dankbar.


Nichtsdestotrotz wurde der olympische Traum der US-Amerikanerin auf die wohl tragischste Art und Weise zerschlagen. Aus im Slalom, Aus im Riesenslalom, abgeschlagen im Super G und in der Abfahrt. Als sie sich in der Alpinen Kombination auf Gold-Kurs befand, unterlief ihr ein fataler Fehler. Mehr als nur ungewöhnlich. Immerhin war Shiffrin in den vergangenen Jahren das Synonym für Konstanz an der Weltspitze. „Rund 60 Prozent meiner DNF's sind hier bei den Olympischen Spielen geschehen“, meinte sie nach ihrem Kombi-Aus.

Shiffrin verabschiedet sich erhobenen Hauptes
Auch in den sozialen Medien hatte die Ausnahmeathletin mit traurigen Rückschlägen zu kämpfen. So wurde Shiffrin nach ihren dramatischen Ausfällen Opfer von zahlreichen Beleidigungen und Hass-Botschaften, gegen die sie sich öffentlich zur Wehr setzte. Dies nutzte sie für einen Appell an die Außenwelt und sprach die Problematik von Hass im Netz an. Zuspruch erhielt sie dabei auch von US-Turnstar Simone Biles, die ebenso mit derartigen Angriffen zu kämpfen hat.

Zerbrochen unter den Erwartungen? Ein Symbolbild. © APA/afp / DIMITAR DILKOFF

Trotz der für sie enttäuschenden Winterspiele, verlässt Shiffrin letztlich erhobenen Hauptes die chinesische Olympia-Region. Angesichts ihrer niederschmetternden Ausfälle in ihren Parade-Disziplinen hat sie nicht aufgegeben und versucht, der enormen Erwartungshaltung der Skiwelt etwas entgegen zu setzen. Sich durch alle fünf Einzeldisziplinen zu kämpfen und sich auch für das Team-Event aufzuraffen, zeugt von Größe. Eine Narbe werden die Olympischen Spiele aber trotzdem bei Shiffrin hinterlassen – die sie an ihrem weiteren Weg aber wohl nicht hindern wird.

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