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Petra Vhlova ist bereit für den nächsten Kampf um die Kristallkugeln. © Reusch

Petra Vlhova in Südtirol: „Das wird ein ganz harter Kampf“

Südtirol ist für Petra Vlhova längst zu einer zweiten Heimat geworden. Sie trainiert hier regelmäßig, fährt Weltcuprennen und legt im Winter immer wieder Zwischenstopps im Wipptal ein. Am Mittwoch war sie in Bozen beim Sportartikelhersteller Reusch, um an ihren neuen Rennhandschuhen zu feilen. SportNews hat die Chance genutzt, um mit dem Ski-Superstar aus der Slowakei über dessen Freizeitaktivitäten in Südtirol, über Corona-Maßnahmen und ihr Dauerduell mit Shiffrin und Brignone zu sprechen.


Petra Vhlova, welchen Bezug haben Sie zu Südtirol?

„Mein Trainer Livio Magoni lebt in Kalch bei Sterzing, deshalb bin ich regelmäßig hier. Südtirol, speziell das Wipptal, ist sehr gut gelegen, zum einen wegen der exzellenten Wetter- und Trainingsbedingungen, aber auch wegen den Distanzen zu den wichtigsten Weltcuport in den Alpen.“


Wo verbringen Sie hier am liebsten ihre Zeit abseits der Skipisten?

„Leider habe ich in Südtirol nur sehr wenig Freizeit, da wir hier in der Regel nur zwischen den einzelnen Weltcup- oder Trainingsetappen für wenige Tage Station machen. Am ehesten geht sich mal eine schnelle Tour mit dem E-Bike aus. Da kann ich richtig abschalten und den Kopf freibekommen. Wenn ich aber mehrere Tage frei haben, fahre ich in der Regel in meine Heimat um Familie und Freunde zu sehen. Wenn die Slowakei etwas näher wäre, würde ich sicherlich noch deutlich mehr Zeit verbringen. Mir gefällt die Region wirklich sehr.“

„Ich habe die Kugeln per Paket zugesendet bekommen,das war ein unwürdiger Abschluss.“

Bei der letzten Weltmeisterschaft, 2019 in Åre, fuhren Sie einen kompletten Medaillensatz ein. Mit welchen Ambitionen bereiten Sie sich auf die anstehende WM in Cortina vor?

„Ich möchte mein Abschneiden von 2018 bestätigen und vielleicht noch ein kleinwenig verbessern. Über klare Ziele zu sprechen, ist momentan aber sehr schwierig. Niemand weiß, wie die Situation gegen Ende des kommenden Winters sein wird, ob und unter welchen Bedingungen gefahren wird.“


Wie sehr schmerzt es noch, dass Sie die vergangene Saison wegen des Corona-Stopps nicht zu Ende fahren konnten und so Federica Brignone kampflos die große Kugel überlassen mussten?

„Der Gesamtweltcup war am Ende zweitrangig, vielmehr habe ich es sehr schade gefunden, den Gewinn der kleinen Kristallkugeln im Slalom und Parallelbewerb nicht mit meinem Team und meinen Fans bejubeln zu können. Ich habe die beiden Trophäen mit einem Paket zugesendet bekommen, das war ein unwürdiger Abschluss einer langen Saison. Am Ende hatte aber die Gesundheit aller Vorrang.“

Dauerrivalinnen unter sich: Mikaela Shiffrin, Federica Brignone und Petra Vlhova. © APA/afp / MIGUEL MEDINA


Die kommende Saison bahnt sich wieder ein harter Kampf um den Gesamtweltcup an. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

„Mikaela Shiffrin und Federica Brignone werden sicherlich wieder meine ärgsten Widersacherinnen sein, dazu kommt eine Handvoll weiterer Athletinnen, die dauerhaft ganz vorne mitmischen können. Das wird ein ganz harter Kampf. Ich werde die nächsten Wochen alle Hebel in Bewegung setzen, um mich nochmal zu verbessern und ganz vorne ein gehöriges Wörtchen mitreden zu können.“

„Der ganze Skisport wird unter dieser Situation leiden.“

Corona erfordert in der kommenden Saison besondere Maßnahmen. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den bevorstehenden Winter?

„Da wir in der Slowakei im April noch Skifahren konnten und ich seitdem mein Trainingsprogramm planmäßig abarbeite, wurde ich von den Corona-Maßnahmen bislang gar nicht groß eingeschränkt. Ich fühle mich richtig gut und kann es kaum erwarten, dass es losgeht. Wie die Situation während der Saison dann sein wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum sagen. Darüber will ich mir jetzt auch gar nicht den Kopf zerbrechen.“


Wie groß wäre der Verlust für den Skirennsport, wenn ein Großteil der Rennen ohne Zuschauer ausgetragen werden müsste?

„Ich bin noch nie ohne Zuschauer gefahren, das wird sicherlich ganz seltsam. Zwar können uns Millionen an den TV-Bildschirmen verfolgen, ich kann auch auf meinen Social-Media-Kanälen mit meinen Fans Kontakt halten, doch der Lärm, die Anfeuerungsrufe am Pistenrand werden sicherlich fehlen. Das wird für uns kein einfaches Jahr, ja der ganze Skisport wird unter dieser Situation leiden.“



Fragen: Alexander Foppa

Autor: fop

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