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Erik Guay soll den kanadischen Skiverband in ruhigere Fahrwasser führen. © Pentaphoto

„Fühle mich betrogen“: Guay und der heikle Kader-Ausschluss

Infolge einer desaströsen Saison wurde der kanadische Speed-Spezialist Benjamin Thomsen aus jeglichen Kadern gestrichen. Sein ehemaliger Mannschaftskollege und Freund Erik Guay hat nun darauf reagiert – und die Entscheidung seines Verbandes verteidigt.

Im Herbst 2018 hat der zweifache Weltmeister Erik Guay seine erfolgreiche Karriere beendet, seither ist er im kanadischen Skiverband tätig. Er soll das zuletzt schwächelnde Team wieder dorthin bringen, wo es zu seiner aktiven Karriere noch war – nämlich in die Weltspitze. Einfach gestaltet sich diese Aufgabe jedoch keineswegs, nicht zuletzt weil der Verband finanziell arg gebeutelt ist. Auch deshalb wurden – ähnlich wie in Italien – die Teams und deren Größe reduziert. Leidtragender ist unter anderem Benjamin Thomsen, der über den aus seiner Sicht plötzlichen Ausschluss gar nicht zufrieden war.

„Ich hatte so viel Pech“
Benjamin Thomsen
„Es ist super frustrierend und ich fühle mich ein bisschen betrogen“, ärgert sich Thomsen, der allerdings gesteht, dass er „in keiner Weise in Topform war. Ich muss die Verantwortung für meine mangelnden Ergebnisse übernehmen.“ Dennoch hätte sich der 32-Jährige einen solchen drastischen Schritt nicht erwartet: „Ich hatte so viel Pech und rechnete darum nicht, dass ich unter den gegebenen Umständen nicht in die Auswahl der Trainer komme.“

Benjamin Thomsen fühlt sich ungerecht behandelt. © Pentaphoto


Die Umstände, auf die sich Thomsen bezieht, reichen bis auf die katastrophale Saison 2018/19 für das kanadische Abfahrts-Team der Herren zurück. Damals erlitt Manuel Osborne-Paradis beim Weltcup in Lake Louise eine grausame Verletzung, die den vorzeitigen Rücktritt von Guay am folgenden Tag auslöste. Doch damit nicht genug: Cheftrainer Burkhard Schaffer wurde während der angesprochenen Saison gefeuert, eine Lungenentzündung sowie ein Patellasehnenriss warfen Thomsen zurück. Und zu allem Überfluss kam ihm auch sein Servicemann aufgrund einer Verletzung abhanden. Die starken Budgetkürzungen des Verbandes taten ihr Übriges.
„An Kriterien gehalten“
Thomsens Aussagen sind bei Alpine Canada nicht auf taube Ohren gestoßen. Guay etwa verteidigte den Ausschluss seines ehemaligen Teamkollegen – auch weil damit anderen, jungen Talenten eine Chance gegeben wird. „Wir haben so viel Zeit damit verbracht, darüber zu reden“, sagte Guay. „Aber Bens Entwicklung letztes Jahr ging in die falsche Richtung und letztendlich ist er nicht unter den Top 30. Er ist in der Lage, großartige Ergebnisse zu erzielen und auf das Podium zu kommen. Aber wir mussten einige harte Entscheidungen treffen und das war sicherlich eine davon. Es ist ja nicht so, dass wir gegen ihn sind. Wir halten uns nur an harte Kriterien.“

Thomsen muss sich nun auf eigene Faust in den Kader zurückkämpfen – und hat dafür schon Geld gesammelt, denn auf die finanzielle Unterstützung des Verbandes muss er künftig verzichten.

Autor: leo

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