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Bryce Bennett geht hart ins Gericht. © AFP / FABRICE COFFRINI

Es brodelt im US-Skiteam: „Eine Wahnvorstellung“

Bryce Bennett hat in einem langen Brief den ganzen Frust abgelassen, der sich bei ihm in den letzten Jahren angestaut hat – und hat dabei prominente Rückendeckung von Mikaela Shiffrin erhalten.

In einem dreiseitigen Schreiben, welches auf dem Portal Skiracingmedia publiziert wurde, spricht Bennett, der in seiner Karriere 88 Weltcup-Starts und zahlreiche Top-10-Platzierungen vorweisen kann, offen Probleme an. Er schützt seinen eigenen Verband, greift diejenigen an, die sagen, sie erhalten von Letzterem zu wenig Unterstützung und hebt hervor, wie schwer es ist, sich im Weltcup zu etablieren.

College als Karrierebremse
Bennett stellt zunächst klar, dass er von niemanden gezwungen wurde, den Brief zu schreiben: „Dies entspricht in keiner Weise der Position des US-Skiteams, dies ist meine Meinung“, sagt der 27-Jährige, dessen Tenor über die gesamten drei Seiten verteilt der gleiche ist.

„Als Kind war ich fest entschlossen, im Weltcup Rennen zu fahren, und nichts sollte dem im Wege stehen. Für mich bedeutete das, dass ich vorübergehend das Streben nach Bildung opfern musste. Im Skisport gibt es ein kleines Zeitfenster, um Weltcup-Erfolge zu erzielen. Also war meine beste Option zu dieser Zeit das Skifahren, und zwar nur das Skifahren“, meint Bennett. Er rate niemandem von einem College-Besuch ab und behauptet auch nicht, dass das Skifahren nach dem Abschluss unmöglich ist. Jedoch ist er Meinung, dass „wenn man aufs College geht, es man sich selbst schwerer macht“.
Die großen Unterschiede
Bennett sagt: „Schnelles Skifahren bei einem einfachen UNI-Rennen in Big Sky Montana ist nicht vergleichbar mit dem Weltcup in Adelboden. Das sind zwei völlig verschiedene Sportarten. Ich kann das nicht oft genug betonen: Wenn man glaubt, dass der Gewinn eines NorAm (das Pendant zum heimischen Europacup, Anm. d. Red.) zu einem Weltcupsieg führt, hat man Wahnvorstellungen.“

Bennett ist ein Speed-Ass. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Sean M. Haffey


Laut Bennett würden Skiclubs, Trainer, Eltern, Athleten und Fans nicht begreifen, wie schwierig Weltcuprennen tatsächlich sind. „60 Athleten, die in Weltcup-Rennen an den Start gehen, würden NorAm-Rennen dominieren“, behauptet der US-Amerikaner, der außerdem sagt, dass die Mehrheit der US-Amerikaner in Bezug auf das Material „Amateure“ seien. „Aber das ist nicht nur euer Fehler. Wenn ihr jemals die Chance habt, ein Weltcup-Rennen anzusehen, stellt euch an den Rand der Piste und sagt mir, es sei vergleichbar mit den NCAA-Meisterschaften (Uni-Rennen, Anm. d. Red.).“
Bennett nimmt Verband in Schutz
Dem Speed-Spezialisten bringen auch die ständigen Attacken in Richtung seines Verbandes auf die Palme. „Falls sie es nicht bemerkt haben: Die Basis der finanziellen Unterstützung für diesen Sport ist klein, aber das, was wir erhalten, ist unglaublich. Und die Leute, die das US Ski Team (USST) tatkräftig unterstützen, schlecht zu verkaufen, ist schlicht und einfach ignorant. Diese Attacken auf das USST müssen aufhören. Ich bin der größte Kritiker des Teams, aber ich muss der USST zugestehen: In den letzten drei Jahren hat sich in der Organisation vieles zum Besseren verändert. Sind die Dinge perfekt? Nein, aber zumindest gibt es Bewegung in eine positive Richtung.“

Viele Athleten, die das College absolviert haben und jetzt Unterstützung fordern, hätten sich freiwillig in eine schlechtere Position begeben. „Sich darüber zu beschweren hilft weder einen selber noch dem Sport, das kann ich garantieren. Wenn man so gut ist, dann muss man es beweisen, niemand hält einen davon ab, schnell Ski zu fahren, außer man selbst. Die Idee, dass jeder eine Chance verdient, ist einfach nicht wahr. 30 Leute bekommen Weltcup-Punkte, nicht 100“, ärgert sich Bennett.

Mikaela Shiffrin steht ihrem Landsmann zur Seite. © Instagram


Und weiter: „All dies mag unsensibel erscheinen, aber dies sind die Realitäten des Sports. Ich versuche ehrlich nicht, die NCAA-Athleten unter Wert zu verkaufen. Ich möchte, dass Sie Erfolg haben, mehr als alles andere, mehr als ich selbst. Ich weiß nur nicht, ob Ihnen die wahren Realitäten des Weltcup-Rennsports bewusst sind und wie schwierig es ist, aus ihrer jetzigen Position den Durchbruch zu schaffen“, betont er abschließend.

Mikaela Shiffrin unterstützt Bennett: „Gut ausgedrückt. Danke, dass du das Muster brichst, welches von Athleten geprägt ist, die ständig auf den Verband, der uns unterstützt, einschlagen. Die Anschuldigungen werden alt und helfen nicht unserem Sport.“

Autor: leo

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