
Ein Bild aus dem Jahr 2011: Sarah Schleper mit Sohn Lasse. © AFP / SAMUEL KUBANI
Mama und Sohn: Verrückte Olympia-Story führt nach Südtirol
Die Olympischen Spiele bieten zahlreiche kuriose, teils verrückte Geschichten. Eine davon schreibt eine Skifahrerin, die einst Weltcupsiegerin war – und nun mit ihrem Sohn ein einzigartiges Kunststück vollbrachte.
16. Februar 2026
Tagebuch aus Cortina d'Ampezzo

Von:
Thomas Debelyak
Um vom Curling Center in Cortina – das ist das „Herz“ des Olympia-Ortes in den Dolomiten – zum Zielraum der legendären Tofana-Piste zu gelangen, benötige ich rund 25 Minuten. Es ist eine fast schon abenteuerliche Fahrt: Jede einzelne Pferdestärke des Kleinbusses wird auf dieser steilen, schmalen und oft unebenen Straße benötigt – und dennoch ächzt das Gefährt bei jeder Kurve unter der Belastung.
Trotzdem ist diese Tour für mich immer ein Erlebnis, da ich hier mit den verschiedensten Persönlichkeiten zusammenkomme. Pressevertreter, Volunteers, Betreuer, aber auch Sportler selbst wollen sich die Ski-Rennen der Damen nicht entgehen lassen. Und so bekomme ich dieser Tage ein interessantes Gespräch zweier deutscher Athleten – ich vermute, es sind Bobfahrer – mit. „Hast du gesehen?“, sagt einer, während er durch seinen Feed am Smartphone scrollt. „Die eine Skifahrerin fährt gemeinsam mit ihrem Sohn, so etwas hat’s noch nie gegeben!“
Sarah Schleper (zweite von rechts) mit einer kleinen Mexiko-Delegation. © AFP / ALFREDO ESTRELLA
Solche Sätze lassen natürlich meine journalistischen Alarmglocken schrillen, und so startet im Pressesaal am Fuße der Tofana-Piste sofort die Recherchearbeit. Und tatsächlich werde ich schnell fündig: Die für Mexiko startende US-Amerikanerin Sarah Schleper kurvt im stolzen Alter von 46 Jahren noch über die Olympia-Strecke in Cortina runter, ihr 18-jähriger Sohnemann Lasse Gaxiola feierte im Riesentorlauf von Bormio sein Debüt auf der großen Bühne. Mutter und Sohn bei den Olympischen Winterspielen, das hat es laut der offiziellen Olympischen Webseite noch nie gegeben.
Sie war einst eine Weltcup-Größe
Die ski-affinen Leser dürften beim Namen Schleper die Ohren gespitzt haben, denn sie war mit 194 Weltcuprennen und vier Podestplätzen (ein Sieg) einst eine Größe im Weltcup. 2011 hatte Schleper ihre Karriere eigentlich für beendet erklärt. In ihrem letzten Rennen in Lienz überquerte sie die Ziellinie mit ihrem Sohnemann Lasse im Arm und sorgte so für ein Bild, das nun durch die Sportwelt geht. Bei Olympia 2026 stehen die beiden nämlich beide am Start. Schleper ist seit 2007 mit dem Mexikaner Federico Gaxiola verheiratet und hat nicht nur dessen Staatsbürgerschaft angenommen, sondern sporadisch wieder an Rennen und Großanlässen teilgenommen.Blick zurück ins Jahr 2022, als Schleper (rechts) Fahnenträgerin von Mexiko war. © AFP / MANAN VATSYAYANA
Nach dem gestrigen Riesentorlauf fange ich Schleper in der Mixed Zone ab. Sie ist zunächst etwas verärgert, da sie nach dem ersten Durchgang wegen ihrer minimal zu langen Skier disqualifiziert wurde. Doch dann hellt sich ihre Miene nach und nach auf. Sie spricht nämlich über ihren Sohn Lasse, der am Samstag sein Olympiadebüt in Bormio gab. „Ehrlich gesagt: Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, als ich das gesehen habe“, sagt die 46-Jährige. „Jetzt fahre ich nach Bormio, um ihm im Slalom zuzujubeln.“
Denise Karbon ist eine der besten Freundinnen
Das bittere Rennen endgültig vergessen ist, als ich Schleper zu ihrem besonderen Verhältnis zu Südtirol befrage. „Ex-Ski-Star Denise Karbon ist eine meiner besten Freundinnen. Überhaupt sind die Karbons wie eine zweite Familie für mich“, so Schleper. „Als ich noch im Weltcup für das US-Team fuhr, hatten sie immer ein Bett für mich bereit. Denise, ihr Bruder Pirmin und ihre Eltern Arnold und Rosmarie haben mir die Südtiroler Welt und Kultur gezeigt. Kastelruther Spatzen, Schüttelbrot, Pizza – ich habe die Zeit geliebt“, sagt die Olympia-Teilnehmerin.Denise Karbon ist eine enge Freundin von Sarah Schleper. © EPA
Schlepers Liebe zu Südtirol ging soweit, dass sie mit ihrem Mann Federico Gaxiola und den zwei Kindern – darunter auch Lasse – für insgesamt zwei Jahre in Kastelruth wohnte. „Die Kinder gingen zur Schule und in den Kindergarten, mein Mann und ich genossen diese atemberaubende Gegend“, so Schleper. So kam es auch, dass Sohn Lasse in jener Zeit für den ASC Seiser Alm auf die Rennpiste ging. „Er spricht perfektes Südtiroler Dialekt“, so die Mama, bei der übrigens auch selbst etwas „Südtirolerisch“ hängengeblieben ist. „Donkschian“, sagt sie nämlich zum Abschluss unseres Interviews.
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