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Hinter den Kulissen des Skizirkus kochen die Emotionen hoch. © APA/afp / JOE KLAMAR

ÖSV wittert Manipulation: Streit um Olympia-Quote

Der Countdown zu den Olympischen Spielen läuft. Doch trotz des sich nähernden Großereignisses brodelt es im Alpinen Skizirkus. Der Grund ist einfach und doch komplex. Die etablierten Nationen sehen ihre Quotenplätze kurz vor der Reise nach Peking in Gefahr – und blasen nun zum Angriff.

Argentinien, Mexiko oder auch Jamaika – Nationen, die nicht gerade für ihre Erfolgsgeschichte im Skisport bekannt sind. Doch nur wenige Tage vor der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele rücken diese Exoten in den Fokus. Hinsichtlich der zu vergebenen Quotenplätze für das Großereignis sieht sich der österreichische Skiverband nämlich im Nachteil und unterstellt den kleineren Nationen kurzerhand Manipulation.


Blickt man auf die momentane Quotenliste kann mit der Schweiz nämlich nur eine Nation aus dem Vollen schöpfen (22 Starter). Während sich Österreich noch mit 19 Startern abfinden kann, fällt die Wahl des italienischen Verbandes wesentlich schwieriger aus. Mit der neuen Gender-Quote dürfen die Azzurri bei den Herren nur 7 Athleten ins Rennen schicken. Grund für diese enorme Reduzierung sind die niedrigen Anforderungen für kleinere Nationen. Und dort will nun der ÖSV ansetzen.

Das Qualifikationssystem explodiert
Seit den neuesten Änderungen markieren 160 FIS-Punkte die Mindestanforderung an eine Nation, um in den technischen Disziplinen (Slalom und Riesenslalom) an den Start gehen zu können. „Dafür muss man etwa um Rang 4.000 in der FIS-Rangliste sein“, erklärte ÖSV-Sportdirektor Toni Giger. Ein regelrechter Skandal, wenn es nach dem Österreicher geht.

Der ÖSV fürchtet um seine Quotenplätze. © APA / GEORG HOCHMUTH

Diese Änderungen hätten nämlich vor allem die kleinen Nationen motiviert, sich für die Spiele in Peking zu qualifizieren – und etwaige Schlupflöcher des FIS-Reglements auszunutzen. Demnach seien Rennen auch in Dubai ausgetragen worden, um es Läufern zu ermöglichen, die niedrige Hürde zu überspringen. Liechtenstein hat sogar zum sogenannten Exotic Nations Cup geladen, ein aus vier Riesentorläufen bestehendes Turnier. Bei einem Rennen im Jänner gingen sogar nur zehn Sportler an den Start. Solche eigenartige Aufeinandertreffen von Ski-Exoten hatten aber weitreichende Auswirkungen.
Kompromiss oder Annullierung
Innerhalb von nur drei Monaten und drei solcher Veranstaltungen konnten sich neun Männer aus exotischen Nationen für die Olympischen Spiele qualifizieren und hatten dabei etwaige Medaillenkandidaten der etablierten Verbände aus der Olympia-Verlosung gestoßen. „Normal schenken wir solchen Rennen keine erhöhte Aufmerksamkeit, aber wenn es so ist, dass ein paar der Besten daheimbleiben müssen, weil so die Basisquoten vermehrt in Anspruch genommen werden, ist das ein ernstes Thema“, unterstrich Giger weiter.
„Normal schenken wir solchen Rennen keine erhöhte Aufmerksamkeit, aber wenn es so ist, ist das ein ernstes Thema.“ Anton Giger

Seit Dienstag liege das Anliegen nun bei der FIS auf dem Tisch. Sollte den großen Nationen die Möglichkeit gegeben werden, nicht aufgebrauchte Quotenplätze aus anderen FIS-Disziplinen (z.B. Skicross) im Gegenzug verwenden zu dürfen, sei man gewillt den Kompromiss einzugehen. Anderweitig verlange man die Annullierung fragwürdiger Rennen. Wie die Entscheidung des internationalen Verbandes ausfallen wird, bleibt freilich noch abzuwarten. Am Montag soll es eine erste Annäherung der Parteien geben.

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