
Für drei Tage zu Gast im Grödner Tal: Ski-Star Marco Odermatt mit seiner Freundin Stella, Papa Walter, seiner Schwester Alina und Mama Priska (von links). © Saslong Classic Club
Marco Odermatt und seine Familie: Wichtiger als ein Ferrari
Deftige Hüttenküche, eine Klettertour auf den Langkofel, Spaziergänge über blühende Almwiesen und entspannte Stunden am Hotelpool – was nach dem klassischen Sommerprogramm vieler Urlauber klingt, steht dieser Tage tatsächlich auf dem Plan von fünf ganz besonderen Gästen im Grödner Tal: Marco Odermatt und seiner Familie. Wir haben den Ski-Superstar für ein Exklusiv-Interview getroffen.
25. Juli 2026

Von:
Alexander Foppa
Als erfolgreichster Fahrer der Grödner Weltcuprennen im vergangenen Winter bekam Marco Odermatt einen Kurzurlaub in den Dolomiten geschenkt. Diesen löst der zurzeit weltbeste Skifahrer gerade gemeinsam mit seiner Freundin Stella, den Eltern Walter und Priska sowie seiner jüngeren Schwester Alina ein. SportNews hat sie am Sellajoch getroffen. Vor imposanter Gipfelkulisse auf der sonnigen Terrasse der Berghütte Fienile Monte sprach der beste Skirennfahrer der Gegenwart über notwendige Veränderungen im Wintersport, seine Beziehung zu Südtirol und ein Versprechen, das er den Grödnern bereits gegeben hat.
Herr Odermatt, Sie sind sonst jedes Jahr im Winter hier. Wie erleben Sie Gröden erstmals im Sommer?
„Mir gefällt es wirklich sehr gut. Die Natur ist natürlich unglaublich schön und beeindruckend. Dieses Tal hat einfach zu jeder Jahreszeit seinen ganz besonderen Reiz. Im Sommer erlebt man Gröden noch einmal von einer ganz anderen, aber genauso faszinierenden Seite.“
Die letzten Wochen sorgte die Schweiz abseits der Skipisten für Furore, nämlich im Eishockey und Fußball. Wie intensiv haben Sie die Weltmeisterschaften verfolgt?
„Ja, natürlich sehr intensiv. Die Eishockey-WM fand ja bei uns in der Schweiz statt, deshalb war ich auch einige Male live vor Ort. Und die Fußball-WM verfolgt man ohnehin immer – gerade wenn die eigene Nationalmannschaft so erfolgreich spielt.“
Ambros Hofer (rechts) vom Tourismusverein St. Ulrich übergab Marco Odermatt einen Gutschein für eine geführte Langkofel-Besteigung, die er gleich am Freitag eingelöst hat. © Saslong Classic Club
Im Skisport gilt das Schweizer Team als besonders eingeschworen. Von außen wirkt es, als wären Sie alle enge Freunde. Täuscht dieser Eindruck oder ist dieser Zusammenhalt tatsächlich einer der Schlüssel zum Erfolg?
„Nein, das ist tatsächlich so. Natürlich ist man nicht mit jedem Athleten gleich eng befreundet, aber mit sehr vielen schon. Genau daraus entsteht auch dieser starke Teamspirit.“
Nach Ihren letzten WM-Triumphen überraschten die Schweizer mit extravaganten Haarschnitten. Haben Sie sich für weitere Siege schon etwas einfallen lassen?
„Wenn wir bei der WM im Februar zu Hause in der Schweiz wieder derartige Erfolge erleben dürfen wie damals in Saalbach, dann sind wir sicherlich wieder für besondere Frisuren zu haben. Da wird uns schon was einfallen.“
„Der Sport sollte im Mittelpunkt stehen und nicht die Politik“ Odermatt über die FIS-Wahlen
In einem früheren Interview haben Sie einmal gesagt, Sie seien nicht der „Ferrari-Typ“. Was wollten Sie damit ausdrücken?
„(lacht) Habe ich das wirklich gesagt?“
Ich glaube, Sie wollten damit ausdrücken, dass Ihnen Bescheidenheit wichtiger ist als Statussymbole.
„Ja, das trifft es eigentlich ganz gut. Ich brauche keinen Ferrari oder andere Autos dieser Größenordnung. Das ist für mich einfach nicht so wichtig. Mir sind andere Dinge im Leben deutlich mehr wert.“
Sie zählten zuletzt zu den Kritikern des inzwischen abgewählten FIS-Präsidenten Johan Eliasch. Welche Änderungen erhoffen Sie sich nun für den Skisport?
„Ich hoffe vor allem, dass wieder etwas mehr Ruhe einkehrt und der Fokus auf das Wesentliche gelegt wird. Natürlich gehören Sponsoren dazu und es ist wichtig, den Skisport weiterzuentwickeln. Am Ende sollte aber wieder der Sport im Mittelpunkt stehen und nicht die Politik. In den vergangenen Jahren lief vieles nicht optimal, und auch die Zusammenarbeit innerhalb des Verbandes hat aus meiner Sicht nicht immer gut funktioniert. Ich hoffe, dass sich das künftig verbessert.“
Ihre Familie hat Sie hierher nach Gröden begleitet. Welche Rolle spielt sie während der schier endlosen Saison mit rund 25 Weltcuprennen?
„Eine sehr große. Meine Familie gibt mir Rückhalt und war von Anfang an meine wichtigste Unterstützung. Dort hat alles begonnen, deshalb ist das Verhältnis bis heute sehr eng. Während der Saison sehe ich sie leider nur selten, aber ich weiß, dass sie vor dem Fernseher mitfiebern. Auch nach all den Jahren sind sie noch ziemlich angespannt, wenn ich eine Rennstrecke hinunterfahre. Das berichten mir zumindest Freunde und Bekannte, die häufiger bei uns zu Hause vorbeischauen.“
Konkurrenten und Freunde zugleich: Dominik Paris, Marco Odermatt und Franjo Von Allmen. © APA / EXPA/ JOHANN GRODER
Welchen Draht pflegen Sie zu den Südtiroler Skifahrern? Gibt es auch fernab der Rennen Kontakt?
„Privat eher selten. Im Sommer sind wohl alle froh, wenn sie zu Hause sein können und einmal etwas Abstand vom Skisport haben. Trotzdem verbindet uns ein sehr gutes Verhältnis. Vor allem mit Dominik Paris bin ich seit vielen Jahren oft gemeinsam unterwegs. Wir starten häufig in einem ähnlichen Startnummernbereich und bewegen uns leistungsmäßig oft auf einem ähnlichen Niveau. Dadurch begegnet man sich ständig, und so ist über die Jahre eine gute Freundschaft entstanden.“
Sind Sie im Weltcup eher Konkurrenten oder Freunde?
„Während der zwei Minuten im Rennen sind wir ganz klar Konkurrenten. Das ist dem sportlichen Ehrgeiz geschuldet. Aber sobald das Rennen vorbei ist, sind wir wieder Freunde und gehen ganz normal miteinander um.“
„Irgendwann möchte ich diese Berge und Pisten als ganz gewöhnlicher Skifahrer genießen“ Odermatt über seine Liebe zu Südtirol
Was können junge Sportler von Marco Odermatt lernen – unabhängig vom Talent?
„Vor allem, Spaß an dem zu haben, was man macht. Man sollte die Dinge mit einer gewissen Lockerheit angehen und sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Und wenn man etwas macht, dann mit voller Überzeugung und vollem Einsatz.“
Sie sind jetzt 28 Jahre alt. Werden wir Sie eigentlich bei der Ski-WM 2031 in Gröden am Start sehen?
„Ich habe den Grödnern ein Versprechen gegeben, nämlich dass ich bei der Weltmeisterschaft auf jeden Fall vor Ort sein werde – ob als Aktiver oder als Tourist, das werden wir noch sehen. Die Chance, dass ich dann noch Rennen fahre, ist auf jeden Fall groß. Fest steht aber auch, und das habe ich schon mit meiner Familie besprochen: Nach meiner Karriere werden wir hierherkommen und gemeinsam die Sellaronda fahren. Bislang war ich immer nur hier, um zu arbeiten, sprich Rennen zu bestreiten. Irgendwann möchte ich diese Berge und Pisten auch einmal als ganz gewöhnlicher Skifahrer genießen.“
Zum Schluss noch eine kulinarische Frage, die einem hier förmlich auf dem Servierteller präsentiert wird: Südtiroler Hüttenkost oder doch lieber Schweizer Fondue?
„(lacht) Wenn ich mich dauerhaft entscheiden müsste, dann wohl für die Südtiroler Hüttenküche. Was einem hier bei euch aufgetischt wird, ist schon außergewöhnlich. Da fällt die Entscheidung gar nicht so schwer.“
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