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Paula Moltzan hat am Samstag Geschichte geschrieben. © APA / EXPA/ JOHANN GRODER

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Paula Moltzan hat am Samstag Geschichte geschrieben. © APA / EXPA/ JOHANN GRODER

Paula Moltzan verrät: Erste Male, ein Fluch und ein Crush

Paula Moltzan hat mit ihrem Premierensieg am Samstag nicht weniger als Geschichte geschrieben. Nach ihrem Triumph im Riesenslalom von Sölden gab die US-Amerikanerin einen ganz besonderen Einblick.

Aus Sölden

Christoph Niederkofler

Von:
Christoph Niederkofler

Die Last, welche Paula Moltzan am frühen Samstagnachmittag von den Schultern gefallen war – genau lässt sich das Gewicht davon nicht beziffern. Vier Konkurrentinnen überflügelte sie im zweiten Durchgang am Rettenbachferner bei Schneefall und schlechten Sichtverhältnissen, darunter Olympiasiegerin Sara Hector und Rekordsiegerin Mikaela Shiffrin. Eine Hundertstelsekunde sollte auf dem Weg zum ersten Weltcupsieg ihrer Karriere den Ausschlag geben und die US-Amerikanerin in die Geschichte eingehen lassen.


„Irgendwie ist es schon ein märchenhaftes Ende, oder?“, ließ Moltzan in einer Medienrunde gegenüber SportNews ihre Gedanken schweifen. Im Alter von 32 Jahren, sechs Monaten und 17 Tagen schwang sie sich zur ältesten Premierensiegerin im Weltcup auf. Doch das sollte nur eines von vielen ersten Malen an diesem Tag sein.

Moltzan, Hirscher – und ein Crush auf Ligety

So avancierte Moltzan nach ihrem Materialwechsel im vergangenen Mai zur ersten Athletin, welche mit Skiern von Van Deer – dem von Marcel Hirscher gegründeten Ausrüster – an den Start ging. Logischerweise sorgte sie nun auch für den ersten Sieg einer Skirennfahrerin mit Van Deer.
„Aber ich bin ein noch größerer Fan von Ted Ligety. Das liegt vielleicht daran, dass ich Amerikanerin bin und einen Crush auf ihn hatte, als ich klein war.“ Paula Moltzan

„Wir haben quasi bei Null angefangen und eine komplette Linie für Damen entwickelt. Ich bin so stolz darauf, jetzt gerade fühlt sich das alles aber noch sehr fake an“, blickte sie auf ihre Entscheidung zurück, die durchaus mit Risiko verbunden war.

Mit Hirscher zusammenzuarbeiten sei dabei eine besondere Ehre gewesen. „Ich bin ein riesiger Fan von Marcel“, sprach sie vom achtmaligen Gesamtweltcupsieger in den höchsten Tönen, musste jedoch zugeben: „Aber ich bin ein noch größerer Fan von Ted Ligety. Das liegt vielleicht daran, dass ich Amerikanerin bin und einen Crush auf ihn hatte, als ich klein war.“ Ob Ligety immer noch ihr Schwarm sei? „Das wird er immer sein“, entgegnete Moltzan und lachte herzhaft. „Aber jetzt sind wir Freunde.“

Moltzan in einer Reihe mit Vonn und Shiffrin

In ihrem 149. Weltcup-Rennen sollte es endlich für die oberste Stufe des Podests reichen, zuvor hatte Moltzan mit zehn Podestplätzen stets kurz vor ebenjenem Meilenstein gestanden. Nun stieg sie in eine Gesellschaft auf, die nicht exklusiver und prominenter sein könnte: Mit Lindsey Vonn und Shiffrin siegten in diesem Jahrtausend nur zwei US-Amerikanerinnen im Riesenslalom, seit 2011 war dies gar nur Shiffrin allein gelungen. Dieser „Fluch“ ist nun gebrochen.

Moltzan lässt tief blicken: „Jeder hat Zweifel“

In den vergangenen Jahren war Moltzan vor allem als Slalomfahrerin bekannt, bei welcher der Knoten in den entscheidenden Momenten nicht platzen wollte. Ein Eindruck, der sich nicht zuletzt bei der Routinierin selbst einschleichen sollte. „Ich glaube, jeder hat Zweifel. Wir sind alle Menschen und gleichzeitig Sportler mit Zielen. Manchmal erreicht man diese aber nicht“, erläuterte sie.

Mit diesem Gefühl müsse man laut Moltzan aber auch spielen. „Man setzt sich große Ziele, um sich selbst ein bisschen Angst zu machen. Aber gleichzeitig motiviert einen das, noch härter zu arbeiten und weiterzumachen. Und ich bin auch nicht mehr jung. Mit 32 Jahren meinen ersten Sieg zu holen – das ist schon ziemlich außergewöhnlich.“

Noch an den Tagen zuvor habe sie einen mentalen Tiefpunkt erlebt. „Auf dem Weg zum Gletscher hatte ich einen kleinen emotionalen Zusammenbruch. Dabei ging es hauptsächlich um mich selbst, um Selbstzweifel“, ließ Moltzan tief blicken. „Ich glaube, all das hat sich diesmal noch etwas schwerer angefühlt, weil eine ganze kleine Skimarke hinter mir steht. Ich bin die einzige Frau im Team und damit auch die einzige Repräsentantin.“

Märchen-Moltzan bleibt am Boden

In diesem Moment erhielt Moltzan jedoch besondere Unterstützung. „Mein Mann ist mit mir zum Skifahren gefahren und wir haben darüber gesprochen. Er kennt mich besser als jeder andere“, unterstrich sie. „Er hat mir zunächst den Moment gelassen, in dem ich einfach ein bisschen niedergeschlagen sein durfte. Danach hat er mir erklärt, warum es in Ordnung ist, sich so zu fühlen, aber auch, weshalb ich eigentlich keinen Grund dazu habe.“

Paula Moltzan hat sich in Sölden selbst übertroffen. © APA / EXPA/ JOHANN GRODER

Paula Moltzan hat sich in Sölden selbst übertroffen. © APA / EXPA/ JOHANN GRODER


Bekanntlich wandte sich schließlich alles zum Guten, Moltzan fuhr einen furiosen Sieg ein. Doch wie feiert man einen solchen eigentlich? „Keine Ahnung, so weit bin ich gedanklich noch gar nicht. Aber ich habe ein wirklich tolles Team, mit dem man viel Spaß haben kann. Ich bin mir sicher, dass wir heute Abend etwas feiern werden“, sagte sie.

Eines stand jedoch bereits fest: Moltzan wird selbst nach dieser Krönung nicht abheben. „Ich weiß, dass es weitere Rückschläge geben wird. Ich weiß auch, dass die restliche Saison kein märchenhaftes Ende haben wird. Aber ich werde einfach konzentriert weiterarbeiten und mein Bestes geben“, blieb sie sich selbst treu – und verabschiedete sich mit Söldens strahlendstem Lächeln an diesem Tag.

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