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Anna Trocker im SportNews-Interview im Teamhotel der Azzurre in Sölden. © fop

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Anna Trocker im SportNews-Interview im Teamhotel der Azzurre in Sölden. © fop

Matura-Stress im Ski-Weltcup: Anna Trocker tickt anders

Heute vor einem Jahr stand Anna Trocker noch ohne Kopfsponsor da, die große Skibühne schien in weiter Ferne. Jetzt ist sie Juniorenweltmeisterin, Olympiateilnehmerin und Top-Ten-Fahrerin im Weltcup. Vor ihrem ersten Sölden-Rennen spricht die 17-Jährige aus Völs exklusiv über ihren rasanten Aufstieg, einen üblen Trainingssturz, ihre Abneigung gegenüber Social Media – und sie verrät uns, wer die Heldin ihrer Kindheit ist.

Aus Sölden

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa


Anna Trocker, Ihr erstes Weltcup-Opening, Ihr erstes Mal Sölden steht bevor. Was erwarten Sie sich?

„Ich habe keine speziellen Erwartungen, was die Ergebnisse betrifft. Sehr wohl habe ich mir aber vorgenommen, diesen Tag in vollen Zügen zu genießen und alles aufzusaugen. Ich freue mich riesig, hier an den Start gehen zu dürfen, und das auch noch vor den Augen meiner Familie.“


Sie haben also besondere Unterstützung im Zielraum?

„Ja, genau. Meine Eltern und meine Schwester werden beim Rennen am Samstag (ab 10 Uhr im SportNews-Liveticker) dabei sein, dazu einige Freunde. Ich denke, sie freuen sich auch schon auf das Rennen – natürlich auch auf die Party danach (lacht).“


Ihr Einstand in Sölden war allerdings ein schmerzhafter. Sie sind vergangene Woche im Training am Rettenbachferner schwer gestürzt. Wie schlimm war es?

„Es war eine blöde Situation. Im unteren Bereich der Rennpiste hat es mich in einer der Wellen etwas ausgehoben, und ich bin unsanft gelandet. Anfangs hat mir etwas der Kopf gebrummt, aber das hat sich rasch wieder gelegt. Ich gehe topfit in dieses Rennen, so viel steht fest.“

Anna Trocker fuhr beim Saisonfinale ihre ersten Weltcuppunkte ein – und das mit zwei Top-Ten-Platzierungen. © APA/afp / MARCO BERTORELLO

Anna Trocker fuhr beim Saisonfinale ihre ersten Weltcuppunkte ein – und das mit zwei Top-Ten-Platzierungen. © APA/afp / MARCO BERTORELLO



Vor einem Jahr waren Sölden und der Ski-Weltcup noch in weiter Ferne. Damals standen Sie sogar noch ohne Kopfsponsor da. Mittlerweile ziert das Red-Bull-Logo Ihren Helm, Sie sind fixer Bestandteil des großen Skizirkus. Müssen Sie sich manchmal kneifen, um all das zu realisieren?


„Ich würde sagen, ich lebe gerade meinen kleinen Traum. Natürlich ist vieles für mich Neuland, aber es fühlt sich gut an. Das liegt auch daran, dass wir eine super Stimmung im Team haben. Wir sind viele junge Athletinnen, helfen uns gegenseitig und haben auch abseits des Renngeschehens viel Spaß.“


Neben den jungen Wilden stehen auch gestandene Weltklasse-Athletinnen in Italiens Kader. Weltmeisterin Marta Bassino etwa, und auch Olympiasiegerin Federica Brignone soll bald wieder dazustoßen. Holen Sie sich bei ihnen den einen oder anderen Tipp?

„So viele Berührungspunkte hatte ich mit ihnen bislang noch gar nicht. Das war eher im vergangenen Jahr bei Olympia der Fall. Schon damals hat mir Fede geraten, mich aufs Sportliche zu konzentrieren, Entscheidungen selbst zu treffen und mögliche Störgeräusche aus der Öffentlichkeit gar nicht erst an mich heranzulassen.“
„Ich war auf Instagram und Co. nie besonders aktiv, auch früher schon nicht“ Anna Trocker

Ist das auch der Grund, weshalb Sie auf Ihren Social-Media-Kanälen nur selten private Einblicke geben – ganz anders als so manche Ihrer Mitstreiterinnen im Skizirkus?

„Nein, das liegt eher daran, dass mir das nicht so viel Spaß macht und ich einfach zu faul dazu bin. Ich war auf Instagram und Co. noch nie besonders aktiv, auch früher schon nicht. Dabei weiß ich, dass das mittlerweile zum Geschäft dazugehört. Ich werde mich künftig mehr dahinterklemmen, auch wegen der Sponsoren, die natürlich das Recht haben, in der Öffentlichkeit präsent zu sein.“


Seit Olympia ist medial sehr viel auf Sie eingeprasselt. Wie gehen Sie damit um?

„Ich musste erst einmal lernen, Interviews zu geben (lacht). Früher musste man höchstens bei Italienmeisterschaften vereinzelt Journalisten Rede und Antwort stehen. Im vergangenen Winter war das dann plötzlich regelmäßig der Fall. Nach guten Rennen fällt es einem natürlich leichter, die eigene Leistung in Mediengesprächen zu analysieren. Schwieriger wird es, wenn es einmal nicht läuft. Aber auch das gehört dazu. Ich versuche einfach, authentisch zu bleiben und den Fokus nicht vom Sportlichen wegzurücken.“

Anna Trocker mit ihrer  älteren Schwester Nadine (r.), die in der C-Nationalmannschaft fährt. © Archiv

Anna Trocker mit ihrer älteren Schwester Nadine (r.), die in der C-Nationalmannschaft fährt. © Archiv


Ihr Fokus gilt aktuell nicht nur dem Ski-Weltcup, sondern auch Ihrem Matura-Abschluss. Wie schwierig ist es, alles unter einen Hut zu bringen?


„Auf Reisen habe ich immer meine Schulunterlagen dabei und versuche, trainings- und rennfreie Momente zum Lernen zu nutzen. Es ist zwar nicht immer einfach, sich dabei voll zu konzentrieren, aber im Grunde gelingt mir das ganz gut. Ich muss allerdings auch betonen, dass mir die Sportoberschule in Gröden sehr entgegenkommt. Ich kann online am Unterricht teilnehmen und Tests und Prüfungen nachholen, wenn ich wieder zu Hause bin.“


Wo sehen Sie bei sich selbst noch das größte Manko?

„Meine Ungeduld auf der Piste. Die muss ich besser in den Griff bekommen. Im Grunde ist der gesamte Skirennsport aber ein Lernprozess. Ich arbeite täglich hart an mir, auch in technischer Hinsicht. Ich versuche, meinen Linksschwung zu verbessern, die Kurven nicht zu früh einzuleiten und den Körperschwerpunkt höher zu halten. Da gibt es schon noch viel zu tun.“
„Mikaela Shiffrin ist die Heldin meiner Kindheit“ Anna Trocker

Haben Sie ein großes Vorbild, bei dem Sie sich diesbezüglich etwas abschauen können?

„In unserer Nationalmannschaft ist Federica Brignone sicherlich ein absolutes Vorbild. Wie sie nach all den Rückschlägen bei Olympia zurückgekommen ist, war einfach beeindruckend. Daraus kann man auch für die eigene Karriere viel lernen. Mein großes Idol ist aber Mikaela Shiffrin.“


In Sölden stehen Sie gemeinsam mit Shiffrin am Start. Werden Sie die Gelegenheit für einen kurzen Plausch nutzen?

„Bislang hatten wir noch keinen direkten Kontakt, aber vielleicht ergibt sich ja einmal die Gelegenheit. Sie ist die Heldin meiner Kindheit, deshalb schaue ich bei ihr natürlich ganz besonders hin. Für mich geht es in Sölden allerdings darum, selbst zu performen und den Blick nicht zu sehr auf andere zu richten. Ich will hier möglichst viel mitnehmen und dann mit viel Schwung die nächsten Weltcupetappen in Angriff nehmen.“

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