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So lächelt ein Champion: Federica Brignone holte Doppel-Gold. © APA/afp / MARCO BERTORELLO

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So lächelt ein Champion: Federica Brignone holte Doppel-Gold. © APA/afp / MARCO BERTORELLO

Private Träume und die Zukunft: Brignone öffnet ihr Herz

Nach ihren heldenhaften Gold-Shows bei den Olympischen Spielen hat Federica Brignone gestern noch einmal ausführlich zur Presse gesprochen – und gleichzeitig mit Rücktrittsgerüchten aufgeräumt.

Aus Cortina d'Ampezzo

Thomas Debelyak

Von:
Thomas Debelyak

„Pressekonferenz Brignone, morgen um 10.30 Uhr in der Casa Italia“, sagte FISI-Pressesprecher Andrea Facchinetti am Sonntag in der Mixed Zone der Olimpia delle Tofana vor der versammelten Journalistenschar. Und sorgte mit diesen paar Wortfetzen dafür, dass die Köpfe der Schreiberlinge zu rauchen begannen. Eine eigens einberufene Pressekonferenz nach ihrem Doppel-Gold – das klang schon etwas verdächtig. Und so fragten sich nicht wenige: „Will Brignone jetzt ihre Karriere beenden?“


Montag, 10.32 Uhr. Der Pressesaal der Casa Italia platzt aus allen Nähten. Nicht nur italienische, sondern auch einige internationale Reporter sind gekommen. Auf der Leinwand ist eine riesige Grafik eingeblendet, auf der „Grazie Tigre“, also „Danke Tiger“ geschrieben steht. Der Tiger ist Brignones Markenzeichen, das sie auch auf ihrem Helm trägt. Von draußen versuchen zahlreiche Schaulustige und Fans, durch die großen Glasscheiben einen Blick auf Brignone zu erhaschen, die wie ein Popstar in den Saal begleitet wird und auf dem Podest Platz nimmt.

„Was ist in den letzten Tagen bitte passiert?“ Federica Brignone

Doch schnell wird klar: Dies ist keine Abschieds-PK von Brignone. Vielmehr lässt die 35-Jährige die letzten Tage noch einmal Revue passieren und gibt gleichzeitig einen Einblick in ihr Seelenleben. „Als ich heute aufgewacht bin, fragte ich mich: Was ist in diesen Tagen nur passiert?“, so eine immer noch etwas ungläubige Brignone.

Brignone war gerührt. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO

Brignone war gerührt. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO


Eine Goldmedaille im Super-G, eine Goldmedaille im Riesentorlauf, ihre ersten Olympiasiege der Karriere – und das alles praktisch ohne Rennpraxis. Denn die Azzurra war nach ihrer Horrorverletzung im vergangenen April erst Ende Jänner in den Weltcup zurückgekehrt. Hier die wichtigsten Themen, die Brignone auf der Pressekonferenz ansprach.

Die Party nach Riesentorlauf-Gold

„Ich wollte gestern (Sonntag, Anm. d. Red.) eigentlich noch ins Österreich-Haus gehen, so wie nach meiner Goldmedaille im Super-G. Doch ich habe mich schlussendlich dagegen entschieden und bin im Hotel mit meiner Familie geblieben. Es war ein enorm langer Interview-Tag, und im Österreich-Haus wären wieder viele Foto- und Interviewtermine angestanden. Ich brauchte einfach etwas Ruhe.“

Brignone nach ihrer schweren Verletzung und mit der Goldmedaille. © ANSA / Instagram / ANSA

Brignone nach ihrer schweren Verletzung und mit der Goldmedaille. © ANSA / Instagram / ANSA

Die brutale Verletzung vor zehn Monaten

„Mein Glück war es, dass ich vom ersten Moment an akzeptiert habe, was passiert ist, und versucht habe, positiv nach vorne zu blicken. Gleich nach dem Sturz habe ich gesagt: Es ist nicht so schlimm. Klar, danach sah ich die Bilder, und es war ein Desaster. Dennoch war ich immer positiv. Wäre mir so etwas vor zehn Jahren passiert, würde ich heute nicht hier sitzen.“

Ihre sportliche Zukunft

„Ich schaue jetzt Tag für Tag. Zunächst steht ein Checkup im JMedical (Reha-Zentrum von Juventus, Anm. d. Red.) an, da wird sich zeigen, wie viele Chancen es gibt, dass ich in dieser Saison noch Rennen bestreiten kann. Ich würde die Saison gerne fortsetzen, weil ich so täglich viele Stunden trainieren kann und es meinem Bein dadurch besser geht. Ich habe immer noch Schmerzen, und davon bin ich stuff. Ich will auch keine Schmerzmittel mehr nehmen. Deshalb schauen, was die Ärzte sagen.“

Brignone will weitermachen. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI

Brignone will weitermachen. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI

Private Träume

„Ich lebe im hier und jetzt. Einer meiner großen Träume ist es aber, irgendwann eine Reise zu machen, und zwar so lange ich will. Ansonsten möchte ich mein Leben so weiterleben wie bisher. In meiner Heimat im Aostatal behandeln mich die Leute wie die Federica, ich gehe auf Dorffeste, mit meinen Freundinnen ins Cafe. Ich hoffe, daran ändert sich nichts.“

Die schlimme Verletzung von Lindsey Vonn

„Es hat mir sehr leid getan, denn ich weiß, was es heißt, sich so schwer zu verletzen. Auf ihrem Weg zurück in den Weltcup hat sie wirklich riesigen Mut bewiesen. Und ich denke, es ist besser, zu scheitern, als es gar nicht zu probieren. Die Verletzungen gehören leider zum Ski-Sport dazu. Die große Herausforderung ist es, diese Angst zu bewältigen.“

Der enorme Hype, den es um ihre Person gibt

„Die schönste Sache am Sonntag wäre gewesen: Zieleinfahrt, ein schnelles Interview und dann weg aus dem Stadion, um mit meiner Familie feiern zu können. Es ist einfach so: Wenn du einen solchen Sieg erringst, dann feierst du nicht für dich selbst. Da ist einfach eine Welle über mich hereingebrochen, mit Interviews, Fotos und so weiter. Ich muss zugeben: Das ist eine Sache, die mir mit Fortdauer der Karriere immer mehr zu schaffen macht. Ich will mit dem Skifahren nicht aufhören, aber diese Sache wäre ein Grund, sofort zu sagen: Ich höre auf, steige in den nächsten Flieger und bin ganz weit weg.“

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