S+
Anna Trocker (links) ist überglücklich, Nicol Delago freut sich mit. © FELICE CALABRO' / Felice Calabro'

L Ski Alpin

Anna Trocker (links) ist überglücklich, Nicol Delago freut sich mit. © FELICE CALABRO' / Felice Calabro'

Schneller als Shiffrin: Anna Trocker strahlt bei Olympia-Debüt

Diesen Tag wird Anna Trocker so schnell nicht mehr vergessen. Am Dienstag gab die 17-jährige Technikspezialistin aus Völs in Cortina d'Ampezzo ihr Olympia-Debüt – und sorgte prompt für Aufsehen.

Aus Cortina d'Ampezzo

Thomas Debelyak

Von:
Thomas Debelyak

Eine dichte Wolkendecke lag am Dienstagnachmittag über den majestätischen Ampezzaner Dolomiten, ja verschluckte sogar den einen oder anderen Gipfel. Die Sonne zeigte sich also nur spärlich. Dafür strahlte im erneut stimmungsvollen Zielstadion jemand umso heller. Es war Anna Trocker, die 17-jährige Völserin, die ein denkwürdiges Olympia-Debüt erlebte.


Trocker, die in den vergangenen Wochen aus dem Nichts im Eiltempo in den Weltcup vorgestoßen ist, bestritt an der Seite von Nicol Delago die Teamkombination. Die routinierte Grödnerin hatte die Abfahrt am Vormittag auf Rang 10 abgeschlossen, am Nachmittag kam der Slalomauftritt von Trocker. Und die Teenagerin schlug sich mehr als wacker: Sie fuhr von Beginn an mutig auf Angriff, hielt sich mit einigen starken Manövern im Kurs und schloss das Rennen schließlich auf Rang 10 ab.

0,19 Sekunden schneller als Shiffrin

Die Kirsche auf der Torte: Trocker stellte die 14.-beste Laufzeit auf und war damit um 19 Hundertstelsekunden schneller als eine gewisse Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin, die 108-fache Weltcupsiegerin, erlebte ihrerseits einen völlig verkorksten Olympia-Start, warf die Halbzeitführung von Breezy Johnson weg und wurde am Ende Vierte. „Das ist schon verrückt“, meint Trocker. „Mein großes Vorbild war immer Mikaela Shiffrin. Nun stehe ich bei Olympia neben ihr am Start. Ich habe sie bei der Pistenbesichtigung stets ein wenig beobachtet.“

Anna Trocker in Aktion. © ANSA / ANDREA SOLERO

Anna Trocker in Aktion. © ANSA / ANDREA SOLERO


Im Gegensatz zur besten Skifahrerin der Gegenwart war die Freude bei Trocker nach dem gelungenen Debüt riesig. „Es ist so cool, hier zu sein. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Winterspiele bestreiten darf. Am Start war ich ein bisschen nervös, ich wollte Nicols gute Zeit nicht verhauen. Am Ende habe ich es zum Glück geschafft“, so Trocker, die in der Mixed-Zone auch souverän die vielen Fragen der italienischen Reporter beantwortete.

Sogar Oma und Opa sind hier

Immer wieder drehte sich die 17-Jährige auch in Richtung Tribüne um, wo ihre Familie voller Stolz runterwinkte. „Meine Eltern Manuela (Mair, Ex-Weltcupfahrerin, Anm. d. Red.) und Egon sind hier, genauso wie meine ältere Schwester Nadine mit ihrem Freund und meine jüngere Schwester Julia. Oma und Opa fieberten irgendwo neben der Strecke mit“, so die Oberschülerin der WFO Raetia in St. Ulrich.
„Ich bin erstaunt, wie schnell das alles ging.“ Anna Trocker

Trocker hat in den vergangenen Wochen eine turbulente Zeit erlebt. Mit starken Ergebnissen im Nor-Am-Cup – das ist das amerikanische Pendant des Europacups – machte sie auf sich aufmerksam und wurde gemeinsam mit der 16-jährigen Neapolitanerin Giada D’Antonio kurz vor Jahreswechsel erstmals in den Weltcup berufen. Vor zwei Wochen, nach dem Weltcup in Spindlermühle, erfuhr Trocker, dass sie zu Olympia darf. Neben der Team-Kombi wird sie auch noch den Slalom am Mittwoch bestreiten. „Ich bin echt erstaunt, wie schnell das alles ging“, so Trocker.

Lob von Nicol Delago

Als die Teenagerin ins Ziel kam, wurde sie sofort von Teamkollegin Nicol Delago in die Arme genommen. Die Grödnerin zeigte sich von Trocker begeistert. „Ich habe sie die Tage kennengelernt und bin sehr froh, dass ich mit ihr fahren darf. Sie erinnert mich ein bisschen an mich, als ich so jung in die Mannschaft gekommen bin.“ Für Nicol sind die Olympischen Spiele nun zu Ende, ihr Fazit: „Von den Resultaten war es nicht das, was ich mir gewünscht hätte. Das Gefühl war dagegen ganz gut.“

Trocker und Delago freuen sich gemeinsam. © ANSA / ANDREA SOLERO

Trocker und Delago freuen sich gemeinsam. © ANSA / ANDREA SOLERO


Nicols jüngere Schwester Nadia hatte sich am Montag in der internen Qualifikation gegen Elena Curtoni durchgesetzt und absolvierte somit ihr erstes und einziges Olympiarennen. Ihren Lauf beendete sie auf Rang 20. „Eigentlich hätte ich mir mehr erwartet. Es war schön zu fahren, die Sicht war gut, aber ich war etwas zu passiv. Das ist schade“, so die Grödnerin, die im Endranking nicht gelistet wird, weil ihre Teamkollegin Giada D’Antonio im Slalom ausgeschieden ist.

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben. Aktivierungslink erneut senden
Vervollständigen sie Ihre Profil-Angaben, um Kommentare zu schreiben.
Profil bearbeiten

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2026 First Avenue GmbH