L Ski Alpin

Knallharte Abrechnung von Ski-Ass. © AFP / MARCO BERTORELLO

Die gnadenlose Abrechnung des Ski-Pechvogels

In der Ski-Szene hat es in den letzten Tagen ordentlich Wirbel gegeben. Nun holt ein Ski-Crack zum Rundumschlag aus – und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Er war die tragische Figur beim Chaos-Slalom von Zagreb: Victor Muffat-Jeandet. Der französische Routinier kam auf der skandalösen Piste zu Sturz und zog sich einen Wadenbeinbruch zu. Sein Winter ist vorbei, der Traum von den zweiten Olympischen Spielen geplatzt. In dieser Woche wird Muffat-Jeandet operiert, danach wartet eine lange Reha auf ihn. Bevor er sich unters Messer legte, holte der 32-Jährige zum Rundumschlag aus – und das in einem anderthalb Seiten langen Wut-Brief, von dem SportNews einige Passagen übersetzt hat.


„All die monatelange Arbeit, all die Stunden auf Skiern, im Kraftraum, bei den Workouts, schwitzend, leidend – und dann ist alles weg. So eine Verschwendung. Ich hatte in meinem Skischuh sofort ein ungutes Gefühl, und mein Wadenbein brach. Ich werde nun operiert und auf mich wartet eine monatelange Pause“, beschreibt Muffat-Jeandet die Szenen des Sturzes und seine Gefühlslage.

Harte Worte gegen die FIS
Danach wird der Ton härter. „Ich habe in meinem Sport immer Risiken in Kauf genommen. Ich hatte Verstauchungen, Brüche, Operationen, es hätte zu jeder Zeit passieren können, überall, es hätte noch schlimmer kommen können. Aber es bringt dich zum Nachdenken, wenn du dich in einem Slalom, in dem die Nummer 19 praktisch auf Gras fährt, das erste Mal in 20 Jahren ernsthaft verletzt“, so der Franzose, der in seiner Karriere 11 Podestplätze – darunter einen Slalom-Sieg in Wengen – feierte.
„Die FIS hat nun schon eine ganze Weile die Athleten nicht richtig respektiert.“ Victor Muffat-Jeandet

„Sehr, sehr wenige Leute wissen, wie groß der tägliche Aufwand ist, damit man im Starthaus stehen kann. Auch die FIS weiß es anscheinend nicht. Sie hat nun schon eine ganze Weile die Athleten und die Leute, die drumherum sind, nicht richtig respektiert oder sich darum gekümmert. Da wäre zum Beispiel das Management des Slaloms in Zagreb (zuerst Absage, dann Warten, dann auf den nächsten Tag verschoben, dann schneit es auf die gesalzene Piste, dann geht’s los, dann wird abgebrochen). Da wäre auch der Kalender (3, 4 oder 5 Rennen in der gleichen Woche und lange Reisestrapazen für diejenigen, die keinen Jet oder Helikopter haben. Viel Spaß an dieser Stelle den jungen Skifahrern, die einmal in mehreren Disziplinen fahren wollen, es wird nicht besser)“, erklärt der Skifahrer.

Victor Muffat-Jeandet wird monatelang ausfallen. © AFP / FABRICE COFFRINI


„Da wären Regeländerungen, die man uns erst unmittelbar vor dem ersten Rennen mitgeteilt hat. Oder da wäre das Corona-Management“, so der Slalom-Fahrer, der bezüglich Corona ergänzt: „Ich respektiere die strikten Regeln in der Blase, bin aber in einem Hotel geparkt, in dem Leute von überall kommen und gehen, ohne kontrolliert zu werden – nicht einmal im Fitnessstudio.“
Neues „Kanonenfutter“ wird kommen
Muffat-Jeandet stellt in Bezug auf seine Verletzung aber auch klar: „Ich beschuldige hier niemanden, ich suche keine Verantwortlichen, ich bin nicht verbittert. Ich bin ins Rennen mit voller Überzeugung gestartet, niemand hat mich gezwungen, das zu tun. Ich mache hier lediglich eine Beobachtung, durch was wir hindurchgehen und mit was wir uns auseinandersetzen müssen. Und das immer mehr. Ich versuche nicht länger, das System zu verändern, weil es sich nie ändern wird. Die 'Show' wird weitergehen, auch mit anderen Bauern, es wird neues 'Kanonenfutter' kommen, um die multiplen Interessen, die über dem Sport stehen, zu befriedigen. Du hast das zu akzeptieren, wenn du Teil des Spiels sein willst.“

Harter Tobak, den Victor Muffat-Jeandet auf Social Media verbreitet. Mit seiner Meinung dürfte der Franzose aber nicht alleine dastehen.

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