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Christof Wörndle mit US-Superstar Lindsey Vonn.

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Christof Wörndle mit US-Superstar Lindsey Vonn.

Nachruf | Der kochende Ski-Botschafter

Die Skiwelt trägt Trauer. Nein, es gibt keinen weiteren tragischen Unfall, bei dem ein junges Athleten-Leben ausgelöscht wurde. Aber ein ganz Großer, der seit vielen Jahren hinter den Kulissen des Skiweltcups eine stille wie extrem wertvolle Arbeit verrichtete, ist nicht mehr bei uns.

Christof Wörndle aus Eppan Berg war kein Zampano, kein Wichtigtuer und schon gar kein Angeber. In der zumeist hektischen Skiwelt bot er eine Oase der Ruhe, in der vor allem deshalb die Stars der Szene Zuflucht bei ihm suchten. Bei ihm fanden sie nicht nur einen Platz zum Abschalten, sie wurden vor allem kulinarisch verwöhnt. Christof Wörndle war seit dem Jahr 2011 bei Großanlässen wie Ski-Weltmeisterschaften oder Olympia fix dabei. Zunächst beim amerikanischen Skiteam, und seit 2013 bei der Firma Head sorgte er dafür, dass es Athleten, vor allem aber den Serviceleuten gut ging.


Nach dem Motto „Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen“ brachte er, egal wo er gerade war bei den Saison-Höhepunkten jedes Jahr im Februar, ein Stück Heimat mit. Es kamen Schlutzer, Ochsenwangelen, aber auch Lasagne, ein Teller Carbonara, und seine berühmten Schokotörtchen als Nachspeise auf den Tisch – bei ihm war nicht Sterneküche, dafür bodenständige Kost angesagt, von der niemand genug bekommen konnte. Sein Credo war zudem, dass sich die sogenannten großen Namen hinten anstellen mussten. Für ihn hatten die Leute aus der zweiten Reihe – sprich Serviceleute, Physios und Konditrainer – Vorrang. Da kam es schon vor, dass FIS-Präsident Johan Eliasch oder der ehemalige Swissski-Präsident Urs Lehmann länger auf ihr Essen warten mussten, weil die Eltern Odermatt oder jene von Atle Lie McGrath die Aufregung zwischen Lauf 1 und 2 stark spürten und sich das nur durch ein gutes Essen eindämmen ließ.

Christof Wörndle mit Peter Fill und Sofia Goggia in seiner Restaurant-Küche. © Giovanni Milazzo

Christof Wörndle mit Peter Fill und Sofia Goggia in seiner Restaurant-Küche. © Giovanni Milazzo

Legendär war der Wunsch von US-Superstar Bode Miller, Christof Wörndle als fixen Koch für sein damaliges Wohnmobil anstellen zu wollen. Miller tourte mehrere Jahre mit einem riesigen Gefährt von Weltcuport zu Weltcuport. Wörndle sagte dankend ab. „Nur“ für einen Superstar da zu sein, das war nicht sein Ding. Nicht abgesagt hat er den Wunsch von Ted und seiner Ehefrau Mia Ligety, bei deren Hochzeit im Juli 2015 in Park City (USA) für den Nachtisch zu sorgen – mit den Schokotörtchen als Highlight. Das elterliche Traditionsgasthaus „Bad Turmbach“ hat Wörndle die letzten 35 Jahre zu einer der Top-Adressen nicht nur im Überetsch ausgebaut, die Atmosphäre in seinem Garten war legendär wie einzigartig.

Ehrlich, verlässlich, diskret

Davon konnten sich auch die Fußballer der deutschen Nationalmannschaft überzeugen, die 2010 in Rungg im Trainingslager zu Gast waren. Weil die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel einen vorgesehenen Besuch beim Team kurzfristig absagen musste, wollten Kapitän Philipp Lahm & Co. den „Geist von Eppan“ beschwören. Andere, auf dem Papier viel renommiertere Restaurants waren in den wenigen Stunden der Vorlaufzeit organisatorisch überfordert, nicht so Christof: „Alles kein Problem. Eppes werrmor schun mochn, hungriger muaß koaner hoam giahn.“ So war es dann auch. Und noch mehr: Abgerundet wurde jener legendäre Abend mit einem Besuch in einem Weinkeller, sodass am nächsten Tag mehrere DFB-Spieler wegen einer „rätselhaften“ Magen-Darmverstimmung das Training auslassen mussten. Nur: Herum erzählt hat Christof Wörndle das nie. So war er eben: Direkt, klar und ehrlich in der Ansprache, verlässlich, verschwiegen, diskret und – kein Angeber.
Christof Wörndle mit dem Ehepaar Ted und Mia Ligety.

Christof Wörndle mit dem Ehepaar Ted und Mia Ligety.

Anfang August war Christof Wörndle noch hinter dem Turmbach-Herd und im -Garten unterwegs, er klagte lediglich über Schluckbeschwerden und einen müden, wohl überarbeiteten Körper. Am Montag, 3. November ist er im Alter von 59 Jahren nach einer tückischen Krebserkrankung viel zu früh verstorben. Wenigstens dürfen sich im Himmel viele Weggefährten freuen, wie Naz Lechthaler und Robert Brunner, die mit ihm mehrere Jahre den Treff der Südtiroler Skiweltcup-Buggler mitorganisierten. Aber auch all jene Engel, die gerne gut essen. Christof wird auch dort oben dafür sorgen, dass es an außergewöhnlicher Kulinarik nicht fehlt. Lebe wohl, mein Freund.

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