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Hanna Schnarf hat auch in schwierigen Zeiten ein Lächeln im Gesicht.

Hanna Schnarf: „Es ist an der Zeit, meine Zukunft zu planen“

Es ist ruhig geworden um Hanna Schnarf, Südtirols erfahrenste Athletin im Ski-Weltcup. Seit zwei Jahren hat sie kein einziges Rennen mehr bestritten – und doch ist die 35-Jährige noch ganz nah dran am Geschehen, litt diesen Winter mit ihren verletzten Ski-Kollegen mit und freute sich für Federica Brignone, als diese vor kurzem den Gesamtweltcup gewann. Gleichzeitig plant sie ihre eigene Zukunft.

Fünf Olympia-Rennen hat Hanna Schnarf bestritten, bei fünf Weltmeisterschaften stand sie am Start und nicht weniger als 189 Weltcup-Rennen hat sie in ihrer Karriere bestritten – das bis dato letzte am 15. März 2018 in Åre. Zwei Monate zuvor war sie beim Super-G in Cortina als Zweitplatzierte noch hauchdünn an ihrem ersten Sieg vorbeigeschrammt. Es schien so, als würde die damals 33-Jährige ihren zweiten Frühling erleben. Doch dann kam alles anders: Im Herbst des selben Jahres brach sie sich bei einem Trainingssturz in Nordamerika das Schien- und Wadenbein. Danach begann eine schier unendliche Leidenszeit.

„Der Weg war hart und steinig“
Schnarf über ihre Comeback-Versuche
Dabei ist es längst nicht das erste Mal, dass die Pusterer Frohnatur durch einer schweren Verletzung aus der Bahn geworfen wurde. „Damit habe ich Erfahrung“, schmunzelt Schnarf im Gespräch mit SportNews, „dieses Mal war es jedoch anders. Der Weg war besonders hart und steinig. Ich habe kraft- und athletikmäßig gut trainiert, doch sobald ich meine Übungen auf Skiern intensiviert und mehr Gas gegeben habe, hat mein Körper nicht richtig mitgespielt.“ Die Frage nach dem Karriereende kommt da reflexartig – auch für Schnarf selbst, die die vergangenen Monate viel nachgedacht hat. „Es es ist an der Zeit, meine Zukunft zu planen.“ Eine Entscheidung dürfte in Kürze bekanntgegeben werden.
„Nadia und Elena Fanchini schildern mir schreckliche Zustände“
Die Corona-Pandemie stimmt Schnarf traurig und hilflos
Die Olangerin spielt damit die Corona-Krise an, die sie durch ihre Nationalmannschaftskolleginnen noch näher miterlebt als manch andere. „Ich stehe in ständigem Kontakt mit Nadia und Elena Fanchini, die in einer der betroffensten Gegenden der Lombardei leben. Sie schildern mir schreckliche Zustände. Ich fühle mich traurig und hilflos“, so Schnarf, die einen deutlichen Appell richtet: „Bleibt zuhause, haltet euch an die Regeln! Nur so können wir verhindern, dass dieses Chaos zu uns überschwappt.“
„Sie hat es sich voll und ganz verdient“
Die Olangerin freut sich mit Federica Brignone
Das Coronavirus war auch im Ski-Weltcup ein großes Thema und hat durch den Saisonabbruch zum vorzeitigen Gesamtweltcupgewinn von Federica Brignone geführt. Schnarf hat sich für ihre Teamkollegin riesig freut: „Ich habe ihr die Daumen gedrückt, denn sie hat es sich in dieser Saison voll und ganz verdient. Sie hat sich in den schnellen Disziplinen nochmal unheimlich verbessert und ist zu einer der komplettesten Fahrerin im Feld aufgestiegen.“

2018 in Cortina schaffte es Hanna Schnarf zum zweiten und bislang letzten Mal aufs Weltcup-Podium.

Italiens Ski-Damen eilten in der zurückliegenden Weltcupsaison von Erfolg zu Erfolg, diese Serie kann jedoch nicht über den Mangel an Talenten im Ski-Nachwuchs hinwegtäuschen, speziell in Südtirol. Das weiß auch Schnarf: „Ich war in diesem Winter beim ein oder anderen Jugendrennen dabei. Da sind unvorstellbar viele Kinder am Start. Es muss unbedingt gelingen, die Absprungrate in der Kette zwischen lokalen Skiklubs, Landeskader und Nationalmannschaft zu verkleinern.“
„Ohne Domme hat im Weltcup etwas gefehlt“
Schnarf zur Verletzung von Dominik Paris
Südtirols Sportlerin des Jahres 2018 hat die vergangenen Monate unzählige Stunden auf den heimischen Skipisten verbrachten, an den Wochenenden saß sie aber zuhause gebannt vor dem Fernseher. Kaum ein Skirennen hat sie ausgelassen, wobei speziell die Männer ihre Nerven strapazierten. „Ich habe mich über das gute Abschneiden der Südtiroler gefreut, gleichzeitig aber bei den vielen Verletzungen sehr mitgelitten.“

Das frühe Saison-Aus für Paris bedauerte sie besonders, denn „ohne Domme hat dem Herren-Weltcup etwas gefehlt. Auch Simon Maurberger und Manny Mölgg hatten eine starke Form, als bei ihnen das Kreuzband riss. Bei schweren Verletzungen ist es leider häufig so: Sie passieren, wenn es besonders gut läuft und viel Euphorie in einem steckt.“ Wohl niemand anderes kann dies derart bezeugen wie Hanna Schnarf.

Autor: alexander foppa

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