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Dominik Paris ist fokussiert, aber locker. © APA/afp / FABRICE COFFRINI

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Dominik Paris ist fokussiert, aber locker. © APA/afp / FABRICE COFFRINI

So gut gelaunt wie nie bei Olympia

Er ist der König von Bormio. Sieben Mal konnte er auf der legendären Stelvio schon triumphieren, sechs Mal in der Abfahrt. Hier gewann er 2012 sein erstes Weltcup-Rennen. Dominik Paris brennt auf die Olympia-Abfahrt am Samstag. Eine Medaille bei den Spielen fehlt dem 36-jährigen Ultner noch. In Bormio kann sich der Kreis schließen.

Von Alex Raffeiner, Bormio


Bestens gelaunt präsentierte sich Paris nach dem dritten Abfahrtstraining. Er lachte und scherzte. So fröhlich hatte man ihn bei Olympia noch nie erlebt. „Ich habe nichts mehr zu verlieren, ich kann nur gewinnen“, meinte das Ultner Kraftpaket mit einem Lächeln. „Beweisen muss ich nur mir etwas.“

Für Paris sind es die fünften Winterspiele. In Pyeongchang 2018 wurde er in der Abfahrt Vierter, vor vier Jahren in Peking Sechster. Der erfolgreichste Speed-Fahrer der „Azzurri“ aller Zeiten hat also mit Olympia noch eine Rechnung offen. „Das Ziel ist natürlich klar“, meinte Paris mit Blick auf ein Edelmetall, das seine grandiose Karriere krönen kann. „Wir werden sehen, wie es im Rennen läuft.“ Anders als seine Teamkollegen Florian Schieder, Giovanni Franzoni und Mattia Casse sowie Christof Innerhofer, der am Samstag erwartungsgemäß in der Abfahrt nicht am Start ist, zumal es nur vier Startplätze pro Disziplin gibt, absolvierte Paris auch das dritte Abfahrtstraining. „Ich wollte den oberen Teil noch einmal fahren, um in einigen Passagen noch mehr Sicherheit zu haben. Außerdem ist es gut in meinem Alter, wenn man in Bewegung bleibt“, schmunzelte der Ultner, der dann ab der Hälfte praktisch aufrecht runter kam und es sich nicht nehmen ließ, auch die Pistenarbeiter zu grüßen. „Diese Leute arbeiten seit Tagen daran, dass die Piste für uns Fahrer in einem perfekten Zustand ist“, betonte Paris, der beim Interview mit den Pressevertretern das Tape von seinem Knöchel entfernte, aber gleich beruhigte. „Meinem Knöchel geht es gut. Er macht mir bei der Fahrt überhaupt keine Schwierigkeiten. Da gibt es für mich sicher keine Entschuldigung“, sagte Paris. „Die Pistenverhältnisse sind ideal. Aufgrund der Feuchtigkeit ist der Schnee weicher, aber das passt schon. Das diffuse Licht könnte eventuell dem einen oder anderen Fahrer Probleme bereiten, mir gewiss auch. Dann muss ich die Strecke halt blind fahren“, meinte der Routinier mit einem Augenzwinkern.

Das Kraftpaket aus Ulten ist einer der Favoriten bei der Olympia-Abfahrt. © APA/afp / FABRICE COFFRINI

Das Kraftpaket aus Ulten ist einer der Favoriten bei der Olympia-Abfahrt. © APA/afp / FABRICE COFFRINI

In seinem Wohnzimmer Bormio würde er vermutlich auch das schaffen. Paris liebt die Stelvio, das ist kein Geheimnis. „Der obere Teil ist wirklich wunderschön. Da braucht es schon auch sehr viel Mut und Entschlossenheit“, meinte der Ultner. „Mit 150 km/h geht es durch den Canalino – das ist schon mega cool.“ Der schwierigste Teil sei ohne Zweifel die Passage „zwischen Fontana Lunga und Traverse Carcentina“, betonte Paris mit Blick auf die kurvenreichsten Stellen der Abfahrt, die extrem anspruchsvoll sind. „Den Unterschied muss man oben machen, unten ist es nicht mehr so wie früher, als Eis und Schläge die Fahrer an den Rand der Erschöpfung brachten.“ Es ist eine Mischung aus Ehrfurcht, Bewunderung und Vorfreude, mit der Paris über die Stelvio spricht. Am Samstag kann er dort seinen größten sportlichen Traum verwirklichen.

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