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Mattia Cason im Interview mit SportNews. © Privat

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Mattia Cason im Interview mit SportNews. © Privat

Neues Abenteuer nach dem (ungewollten) Ski-Rücktritt

Voriges Jahr fuhr er noch in die Top 15 des Europacups. Jetzt hat er die Seiten gewechselt und in Kanada ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen. Die Rede ist von Mattia Cason, der mit SportNews über seinen ungewollten Rücktritt, das neue Leben in Übersee und seine Träume für die Zukunft spricht.

Von:
Leo Holzknecht

Wir erreichen den 26-Jährigen an einem der seltenen Tage, an denen er sich nicht auf der Piste befindet, sondern in seinem neuen Zuhause im kanadischen Collingwood ist. Doch wie verschlug es den früheren Speed-Spezialisten aus Lajen in die 25.000-Einwohner-Stadt 110 Kilometer nordwestlich von Toronto?


Nun: Cason glühte noch bis zuletzt für den Skisport. Ans Aufhören dachte der Südtiroler nicht, obwohl er seit dem Sommer 2020 nicht mehr der Nationalmannschaft angehörte, sich alleine durchschlagen musste und für seinen Traum tief in die Tasche greifen musste. „Mindestens eine Saison wollte ich unbedingt noch weitermachen“, erzählt Cason. Schließlich kam es jedoch nicht dazu, weil er von den Verbandstrainern klar signalisiert bekam, dass er nicht mehr erwünscht ist – und das, obwohl er im Vorjahr einen starken Saisonbeginn hinlegte. Unter anderem war er in Santa Caterina als 13. zweitbester Azzurro.

Cason übt Kritik

„Ich war noch in den Top 30 der Startliste im Europacup, in den besten 100 der Welt, trotzdem wurde mir ab Februar der Startplatz verwehrt.“ Die letzte Chance, sein Können unter Beweis zu stellen, erhielt er Mitte März in Kvitfjell, wo er bei einem Super-G erneut von nur einem Landsmann geschlagen wurde. „Was mich am meisten stört, ist, dass ich keine faire Chance bekommen habe, es keine Kommunikation mit den Trainern gab. In Italien gibt es keine festen Kriterien, wie man es wieder in die Nationalmannschaft schaffen kann. Fährt man ein gutes Rennen, heißt es, es zählt nicht. Ich habe wirklich alles in diesen Sport investiert – Einsatz, Zeit und nicht zuletzt Geld. Dass man ungerecht und teils auch unfreundlich behandelt wird, ist angesichts dessen enttäuschend“, findet Cason.

Mattia Cason (rechts) ist jetzt Trainer.

Mattia Cason (rechts) ist jetzt Trainer.


Seiner Meinung nach werde ein zu großer Druck auf die Athleten ausgeübt, die so keine Zeit hätten, um sich weiterzuentwickeln. „Stattdessen hoffen die Trainer auf Supertalente, die prompt starke Ergebnisse einfahren. Das stetige Aufbauen eines Athleten finde in Italien nicht statt“, meint Cason. Nachdem er verstand, wie es um seine Ski-Karriere bestellt war, fasste er im Sommer den schwierigen Entschluss, seine aktive Laufbahn zu beenden und ein neues Abenteuer zu wagen.

Über einen gemeinsamen Freund landete er in Collingwood, der Heimat des letztjährigen Kitzbühel-Siegers James Crawford. Fernab von Südtirol startete er seine zweite Karriere – jene als Trainer. Cason betreut den Nachwuchs des Ontario-Kaders in den Kategorien U18 und U20. „Ich bin seither viel rumgekommen. Wir waren schon in Maine, in Vermont, Yukon und Südamerika“, erzählt Cason, der den Traineralltag in vollen Zügen genießt. Egal, ob er Kurse stecken, an der Technik der Jugendlichen feilen, die Läufe filmen oder Hotelbuchungen vornehmen muss – Cason ist voll im Geschäft angekommen. Sein Ziel ist es, auf der Karriereleiter kontinuierlich nach oben zu klettern, um vielleicht mal im Weltcup zu trainieren.

Wie geht es weiter?

„Aber ich hatte auch schon immer das Interesse, zu studieren. Ich weiß, dass ich das kombinieren kann. Noch bin ich aber unentschlossen, ob ich das hier oder in Italien tun will“, erzählt Cason. Zuvor stehen dem Mann aus Lajen aber noch zwei Monate als Trainer in Kanada bevor. Mit seinem ungewöhnlichen Karriereweg beweist er jedenfalls: Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere.

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