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Matthias Mayer verlies völlig unerwartet die große Skibühne. © AFP / CHRISTOF STACHE

Das leise Ende einer besonderen Ski-Karriere

Wenn am kommenden Wochenende die Herrenrennen von Wengen über die Bühne gehen, wird der letzte Sieger der Lauberhorn-Kombination fehlen. Österreichs Ski-Star Matthias Mayer hat in Bormio einen denkwürdigen Abschied hingelegt, der noch lange nachhallen wird.

Ein Interview nach der Streckenbesichtigung gehört bei der Berichterstattung im alpinen Skiweltcup zur Routine. Die Athleten stellen sich vor die Kamera, sprechen über den Zustand der Strecke, ihr Material und ihre Erwartungen. Ähnliches tat in Bormio Matthias Mayer: „Die Piste ist gut, ich bin fit.“ Was dann folgte, hat dem Interviewer des ORF allerdings die Sprache verschlagen. Er, Mayer, habe in den letzten Tagen ein wenig nachgedacht und beschlossen, vom alpinen Skirennsport zurückzutreten (SportNews berichtete). Damit löste er im Österreichischen Skiverband einen Schock aus, niemand war vorab in diese Entscheidung eingeweiht gewesen.


In seiner Karriere war Mayer häufig für besondere Momente gut. Seit Kindestagen war sein ganzes Leben vom alpinen Skirennsport geprägt. An diesen hatte ihn sein Vater herangeführt, der einst selbst ein erfolgreicher Rennläufer war. Davon zeugen eine olympische Silbermedaille von 1988 und eine Silbermedaille der Weltmeisterschaft in Vail von 1989, die im Hause Mayer hängen. Schon der Vater, der in seiner Karriere ein Weltcuprennen gewonnen hatte, wusste sich auf die besonderen Momente hin zu steigern.

Das gilt für den Sohn umso mehr, dessen Stern bei den Olympischen Spielen in Sotchi 2014 im Alter von 23 Jahren aufging. Ohne zuvor ein Weltcuprennen gewonnen zu haben, holte sich der stets eher zurückhaltend wirkende Kärntner Olympiagold in der Abfahrt.

Matthias Mayer gewann 2014 vor Christof Innerhofer (l.) und Kjetil Jansrud (r.) sensationell Abfahrtsgold. © APA/epa / HANNIBAL HANSCHKE


„Jetzt haben wir endlich wieder einen Abfahrtsolympiasieger“, meinte dazu der damalige ÖSV-Sportdirektor Hans Pum freudenstrahlend. Bei den folgenden zwei Olympischen Spielen gewann Mayer jeweils eine Goldmedaille im Super-G. Damit erreichte er in Bezug auf olympisches Gold die Sphären eines Toni Sailer. Gold bei drei verschiedenen Winterspielen zu gewinnen war außer ihm nur der Italienerin Deborah Compagnoni und dem Norweger Kjetil Andre Aamodt gelungen. Mayers Bilanz im Weltcup ist mit 15 Siegen ebenfalls beachtlich. 2020 siegte er in der Hahnenkammabfahrt von Kitzbühel, was in Österreich einen besonderen Stellenwert hat.

Dabei war es nach einer Krankheit 2012 überhaupt fraglich gewesen, ob der Nachwuchsathlet seine Karriere fortsetzen konnte. Er verfolgte seinen Weg ohne großes Aufheben um seine Person. Das tat er auch nach einem schweren Trainingssturz in Gröden 2015, bei dem er sich mehrere Wirbelbrüche zugezogen hatte. Sein Glaube mag ihn dabei bestärkt haben, seine Ziele konsequent weiterzuverfolgen.

Tiefer Glaube und soziales Engagement

Denn Matthias Mayer ist bekennender Katholik, durchaus ungewöhnlich für einen Athleten in der heutigen Zeit. Sein Fanclub zeichnet sich durch soziales Engagement aus. Die Olympiasiege wurden jeweils nicht nur mit einem Fest, sondern auch einer Messfeier in seiner Heimatgemeinde Afritz gefeiert. „Der Olympiasieger ist im Glauben fest verwurzelt“, berichtet die Webseite der dortigen Pfarre voller Stolz. Die Familie – allen voran seine Mutter – lebt diesen Glauben durch soziales Engagement, etwa durch die Aufnahme von zwei irakischen Flüchtlingsfamilie, die sie gemeinsam mit Freunden 2015 bewerkstelligten.

Solchen Aufgaben wird sich Matthias Mayer wohl auch in Zukunft widmen. Zumindest deutet darauf seine Antwort auf die Frage des Reporters hin, was er denn nun nach seinem Karriereende machen werde: Leben.

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