
Mikaela Shiffrin hat zum sechsten Mal in ihrer Karriere den Gesamtweltcup gewonnen. © ANSA / Cornelius Poppe
Shiffrin öffnet sich: „Es war schon etwas beängstigend“
Mikaela Shiffrin hat in der zurückliegenden Saison wieder einmal Geschichte geschrieben – und gezeigt, dass man für die größten Erfolge zuerst den Kampf gegen sich selbst gewinnen muss.
05. April 2026
Von: nie
Drei olympische Goldmedaillen, acht WM-Titel, 110 Weltcupsiege, sechs große und zwölf kleine Kristallkugeln – die Karriere von Mikaela Shiffrin sucht ihresgleichen. Doch gerade die jüngsten Jahre offenbarten, dass selbst einer Jahrhundertathletin historische Höhenflüge alles andere als leicht von der Hand gehen. Der Tod ihres Vaters Jeff im Februar 2020 warf sie aus der Bahn, der schwere Sturz beim Riesenslalom von Killington im Jänner 2025 löste bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung aus. Doch Shiffrin raffte sich jedes Mal wieder auf und schlug zurück – dank ihrer mentalen Stärke.
Die Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo stellten dennoch eine besondere Herausforderung dar: Der Druck von außen war enorm, die „Schmach“ der Winterspiele von Peking wollte sie hinter sich lassen. Das war jedoch nur mit Gold im Slalom möglich – alles andere wäre einer Niederlage gleichgekommen. „Man kann sich nie auf die Narrative vorbereiten, die über einen verbreitet werden“, meinte Shiffrin nun in einem Interview mit Women's Health Magazine dazu.
„Einer der schwierigsten Momente war in meinem Hotelzimmer, als ich damit gerungen habe, wie ich meine Lebensgeschichte und meinen Weg den Menschen näherbringen kann.“ Mikaela Shiffrin
Zu den Allerbesten einer Sportart zu gehören – damit geht ein gewisser Druck einher. Shiffrin mag dahingehend noch einmal etwas verletzlicher sein als andere Athletinnen, immerhin teilt sie in den Sozialen Medien viele Einblicke in ihr Leben und spricht offen über ihre Gefühlswelt und mentale Hürden. In Cortina war dies nicht anders. „Einer der schwierigsten Momente war in meinem Hotelzimmer, als ich damit gerungen habe, wie ich meine Lebensgeschichte und meinen Weg den Menschen näherbringen kann. Irgendwann dachte ich aber: Du musst es einfach loslassen und deine Arbeit machen, denn du kannst diese Kämpfe nicht mit allen gleichzeitig austragen.“
Shiffrin und ein ungewöhnlicher Zug
Doch für solche Momente, in welchen sich Verantwortung, Vorbildfunktion und der unglaubliche Erfolgsdruck zu einer gewaltigen Belastung vermischen, hatte Shiffrin vorgesorgt. „Etwas Riskantes in dieser Saison war tatsächlich, meinen Psychologen in mein Team aus Trainern und Betreuern zu integrieren“, merkte sie an. „Meine Hoffnung war, dass wir dadurch wirklich auf einer Linie sind und als Einheit in unsere Herausforderungen starten.“Allein die olympische Goldmedaille im Slalom unterstreicht: Auf ihre mentale Stärke konnte sich Shiffrin im zurückliegenden Winter definitiv verlassen. „Es hat sich extrem ausgezahlt“, zeigte sie sich äußerst zufrieden, räumte jedoch ein: „Aber es war auch ein bisschen beängstigend, sich gegenüber den Menschen, mit denen man arbeitet, so verletzlich zu zeigen. Wollen meine Trainer wirklich hören, was in meinem Inneren vorgeht? Aber am Ende war es hilfreich.“
Mikaela Shiffrin strahlt nach ihrer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. © APA / HANS KLAUS TECHT
Den Schutzwall, welchen sie über Jahre hinweg aufgebaut und hinter dem sie sich versteckt hatte, musste sie loswerden. Nur so konnte sie sich richtig öffnen und lernen, bestimmte (belastende) Themen klar voneinander zu trennen. „Am Ende war es ein sehr wichtiger Baustein, alle daran teilhaben zu lassen, was in mir vorgeht und was in meinem Kopf passiert, um sich wirklich verbunden und als Einheit zu fühlen“, resümierte sie.
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