
Ski-Juwel Anna Trocker steht vor ihrem zweiten Olympia-Einsatz. © FELICE CALABRO' / Felice Calabro'
Südtirols Ski-Juwel und der berühmte Mentor
Am Mittwoch steht das letzte Ski-Rennen bei den Olympischen Spiele an. Mit dabei ist dann auch Anna Trocker, die als großes Südtiroler Ski-Talent gilt. Ihr steht ein prominenter Mentor zur Seite.
17. Februar 2026
Tagebuch aus Cortina d'Ampezzo

Von:
Thomas Debelyak
Ich durfte in den letzten zehn Tagen in Cortina d’Ampezzo viele magische Olympia-Momente hautnah erleben. Den Abend, an dem unsere Doppelsitzer und Doppelsitzerinnen im Eiskanal innerhalb von nur 64 Minuten zwei Goldmedaillen abgestaubt haben, werde ich wohl nie mehr vergessen. Die Gänsehaut-Atmosphäre, die Federica Brignone nach ihrem Olympiasieg im Riesentorlauf ausgelöst hat, ebenfalls nicht.
Doch ich habe auch gemerkt: Es müssen nicht immer Siege oder Medaillen sein, die große Emotionen entfachen. Es kann auch ein zehnter Platz sein, wie etwa bei Anna Trocker in der Teamkombination der Damen. Wie die Augen der 17-jährigen Völserin nach dem gelungenen Olympia-Debüt vor Freude nur so geleuchtet haben, auch das sind die besonderen Momente, die bei den Winterspielen in Erinnerung bleiben.
Der Slalom am Mittwoch
Am Mittwoch hat Anna Trocker ihren zweiten und letzten Auftritt in Cortina d’Ampezzo. Das Südtiroler Ski-Juwel wird den Slalom bestreiten. Es ist dies ein weiterer Meilenstein in ihrer noch jungen Karriere, die in den letzten Wochen eine so rasante Entwicklung genommen hat – Stichwort Weltcup-Debüt und Olympia-Einberufung.Ein starkes Trio: Anna Trocker (rechts), ihre Schwester Nadine (links) und Arnold Karbon.
Einer, der am Mittwoch im Slalom ganz genau hinschauen wird, ist Arnold Karbon. Der 73-jährige Kastelruther, Vater von Ski-Heldin Denise Karbon, gilt als eine Trainer-Ikone in Südtirol. Mehr als vier Jahrzehnte ist Karbon nun schon im weißen Zirkus aktiv, er betreute Athleten wie Florian Schieder, Peter Fill, Alex Hofer oder seine Tochter Denise – und ist seit einigen Jahren auch der Vertrauenstrainer von Anna Trocker und ihrer um zwei Jahre älteren Schwester Nadine.
Trainer der Mama, Trainer der Gitschn
Kurios: Karbon stand einst auch der Mama der Trocker-Gitschn als Coach zur Seite, nämlich Manuela Mair, die Ende der 1990er-Jahre eine Handvoll Weltcuprennen bestritten hat. Und von Papa Egon war Karbon lange Zeit der Nachbar. Auch deshalb ist das Verhältnis der Familie Karbon zur Familie Trocker sehr eng. Und so war es nicht verwunderlich, dass eine Zusammenarbeit zustande kam.Anna Trocker bei ihrem Einsatz in der Team-Kombi.
„Meine ersten Erinnerungen an Anna? Sie war immer schon ein sehr willensstarkes Mädchen. Was man von den Buben verlangen konnte, konnte man auch von ihr verlangen“, sagt Arnold Karbon. Eine Eigenschaft, die Anna auch jetzt noch auszeichnet. „Sie ist sehr fokussiert, will bei jedem Training 100 Prozent geben und hat auch eine gute Physis. Dann sind da natürlich noch technische Fehler, an denen sie arbeiten muss“, analysiert der Trainer.
Denise Karbon ist ebenfalls involviert
Anna Trocker ist seit dieser Saison in der C-Nationalmannschaft, trotzdem ist Trainer Karbon – auch auf Wunsch der Nationalmannschafts-Coaches – bei den Trainings meistens dabei. „Ich kümmere mich aber auch viel um Annas Schwester Nadine, die bereits zwei Kreuzbandrisse erlitten hat, nun aber wieder fit ist.“ Arnolds berühmte Tochter Denise Karbon arbeitet ebenfalls ab und zu mit den beiden Mädchen, vor allem, was das Trockentraining im Sommer betrifft.„Sie soll es locker und mit einer Freude angehen.“ Arnold Karbon
Annas Auftritt in der Team-Kombi hat Trainer Arnold Karbon jedenfalls beeindruckt. „Ich habe sie sehr gut gesehen, vor allem, was das Mentale betrifft. Sie ist erst seit Kurzem in dieser neuen Welt, bei dieser neuen Truppe. Dennoch ging sie ihren Lauf so an, als würde sie das schon länger machen.“
Was er ihr für den Slalom am morgigen Mittwoch mitgibt? „Genau das, was ich ihr vor den Olympischen Spielen schon gesagt habe: Sie soll es locker und mit einer Freude angehen.“ Arnold, der selbst nicht in Cortina d’Ampezzo ist, wird dann vor dem Fernseher mitfiebern – und genauestens auf jeden Schwung seines Schützlings schauen.
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