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Skistar Matthias Mayer zählt zu den stärksten Speedfahrern der Welt. © AFP / CHRISTOF STACHE

Mayers Seitenhieb: „Mehr Rennen vor TV als selber gefahren“

Auch in der Saison 2020/21 wird wohl kein echter Speedfahrer den Gesamtweltcup der alpinen Ski-Herren gewinnen. Das liegt vorrangig nicht an den Akteuren, sondern am Kalender und der nicht ausgeglichenen Anzahl an Speed- und Technikrennen. Das sorgt für Ärger.

„Es war in den letzten zehn Jahren schon extrem, aber heuer ist es auf die Spitze getrieben worden“, merkte Matthias Mayer im Rahmen der Weltcuprennen in Saalbach-Hinterglemm an. In Zahlen bedeutet das, dass von bisher 29 Weltcuprennen in diesem Winter neun Slaloms waren, acht Riesentorläufe und eines ein Parallelbewerb, dem gegenüber stehen fünf Super-G und sechs Abfahrten. Es steht also 18:11. Ausständig sind noch je zwei Riesentorläufe und Slaloms, sowie drei Abfahrten und zwei Super-G. An Ende ergibt das 22:16, so alle noch geplanten Rennen stattfinden können.


Wenn Mayer also sagt, „ich bin in diesem Winter bei mehr Rennen vor dem Fernseher gesessen, als dass ich selbst gefahren bin“, dann darf das schon als kleiner Seitenhieb verstanden werden. „Wir hatten im Weltcup drei Speedrennen im Jänner und zwei im Februar. Das ist schon extrem dafür, dass wir das ganze Jahr trainieren, und dann in den Hauptmonaten eine minimalistische Rennanzahl haben.“

Kitzbühel im Jänner und Garmisch-Partenkirchen im Februar fanden statt. Die Lauberhornrennen in Wengen wurden wegen Corona abgesagt, für die zwei Abfahrten und dem Slalom wurden aber Ersatzorte gefunden. Der Torlauf ging nach Flachau, je eine Abfahrt nach Kitzbühel und Saalbach-Hinterglemm, das auch das Kvitfjell-Doppel aus Abfahrt und Super-G übernahm.

„Die Rennen gehören fair aufgeteilt.“
Matthias Mayer

Die geringe Zahl der Speedrennen ergibt sich also nicht etwa nach Absagen wegen des Wetters oder der Corona-Pandemie, denn tatsächlich ging bis jetzt kein einziges Rennen verloren. Der Grund liegt vielmehr in der ursprünglichen Planung. Und diese wird seit Jahren von der Speed-Fraktion kritisiert, weil sie die Techniker stets bevorteilt.

Als Speedfahrer hat man einen schweren Stand im Gesamtweltcup. © AFP / ANDREAS SOLARO


„Die Rennen gehören fair aufgeteilt. Sonst muss man sich überlegen, ob man dazu Gesamtweltcup sagt oder einfach Technikweltcup und Speedweltcup. Für Speedfahrer ist es unmöglich, um einen Gesamtweltcup mitzufahren“, steht für Mayer fest. Er ist im Gesamtweltcup mit 604 Punkten als bester Speedfahrer Fünfter. Es führt Alexis Pinturault (FRA/1.034) vor Marco Odermatt (SUI/824), Marco Schwarz (AUT/718) und Loic Meillard (SUI/630).
Keine Chance als echter Speedfahrer
Odermatt hat wie Pinturault auch gute Speedfähigkeiten, beiden holen die mit Abstand meisten Punkte in all ihren Disziplinen aber im Riesentorlauf. „Als reiner Speedfahrer machst du da im Gesamtweltcup keine Meter“, weiß auch Mayer, dessen RTL-Ausbeute mit sechs Punkten bescheiden ist. Um ernsthaft um die große Kugel mitfahren zu können, bräuchte der Kärntner bei der derzeitigen Rennaufteilung eine starke dritte Disziplin.

In der Vorsaison holte nach acht Triumphen in Folge für Marcel Hirscher der Norweger Aleksander Aamodt Kilde den Gesamtweltcup. Und damit ein echter Allrounder, der in Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf, Kombination und dem Parallelbewerb gute Punkte machte. Wegen des vorzeitigen Saisonabbruchs fehlten den Verfolgern Pinturault und Henrik Kristoffersen die Technikrennen in Kranjska Gora, um Boden gutzumachen. Beim Finale wäre es dann vermutlich auf einen Dreikampf um die große Kugel hinausgelaufen.

Autor: apa

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