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Der Abschied fällt diesem Ski-Ass nicht leicht. © APA / EXPA/JOHANN GRODER

Mit Herzschmerz und Seitenhieb: Bewegender Ski-Abschied

Die eigene Karriere zu beenden, das ist für jeden Skifahrer, für jeden Sportler eine schwierige Angelegenheit. Wie emotional so ein Abschied ausfallen kann, das wird am Beispiel eines Speed-Spezialisten ersichtlich, der seine Skier notgedrungen für immer in die Ecke stellen muss.

„Es war einerseits die mit Abstand schwerste Entscheidung in meinem Leben. Und rückblickend auch die einfachste und einzig richtige.“ Mit diesen Worten meldete sich Alexander Köll am Montagabend in einem emotionalen, anderthalb Word-Seiten langen Statement auf Social Media zu Wort. Der schwedische Speed-Spezialist hat seine Karriere beendet – notgedrungen, wie er schweren Herzens mitteilte.


Der Grund: 2020 war der 31-Jährige bei einem Training in Val d’Isére schwer gestürzt. Dabei zog er sich eine Nackenverletzung zu, von der er sich nie richtig erholen konnte. „Auch der Sehnerv wurde eingeklemmt und es kam zu starken Seheinschränkungen. Dadurch wird die Aktivität eines Speed-Rennfahrers, der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h unterwegs ist, ernsthaft bedrohlich, gefährlich und in der Tat rücksichtslos“, schreibt der zweifache WM-Teilnehmer und ergänzt: „Der Körper hat mir Signale gegeben, dass es nicht mehr geht.“

Von Osttirol nach Schweden
Alexander Köll hat einen bemerkenswerten Werdegang hinter sich. In Osttirol geboren, entschied er sich mit 18 Jahren für einen Nationenwechsel und ging fortan für Schweden – das Heimatland seiner Mutter – an den Start. 2015 folgte in Gröden das Weltcupdebüt, 28 weitere Einsätze in der Ski-Königsklasse kamen dazu, außerdem fünf WM-Rennen in St. Moritz und Åre. Ein 20. Platz ist das beste Ergebnis seiner Laufbahn: Im Weltcup in Beaver Creek sowie bei der WM in Åre langte es zu dieser Platzierung. Zudem wurde der Speed-Rennfahrer mehrfacher schwedischer Meister.

Alexander Köll bei seinem WM-Einsatz in Åre. © AFP / FABRICE COFFRINI


„Ich bin stolz auf meine Karriere“, sagt Köll. „Als stolzes Mitglied der schwedischen Ski-Nationalmannschaft haben wir ein konkurrenzfähiges Speed-Team zusammengestellt und aufgebaut und konnten viele junge Sportler dazu motivieren, die Skier anzuschnallen. Mein Ziel lag immer auf uns als Team, auch wenn wir gegeneinander angetreten sind“, erklärt der 31-Jährige.
Ein Seitenhieb gegen die Kritiker
Seine Abschiedsbotschaft beinhaltet auch einen polemischen Unterton. „Ich musste oft gegen starke Widerstände ankämpfen – sei es, was Verletzungen anbelangt, sei es, was Personen betrifft, die nicht an meine Fähigkeiten geglaubt haben. Das hat mich aber nie daran gehindert, meine Ziele und Träume weiter zu verfolgen. Erwähnenswert und interessant ist, dass diese Personen nicht mehr im Weltcup-Tross zu finden sind.“
„Jetzt muss ich mich nicht jedes Mal vor meiner Mutter rechtfertigen.“ Alexander Köll

Vom Skifahren ganz los wird Alexander Köll aber nicht kommen. „Skifahren bleibt meine Leidenschaft, aber ich werde in Zukunft mehr Zeit im Naturschnee verbringen als auf künstlich angelegten, eisigen, aggressiven, schattigen Rennstrecken“, meint der Österreich-Schwede, der mit einem Augenzwinkern anfügt: „Dann muss ich mich nicht nach jeder Fahrt vor meiner Mutter rechtfertigen, warum ich das mache.“

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