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Mikaela Shiffrin wurde von ihrem Emotionen übermannt. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO

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Mikaela Shiffrin wurde von ihrem Emotionen übermannt. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO

Shiffrin kämpft mit den Tränen: „Er konnte es nicht sehen“

Mit den Olympischen Spielen war Mikaela Shiffrin zuletzt nicht besonders gut befreundet. Doch am Mittwoch hat sich das mit der Goldmedaille im Slalom geändert. Danach wurde es emotional.

Aus Cortina d'Ampezzo

Thomas Debelyak

Von:
Thomas Debelyak

Es war kein ausgelassener Jubel. Keine Siegerfaust, die in den Himmel ragte. Kein ekstatischer Schrei. Nein, als Mikaela Shiffrin am Mittwoch am Fuße der Olimpia delle Tofane die Ziellinie überquerte und ihr Olympiasieg im Slalom Realität war, kehrte die beste Skifahrerin aller Zeiten in sich. Sie starrte ungläubig auf die Anzeigetafel, sank in die Hocke, dann ganz auf die Skier, sie zog ihre Knie wie ein Embryo an die Brust. Wäre da der riesige Jubel auf der Tribüne nicht gewesen, man hätte auch meinen können, Shiffrin hätte gerade die größte Niederlage ihrer Karriere erlebt.


Doch in Wahrheit musste die 30-jährige US-Amerikanerin in diesen Sekunden irgendwie ihre Emotionen in Schach halten. Endlich war sie da, die Olympische Medaille, auf die sie seit sage und schreibe acht Jahren gewartet hatte. Die beste Skifahrerin der Welt holte sich letztmals 2018 ein Olympisches Edelmetall ab.

Shiffrin feierte ihre Goldmedaille ganz leise. © APA/afp / TIZIANA FABI

Shiffrin feierte ihre Goldmedaille ganz leise. © APA/afp / TIZIANA FABI


Es folgte im Februar 2022 das Drama von Peking (keine Medaille in sechs Rennen) und das zunächst schwierige Unterfangen in Cortina, wo Shiffrin zunächst ebenfalls ohne Zählbares geblieben ist. Doch im Slalom, in jener Disziplin, in der sie 71 ihrer 108 Weltcupsiege errungen hat, war die Star-Skifahrerin dieses Mal in einer eigenen Liga.
„Mein Dad konnte diesen Sieg heute nicht sehen.“ Mikaela Shiffrin

Als Shiffrin ihre ersehnte Goldmedaille um den Hals gehängt bekam, kämpfte sie mit den Tränen. Genauso wie wenig später auf der Pressekonferenz. „Ich habe an die Leute gedacht, die heute hier sind. Und ich habe an die Leute gedacht, die nicht hier sind. Mein Dad konnte diesen Sieg heute nicht sehen“, stammelte die nun dreifache Olympiasiegerin.

Tragischer Unfall riss Shiffrins Papa aus dem Leben

Shiffrins Vater Jeff war im Frühjahr 2020 bei einem Haushaltsunfall unerwartet ums Leben gekommen, wodurch die Welt seiner Mikaela aus den Angeln gehoben wurde. Mittlerweile sind zwar sechs Jahre vergangen, doch die Wunden sind bei Shiffrin nach wie vor tief.

Mikaela Shiffrin holte die Goldmedaille. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO

Mikaela Shiffrin holte die Goldmedaille. © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO


„Dieser Sieg war ein Moment, von dem ich geträumt habe. Es war aber auch ein Moment, vor dem ich Angst hatte. Es war nämlich mein erster Olympiasieg ohne meinen Vater. Wenn du jemand Wichtiges in deinem Leben verlierst, dann ist alles, was du danach machst, eine neue Erfahrung“, so eine emotionale Shiffrin.

Tiefe Einblicke in die Seele

Die beste Skifahrerin aller Zeiten gewährte Einblick in ihre Gefühlswelt. „Ich habe nicht dieses spirituelle Gefühl, von dem viele sprechen. Viele sagen, sie spüren die Präsenz ihres geliebten Menschen – ich nicht. Ich denke ständig an meinen Dad, so fühle ich mich mit ihm verbunden. Aber manchmal bin ich neidisch auf Menschen, die sagen: 'Er ist hier bei mir, er trägt mich durch diesen Tag.' Da denke ich mir: Warum kannst du das fühlen und ich nicht?“

Immer wieder musste sich Shiffrin bei diesen Aussagen Pausen nehmen, immer wieder wurden ihre Augen leicht wässrig. Es war nicht nur ein Sieg auf der Piste, es war auch ein Sieg der Emotionen. „Ich danke einfach allen, die mit mir diesen Weg gegangen sind. Allen voran meinem Team, meiner Mama, meinem Bruder und meiner Schwägerin, die ein Baby erwartet. Und natürlich meinem Freund Aleks (Aamodt Kilde, Anm. d. Red.), der heute nicht hier sein kann, mit dem ich aber dennoch Tag und Nacht rede. Danke für alles.“

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