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Bilder vom Ski-Weltcup in Sölden: Eine Mitarbeiterin in einem „Labor Truck“ bei einem Corona-Test. © APA / EXPA/JOHANN GRODER

Sigi`s Spitzen: Slalom gegen Covid-19

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute wirft er einen Blick auf den Ski-Weltcup in Corona-Zeiten.

… und plötzlich ist er da, der Winter. Zwar noch nicht kalendarisch aber terminlich. Das erste Skirennen steht schon wieder ins Haus. Schön, dass uns die Natur noch flott eine Kaltfront geschickt hat, um uns auf die ungemütliche Jahreszeit einzustellen. Die warmen Jacken sind jetzt griffbereit, die dazugehörigen Schuhe stehen parat. Es kann losgehen. Stapfen wir also noch etwas unsicher hinein in ein neues Abenteuer. Denn ein solches erwartet uns. Corona nämlich ist allgegenwärtig.

Wenn die ersten Schwünge auf dem Gletscherkurs in Sölden in den Schnee gezeichnet worden sind, gibt es vermutlich erst einmal vorsichtige Entwarnung. Hoffentlich. Dann wissen wir: Es wird ihn also geben, den alpinen Skiwinter und mit ihm wohl auch die meisten anderen winterlichen Sportarten. Doch sicher ist dies keineswegs. In Südtirol wurde der Slopestyle-Wettbewerb auf der Seiser Alm, längst ein Klassiker, abgesagt und auch der Skicross-Wettkampf in Innichen ist bereits gestrichen. Deshalb haben die beiden Riesenslaloms am Wochenende am Rettenbach-Ferner in jeder Beziehung eine ungeheure Signalwirkung. Sicherheit, Hygiene, Abstandsregeln (bloß nicht zu viel zur Bestzeit): Alles steht auf dem Prüfstand, denn nach dem Corona-Hotspot Ischgl im letzten Winter weiß jeder Nordtiroler und vielleicht sogar jeder Österreicher, dass nichts, aber auch gar nichts, schiefgehen darf. Gesund ankommen lautet die Devise. Und auch wieder abreisen. Das gilt für alle.
Sölden ist nur ein Testlauf für alles
Und der Sport? Ach ja. Seien wir ehrlich. Jetzt Mitte Oktober ist das einfach nur ein Test nach einer für alle ziemlich schwierigen Vorbereitung, weil nichts so war wie in den letzten Jahren. Nervig war vor allem die Suche nach guten Trainingsbedingungen in Corona-Zeiten. Und es wird auch nichts mehr so sein wie gewohnt. Wir müssen uns auf viel Neues einstellen. Vom Ablauf her aber auch von den sportlichen Erwartungen. Natürlich hofft man in Südtirol auf Dominik Paris und wer weiß, vielleicht bringt ja Manfred Mölgg mal zwei richtig gute Läufe ins Ziel. Und wie im Skisport üblich, wird auch die internationale Elite mit Interesse verfolgt. Aber Stars wie Marcel Hirscher, Felix Neureuther oder Lindsey Vonn, die auch abseits der Piste eine gute Figur machten, fehlen. Der Glamourfaktor ist auf der nach oben offenen Richterskala noch nicht auszumachen.
Schwierige Zeiten kommen auf alle zu
Es kommen, schwierige, wenn nicht gar düstere Zeiten auf die Ski-Elite und deren großen Verband, den Internationalen Ski-Verband (FIS) zu. Keine Rennen in Übersee, ein neuer Kalender, plötzlich doch weniger Parallelrennen, die auf einmal eine besondere Bedeutung erhalten sollten trotz intensiver Proteste der Athleten. Eine Blase, wie sie bei Hallensportarten (Basketball oder Volleyball) gegeben hat, ist so nicht umsetzbar im Skisport. Techniker, Athleten, Trainer, Physiotherapeuten, Streckenposten, Startrichter, Liftpersonal und Medien. Es ist eine ganze Armada, die sich da plötzlich in einem Ort und an einem Berg, an einem Hang sogar, wiederfindet. Man sollte sich eigentlich aus dem Weg gehen und muss doch zusammenstehen. Es ist fast so, als müsse das Rad neu erfunden werden. Natürlich muss man auf Zuschauer verzichten, zumal überall die Infektionszahlen steigen.
Eine Zäsur ist unerlässlich
Jeder Sport, auch der alpine Skisport natürlich, erlebt jetzt eine Zäsur, einen tiefen Einschnitt. Das Überleben, auch finanziell, ist schwieriger geworden, weil die Winter-Sponsoren und auch die Skifirmen jeden Cent umdrehen. Aktive, Verbände und Fans. Alle, die involviert sein wollen, werden lernen müssen, dass auch Bescheidenheit eine Tugend sein kann. Nach Jahren stetigen Wachstums ist dies aber auch eine Chance zur Zukunftssicherung. Das Virus weist uns jetzt den Weg. Auch zwischen den Slalomtoren.

Autor: sigi heinrich

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